Zauber der Farben in Märchen und Malerei

10.03.2010   Von: Heike Schülein  inFranken.de

Märchenwoche  Auf der Festung Rosenberg fand ein Malworkshop statt. Aus Anlass der 18. Kronacher Märchenwoche erzählte die bekannte Märchenforscherin Sigrid Früh Märchen vor den Kunstwerken der Fränkischen Galerie. Eva Schreiber-Dümlein lud anschließend zu einem Malworkshop ein.


Die Märchenerzählerin Sigrid Früh (rechts) nahm auch am Malworkshop teil.
"Zauber der Farben in Märchen und Malerei" – unter diesem Motto stand am Dienstag eine ganz besondere Veranstaltung auf der Festung Rosenberg. Zauberhaft war diese gleich in vielfacher Hinsicht. So verzauberte zunächst die Märchenerzählerin Sigrid Früh mit zwei Märchen, die sie vor Skulpturen und Bildern in der Fränkischen Galerie zum Besten gab. Wahrlich zauberhaft ging es anschließend beim Malworkshop in der Lucas-Cranach-Werkstatt zu. Dort begaben sich die großen und kleinen Künstler auf die Spuren des großen Meisters, mischten selbst wunderschöne Farben und "zauberten" daraus einen farbenprächtigen "Blumenkönigin-Mantel".

Eva Schreiber-Dümlein begrüßte in der Fränkischen Galerie die bunt gemischte Besucherschar, wobei ihr besonderer Gruß der Märchenerzählerin Sigrid Früh sowie der Hauptorganisatorin der Kronacher Märchenwoche, Elke Grötzner, galt.

Wie gebannt hingen die Zuhörer danach an den Lippen der Märchenerzählerin. Anschaulich, voller Charme und ganz aus dem Gedächtnis trug Sigrid Früh zunächst das eher unbekannte Märchen der Gebrüder Grimm "Die zwölf Brüder" vor. Als thematische Hintergrundkulisse diente hierfür die – drei Generationen vereinigende – Figurengruppe "Heilige Anna Selbdritt" von Veit Stoß. Vor dem Marienaltar "Mutter von Rodas" erzählte Sigrid Früh anschließend das Märchen "Die Tochter der Blumenkönigin" – nach einer Erzählung einer Siebenbürgerin, das auch in ihrem neuen Buch "Märchen von Müttern und Töchtern" zu finden ist.

Laut Eva Schreiber-Dümlein und Sigrid Früh, die auch eine anerkannte Märchenforscherin ist, gehe von Farben schon von jeher eine besondere Bedeutung und Faszination aus – so natürlich auch in Märchen und in der Malerei. "Keine Farbe war Zufall; alle hatten ihre Bedeutung", so die Kursleiterin. So sei die Mutter Gottes auf den Gemälden meist in einem blauen Mantel oder Kleid gemalt worden. "Blau ist die Farbe des Himmels und steht für Reinheit und Sauberkeit", erklärte Eva Schreiber-Dümlein. Die erste Farbe, mit der die Menschen gemalt hätten, sei Rot gewesen. Rot sei eine Farbe mit viel Kraft und die Farbe des Feuers. Erstaunt hörten die Gäste, mit wieviel Aufwand früher die Herstellung von Farben verbunden gewesen sei. So stamme das berühmte Purpurrot aus der Drüse der Purpurschnecke, wobei man für ein Gramm Pigment 12 000 Schnecken benötigt habe. Grün – Symbol für Paradies und Wachstum – habe man durch Harnsäure auf Kupfer gewonnen, indem man auf das Metall "gepinkelt" habe.

Glücklicherweise fanden die großen und kleinen "Farbmischer" – darunter auch Museumspädagoge Dirk Eilers – in der Lucas-Cranach-Werkstatt andere Möglichkeiten der Farbherstellung als diese recht unappetitliche Art. So verrührten sie Farbpulver mit Wasser. Wie aber schafft man es, dass die Farbpigmente tatsächlich auf dem Papier bleiben und nicht abfärben? Großes Rätselraten, bis Eva Schreiber-Dümlein die geniale Lösung verriet – Eier. Tatsächlich seien diese bis ins Mittelalter hinein als Bindemittel für die Farben benutzt worden. Mit den Farben malten die angehenden Künstler einen kunterbunten "Blumenkönigin-Mantel" – frei nach dem zuvor gehörten Märchen und wohl in der Hoffnung, dass der unsäglich lange Winter nun endlich dem so lang ersehnten Frühling mit all seiner Blumenpracht weichen möge.




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