"Das war Terror rund um die Uhr"

30.07.2010   Von: Jürgen Gärtner  inFranken.de

Stalking Ingrid Pfeifer wurde von einem Mann verfolgt, den sie im Internet kennengelernt hatte. Jetzt hilft sie mit einem Verein anderen Betroffenen. Die Opfer brauchen oft psychologische Betreuung.


Ingrid Pfeifer (vorne) war ein Stalking-Opfer und hilft jetzt anderen Betroffenen mit ihrem Verein "Gemeinsam gegen Stalking". Unser Bild zeigt sie mit ihrem Lebensgefährten Armin Beck (Zweiter von links) sowie (weiter nach rechts) Bürgermeister Dieter Adam und dem Kriminologen Markus Wortmann, der ein Stalking-Buch sowie die Urkunde für eine Weiterbildung in Sachen Stalking-Beratung mitgebracht hatte. Foto: Jürgen Gärtner
Was es heißt, Opfer eines Stalkers zu werden, das hat Ingrid Pfeifer am eigenen Leib erfahren. Sie hatte vor nicht ganz drei Jahren über das Internet einen Mann kennengelernt und sich verliebt. "Ich hatte gedacht, der könnte es sein." Doch der Traummann wurde schnell zum Albtraum.

Der neue Freund wollte das Leben der Mainleuserin total überwachen und war extrem eifersüchtig. "Er wollte die totale Kontrolle, er wollte alles wissen und konnte kein Nein akzeptieren. Und er hat dabei immer gesagt, dass er mich liebt."

Was für den Mann Liebe war, war für Ingrid Pfeifer "Terror rund um die Uhr". Per SMS, per E-Mail, auch vor Telefonanrufen an ihrem Arbeitsplatz schreckte er nicht zurück. "Er hat mich bedroht, dass ich Angst hatte, er bringt mich um." Körperliche Gewalt gab es aber keine, räumt die heute 42-Jährige ein


Anzeige erstattet


Sogar einen Hacker hat ihr Ex eingeschaltet, um an ihre E-Mails zu kommen. "Und meine neue Handy-Nummer hatte er nach einer halben Stunde", erzählt sie. Von Ende 2007 bis März/April 2008 dauerte der Terror. Da erstattete Ingrid Pfeifer Anzeige bei der Polizei und beantragte eine einstweilige Verfügung vor Gericht gegen den Mann.

Der stand dann auch im April 2008 vor dem Richter. Die Verhandlung hatte für den Stalker Folgen: Er musste sich einer Zwangstherapie in einer forensischen Klinik unterziehen, bekam Internetverbot und zwölf Monate Haft, die für vier Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurden.


"Ich denke, allein verarbeitet das keiner"


Doch die Verfolgung und der Terror hatten der 42-Jährigen schwer zugesetzt. Sie musste sich bei einem Psychologen in Therapie begeben. "Ich denke, allein verarbeitet das keiner", sagt sie rückblickend

Inzwischen hat Ingrid Pfeifer einen neuen Partner gefunden. Dabei sieht sie sich jedoch als eine Ausnahme: "In der Regel sind die Frauen so traumatisiert, dass sie jedem Mann gegenüber misstrauisch sind und lange brauchen, bis sie wieder Vertrauen aufbauen."

Das Stalking-Opfer hat aus seiner Erfahrung Konsequenzen gezogen und im Juni 2008 eine Hotline ins Leben gerufen, an die sich andere Betroffene wenden können.

Aus der zunächst privaten Initiative ist mittlerweile der gemeinnützige Verein "Gemeinsam gegen Stalking" (info@gemeinsam-gegen-stalking.de, Telefon 09229/9737486) geworden, dessen Vorsitzende Pfeifer ist. Zudem gibt es eine Selbsthilfegruppe, die sich zweimal im Monat in Mainleus trifft. Der Verein ist bundesweit tätig.

Mehr zu dem Thema lesen Sie in der Samstagsausgabe der Bayerischen Rundschau.



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