Mehr als ein Bedienungs-Job

01.09.2010   Von: Corinna Igler  inFranken.de

Ausbildung Die 22-jährige Sabine Faude hatte ihren ersten Tag als Auszubildende zur Veranstaltungskauffrau im Café Kitsch.


Sabine Faude will Profi im Organisieren von Veranstaltungen werden. Dazu gehört auch das Dekorieren. Fotos: Corinna Igler
Sabine Faude nimmt eine Kaffeetasse aus dem Regal, drückt an der Maschine ein paar Knöpfe und nimmt kurz darauf einen großen Schluck Kaffee. Im Prinzip ist alles wie immer. Seit 2007 arbeitet sie schon im Café Kitsch. Und trotzdem ist sie am Mittwoch ein bisschen aufgeregt, als sie das Café betritt. Schließlich ist es ihr erster Tag als Auszubildende in dem Gastronomiebetrieb. Nicht als Kellnerin, vielmehr lernt die 22-Jährige Veranstaltungskauffrau. Ein anspruchsvoller Job, bei dem die Tätigkeiten weit über das Bedienen hinaus gehen.

"Ich hab' neben der Schule immer im Kitsch gejobbt", erklärt die junge Frau. Nach dem Abi 2009 hat sie sich erstmal ein Jahr Zeit gelassen, um herauszufinden, was sie beruflich machen will. "Ich wollte nicht etwas studieren und dann vielleicht wieder abbrechen, weil ich merke, dass es das nicht ist", sagt sie. Im Kitsch hat sie mitbekommen, dass man dort weit mehr machen kann als bedienen. "Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht", sagt sie. Veranstaltungen, die im Kitsch stattfinden, sind schließlich mit einem organisatorischen Aufwand verbunden, müssen geplant, vorbereitet und nachbearbeitet werden. Der Kontakt zu Menschen macht ihr Spaß, das Mithelfen bei den Veranstaltungen ebenso. Also war schnell für sie klar - nachdem das Café Kitsch bereits einen jungen Mann, Tobias Heinlein, zum Veranstaltungskaufmann ausbildet - dass das genau das Richtige für sie wäre. Sicher hätte sie auch Eventmanagement studieren können. Doch die 22-Jährige setzt auf die Praxiserfahrung. "Da lernt man doch viel mehr."

Das sieht auch Sabines Chef Markus Welsch so: "Veranstaltungskauffrau bedeutet nicht bessere Bedienung, sondern ist ein vielfältiger und umfangreicher Beruf. Er wird seit 2001 von der IHK angeboten, weil das private wie auch das geschäftliche Leben von Veranstaltungen geprägt ist. Das fängt bei der Taufe an und hört bei der Beerdigung auf. Und weil die Anforderungen an Veranstaltungen in den vergangenen Jahren immer mehr gewachsen sind, braucht es Profis. So ist dieser Beruf entstanden."

Was muss Sabine Faude nun aber als angehende Veranstaltungskauffrau genau machen? "Eine Veranstaltung beginnt für die Organisatoren zum Teil drei Monate vorher mit der Terminplanung, der Sponsoren- und Partnersuche und endet nicht mit den Abbau- und Aufräumarbeiten. Es müssen dann noch Bilder ins Internet gestellt und ein Nachbericht verfasst werden", erklärt Welsch das Berufsbild. Als erste Aufgabe wartet auf die junge Frau nun das Organisieren "der schönsten und größten Halloween-Party der Region" im Café Kitsch. Da gilt es, Deko zu besorgen und zu basteln, mit den Barkeepern das Getränkeangebot abzustimmen. Fotografen für Partybilder muss sie anheuern, einen DJ organisieren und dessen Honorar verhandeln, mit dem Webdesigner den Medienauftritt abstimmen, die Kostümierung des Teams besprechen, etc. "Das sind locker 30 bis 40 Stunden Vorbereitungszeit", weiß Welsch.

Doch Sabine Faude schreckt das nicht ab: "Der Beruf ist so abwechslungsreich. Wir organisieren ja nicht nur Veranstaltungen für junge Leute, sondern auch Feiern für Firmen oder Leute im mittleren Alter. Jede Veranstaltung ist anders, es wird nie langweilig werden. Außerdem muss man in diesem Beruf kreativ sein, hat mit Leuten zu tun und arbeitet im Team."

Da nimmt sie es gerne in Kauf, dass es sich nicht um einen 9 bis 17 Uhr-Job handelt. "Wer diesen Beruf macht, muss mit Leib und Seele dabei sein. Da gehört Leidenschaft dazu", so Welsch. Ebenso wie ein gewisses Alter und eine entsprechende Bildung: bevorzugt werden Abiturienten. Und nach der Ausbildung - Berufsschule findet blockweise statt - kann Sabine Faude immer noch ein Studium machen oder im Ausland arbeiten. "Da bieten sich viele Möglichkeiten", erklärt ihr Chef. "In dem Berufsfeld herrscht Vollbeschäftigung."




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