Jeder kann ein Retter werden

06.09.2010   Von: Dagmar Besand  inFranken.de

Transplantation Oberarzt Dr. Herbert Mädl kümmert sich am Klinikum Kulmbach darum, dass gespendete Organe innerhalb von Stunden zum Empfänger kommen.


Der Organspendeausweis schafft klare Verhältnisse. Wer sich dafür entscheidet, trägt dazu bei, anderen Menschen das Leben zu retten oder zumindest ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. Foto: dpa
Organspenden können Leben retten. Doch die Wartelisten sind lang, und die Zahl der Spender ist zu gering, um allen Bedürftigen helfen zu können. Seit vergangene Woche Frank-Walter Steinmeier, SPD-Fraktionschef im Bundestag, seiner Frau eine Niere gespendet hat, sorgt das Thema wieder für Gesprächsstoff.

Eine Lebendspende wie im Fall Steinmeier ist nur unter nahen Verwandten und einander eng verbundenen Personen zulässig.

Weitaus häufiger sind Spenden nach dem Tod. Die Bedingungen, unter denen Organe entnommen und einem schwerkranken Menschen transplantiert werden dürfen, sind gesetzlich streng geregelt. Die Bayerische Rundschau hat beim Transplantationsbeauftragten des Klinikums Kulmbach, Oberarzt Dr. Herbert Mädl, nachgefragt, wie Organspenden vorbereitet und durchgeführt werden. Zwar werden am Klinikum selbst keine Transplantationen vorgenommen, doch die Organentnahme und alle notwendigen Begleituntersuchungen werden im Bedarfsfall hier erledigt.

Bei Spenden nach dem Tod muss die Einwilligung des Verstorbenen vorliegen, oder seine Angehörigen müssen stellvertretend zustimmen.

"Eine heikle Angelegenheit", weiß Dr. Mädl aus Erfahrung. "Die Angehörigen damit zu konfrontieren, nachdem sie schon die Todesnachricht verkraften müssen, ist schwierig." Trotzdem müssen die Mediziner diese Frage schnell klären, denn nach dem Eintritt des Todes bleiben nur wenige Stunden Zeit, um die Organe einem geeigneten Empfänger einzupflanzen. "Deshalb ist es eine große Hilfe, wenn jeder, der mit einer Organspende einverstanden ist, einen Organspendeausweis besitzt. Das sorgt für klare Verhältnisse und macht es auch für die Angehörigen leichter."

"Wenn wir in Kulmbach einen Spender haben, setzen wir uns mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Verbindung, die den gesamten weiteren Ablauf organisiert, bei Bedarf auch mit Angehörigen spricht und regelt, welche medizinischen Untersuchungen im Einzelfall noch erforderlich sind", erläutert Mädl. Diese Untersuchungen - zum Beispiel per Herzkatheter, um zu überprüfen, ob das gespendete Herz auch gesund ist - übernehmen die Ärzte des Kulmbacher Klinikums. Die Entnahme aller transplantationsfähigen Organe übernimmt ein Erlanger Explantationsteam.

Öfter als zwei bis drei Mal im Jahr findet ein solcher Einsatz in Kulmbach nicht statt, aber wenn, dann schenkt ein einziger Spender unter Umständen vielen Menschen eine Chance auf ein besseres Leben.

Mädl erinnert sich an einen Fall, wo der Spender vor seinem Unfalltod kerngesund war: "70 Menschen haben von seinen Organen profitiert." Die beiden Nieren haben zwei Menschen von der Dialyse erlöst, die Leber konnte an insgesamt vier Empfänger verteilt werden. Transplantiert werden können neben Leber, Herz und Nieren auch Lunge, Bauchspeicheldrüse, Augen, Dünndarm und Gewebe wie Hornhaut oder Knochen.

Für Mädl ist es selbstverständlich, dass er selbst auch einen Organspendeausweis besitzt - "schon seit mindestens 40 Jahren".

Er wirbt dafür, dass möglichst viele Menschen Organspender werden, "weil dadurch die Leiden vieler anderer, die schwer krank sind, gelindert werden können, und weil man damit uns Ärzten die Arbeit sehr erleichtert".

Durch die Organspenden nach dem Tod wird jedes Jahr 4000 Menschen in Deutschland geholfen, am Leben zu bleiben oder eine bessere Lebensqualität zu genießen. Einige dieser glücklichen Empfänger leben auch in Kulmbach - fünf Menschen mit einem Spenderherz und deutlich mehr mit transplantierten Nieren.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Bayerischen Rundschau.



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