Eine Mühle verblüfft die Experten

01.09.2010     inFranken.de

Denkmalschutz Die Rothmühle von ca. 1560 entpuppt sich als ältestes Gebäude Weißenbrunns. Die Familie Bohl will dem lange leer stehenden Gebäude wieder Leben einhauchen.


Der staatlich geprüfte Restaurator Uwe Franke (rechts) aus Wernstein hat die wertvolle Substanz der Rothmühle akribisch untersucht und erläutert dem Bauherrn Michael Bohl sein Restaurierungskonzept. Foto: cs
Schandfleck, Bruchbude - mit solchen Prädikaten sind alte Gebäude schnell abgestempelt, in den Augen vieler Betrachter taugen sie höchstens noch für die Abrissbirne.
Oftmals gar für verrückt wird erklärt, wer überhaupt noch einen Cent in so einen "alten Kasten" steckt - wie die Familie Bohl aus Weißenbrunn.

"Wie die Jungfrau zum Kinde" ist Gerda Bohl - wie sie selbst sagt - 1994 in den Besitz der Rothmühle gekommen. Jahrelang hatte sie ihre Nachbarin Luise Krauß gepflegt. Und als die Urahnin des bereits um 1700 als Müller auf der Rothmühle erwähnten Heinrich Krauß mit 91 Jahren verstarb, vermachte sie der Familie Bohl aus Dankbarkeit das Anwesen - verbunden jedoch mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass das Erbe ihrer Vorväter erhalten bleiben sollte. Dass sie damit in den Besitz des wohl ältesten erhaltenen Gebäudes von Weißenbrunn gekommen ist, konnte die Familie Bohl damals noch nicht erahnen. Doch dazu später.

Neues Dach, neues Gebälk


Peu a peu machten sich Gerhard Bohl und sein Sohn Michael, glücklicherweise beide Schreinermeister, an die Sanierung der Rothmühle. Unter anderem setzten sie dem Gebäude 2002 ein neues Dach mit teilweise Glas verkleideten Gauben auf. Zimmerer ersetzten teilweise morsches Gebälk - die Denkmalschützer aus Kronach sahen damals nicht so genau hin.

Heute jedoch dürfen die Bohls kein Brett mehr ohne Genehmigung austauschen. Mit gutem Grund, denn die Rothmühle hat sich inzwischen als Gebäude mit "hohem Denkmalwert" entpuppt, wie der in Wernstein beheimatete Restaurator Uwe Franke sagt. Das ist vor allem der Gebietsreferentin Andrea Behrendt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof bei Memmelsdorf zu verdanken, die im vergangenen Jahr bei einer Besichtigung den wahren Wert des Objekts erahnt und bei Uwe Franke eine Bestandsanalyse in Auftrag gegeben hatte.


Vermutung bestätigt


Ihre Vermutung wurde im Frühjahr 2010 bestätigt, als dendrochronologische Untersuchungen der Universität Bamberg von einem Balken im Erdgeschoss, dem Mühlenraum, das Fälldatum 1557 ergeben haben. Ebenfalls Tannen wurden für die Sparren und Ständer im Dachgeschoss verwendet. Sie stammen aus dem Winter 1562/63. Demnach stammt das Gros des Gebäudes nicht wie bisher angenommen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, sondern ist stolze 450 Jahre alt und laut dem Weißenbrunner Heimatforscher Dieter Runzer das "älteste erhaltene Haus in Weißenbrunn".
"Das Alter und der Wert der Rothmühle wurden weit unterschätzt", sagt Uwe Franke.

Wer vom Dörfchen Grün kommend entlang des Schlottermühlbachs nach Weißenbrunn hinunterfährt, dem sticht nun zur Linken der herrliche Fachwerkgiebel der Rothmühle ins Auge, der Jahrzehnte unter Putz verborgen war.

Der Anfang der Rückverwandlung vom Schandfleck zum Schmuckstück ist gemacht, doch bis zur endgültigen Entpuppung werden wohl noch einige Jahre vergehen. "Denn wir sind keine Millionäre", sagt Michael Bohl.


Rothmühlenfest am Sonntag, 5. September






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