Lehrer lassen sich nicht gerne benoten
26.05.2008
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Auf dem umstrittenen Portal spickmich.de können Schüler ihren Paukern ein Zeugnis ausstellen. Viele Lehrer sind davon nicht gerade begeistert. Unsere Zeitung hat sich am Ehrenbürg-Gymnasium umgehört.
Das nichtkommerzielle Projekt von vier Kölner Studierenden ist eine Erfolgsgeschichte. 800 000 angemeldete Schülern benoteten über 350 000 Lehrer unter Namensnennung. „Manche erkennen sich in ihrer Bewertung schon wieder“, bemerkt Deutsch/Latein/Ethik- Lehrer Rainer Lex, „andererseits kann ich mir vorstellen, dass einige, vor allem ältere Kollegen sehr schockiert sein würden, wenn sie von dieser Seite und der Möglichkeit Lehrer nach Kategorien wie ‚cool und witzig’ oder ‚menschlich’ zu benoten wüssten.“ Zwei Lehrerinnen hatten sogar gegen die Seitenbetreiber geklagt, jedoch ohne Erfolg. Die Richter werteten die Benotungen übereinstimmend als legitime Meinungsäußerung. Die muss nicht immer negativ sein. Am Ehrenbürg-Gymnasium unterrichtet mit dem Kunstlehrer Oliver Boberg sogar der beliebteste Lehrer Bayerns. An der Schule sind hauptsächlich Schüler aus der Mittelstufe, also den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 angemeldet. Insgesamt 31 von 119 auf der Seite vertretenen Lehrern des Gymnasiums haben bereits zehn oder mehr Bewertungen bekommen, erst dann wird die Note öffentlich angezeigt.
„Wenig repräsentativ"
„Problematisch daran ist, dass sich theoretisch jeder anmelden und so oft er will eine Person benoten kann“, meint der Oberstudienrat. Dadurch wird das Portal natürlich weniger repräsentativ. Allein am Ehrenbürg Gymnasium sind 51 Personen in der Kategorie „schon fertig mit der Schule“ angemeldet. Damit hat diese Gruppe mehr Stimmkraft als die anderen Jahrgangsstufen gemeinsam. So wird eine „späte Rache“ möglich.
„Man bemüht sich prinzipiell schon so zu benoten, wie es der Realität entspricht, verfällt aber leicht der Versuchung persönlich unbeliebten oder beliebteren Lehrern eher eine schlechte beziehungsweise gute Note zu geben als vielleicht gerechtfertigt“, merkt ein Schüler an, der anonym bleiben möchte.
Die Forchheimer Gymnasiallehrer sehen die Seite distanziert. „Natürlich gesteht man den Schülern ein Forum zu, ihre Lehrer zu evaluieren, dennoch möchten viele ihre Benotung und die der anderen nicht wissen, um als Pädagoge unabhängig zu bleiben“, meint Studienrat Bernhard Belle zu spickmich.de, der Geographie und Deutsch unterrichtet .
Nach der Bewertung von Lehrern gibt es mittlerweile auch schulradar.de im Netz. Hier sollen nun Eltern Schulen Noten geben.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.spickmich.de/>www.spickmich.de und www.schulradar.de/>www.schulradar.de.
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