Drei Zeilen spiegeln die Gefühle wider

10.03.2010   Von: Daniela Schütte  inFranken.de

Literaturwerkstatt Im Kurs 47 der Berufsfachschule für Krankenpflege standen in dieser Woche Gedichte auf dem Stundenplan. Unter der Anleitung von Ingo Cesaro brachten die Schülerinnen ihre Gedanken zu Papier.


Unter der Anleitung von Ingo Cesaro (hinten links) verfassten die angehenden Krankenpflegerinnen eigene Kurzgedichte, die später auch der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Mit im Bild: Kursleiterin Petra Engelhardt (hinten rechts). Foto: Daniela Schütte
Drei Zeilen, 17 Silben: Der Raum, den ein Kurzgedicht den Gedanken seines Schreibers gibt, ist begrenzt. Und dennoch ist kaum eine Gedichtform besser geeignet, seine Gefühle in Worte zu fassen. Diese positive Erfahrung haben auch die angehenden Krankenpflegerinnen aus dem Kurs 47 der Berufsfachschule für Krankenpflege gemacht. Unter Anleitung von Ingo Cesaro entdeckten sie in einer zweitägigen Literaturwerkstatt ihre poetische Ader. Seit vielen Jahren ist der Besuch des Kronacher Künstlers schon fester Bestandteil des Stundenplans. Ziel der Werkstatt ist keineswegs nur eine theoretische Einführung. Schon am zweiten Tag durften die Jugendlichen selbst zum Stift greifen und ihre Gedanken zu Papier bringen.


Silbenzahl ist die einzige Bedingung


"Am Anfang war das schon schwer", erinnert sich Corinna. "Dann ging es aber wie von selbst". Diese Erfahrung hat auch Lena gemacht. "Auf einmal fallen einem dann zehn Gedichte auf einmal ein", erzählt sie. Dass sich Gedichte nicht zwingend reimen müssen, hatte einige der Schülerinnen zwar zunächst irritiert. Ingo Cesaro hat aber auch dafür eine Erklärung parat: "In der heutigen Gesellschaft reimt sich nichts mehr. Warum also sollten Gedichte sich reimen?"

Inhaltlich ließ der Künstler den Jugendlichen die freie Wahl. Und so spiegelt sich in ihren Gedichten auch ihre Lebenswelt in all ihren Facetten wider. Einzige Bedingung: Die Gedichte mussten in der ersten Zeile fünf, in der zweiten Zeile sieben und in der dritten Zeile wieder fünf Silben haben.


Auch der Krankenhausalltag war ein Thema


Die Liebe war ein beliebtes Thema bei den 17- bis 20-Jährigen, ebenso wie Freundschaft und Natur. Einige der jungen Frauen beschäftigten sich in ihren Kurzgedichten aber auch mit ihrem Arbeitsplatz, mit den widersprüchlichen Gefühlen von Freud und Leid, wie sie einem im Krankenhausalltag begegnen. "Oft merkt man, dass sich die Schüler erst einmal frei schreiben", berichtet Cesaro. Und auch Lisa hat gemerkt: "Vieles lässt sich leichter schreiben, als wenn man es direkt sagt." Gedichte werden so zu einem Ventil, dass die Schülerinnen auch später noch nutzen können, um ihre Sorgen und Gedanken in Worte zu fassen und so zu bewältigen.


Man muss nur mit einem Begriff anfangen


Und auch wenn einen gerade kein spezielles Thema beschäftige, könne man sich durch das Schreiben von Kurzgedichten prima die Zeit vertreiben, findet Lena. "Man muss eigentlich nur mit einem Begriff anfangen, zum Beispiel ,Natur‘. Dann fallen einem vielleicht noch ,Gras‘ und ,Blumen‘ ein – und dann entsteht das Gedicht fast von allein."

Viele Texte sind auf diese Weise entstanden. "Sehr schöne, poetische Texte", lobt Ingo Cesaro, der die Literaturwerkstatt in der Berufsfachschule für Krankenpflege als eine der besten bezeichnet: "So viele gute Gedanken sind bisher in noch keiner Werkstatt entstanden."


Gedichte werden auch der Öffentlichkeit präsentiert


Nachdem die Schüler gestern ihre fertigen Gedichte vorgetragen haben, sollen diese am kommenden Dienstag auf dem Computer erfasst und ausgedruckt werden. Anschließend wird die Schule eine Auswahl im Foyer der Frankenwaldklinik präsentieren. Später, wenn das Wetter etwas besser ist, sollen einige Gedichte ihren Platz im Park des BRK-Altenheims finden. Am 5. Juli ist außerdem eine Präsentation in der Galerie des Landratsamtes geplant. "Und eventuell wird ein Teil auch auf dem Landesgartenschaugelände gezeigt", verrät Cesaro. Die Schülerinnen haben der Redaktion von inFranken.de schon vorab eine Auswahl ihrer Gedichte gegeben:

Es war echt sehr toll

Zeit mit dir zu verbringen

Einen Schlussstrich ziehen

Anna-Lena Porzelt

Es sind die Starken

die unter Tränen lachen

Sorgen verbergen

Franziska Gareis

Die Gesundheit ist

für uns ein kleines Wunder

niemals vergessen

Melissa Herold

Der Ring ein Symbol

Zeichen der Liebe ist er

trage ihn bei dir

Corinna Jungkunz

Der Mensch voll Hass ist

der Himmel weint oft deshalb

Doch kein Mensch sieht’s

Lisa Bauer

Sie krabbelt am Baum

kaum zu sehen und hören

ist die Ameise

Eva Friedrich

So schön anzusehen

die Natur in voller Pracht

Vielfalt der Düfte

Lena Heidenreich

Ich liebe den Wald

er schenkt mir viele Früchte

doch mehr Leidenschaft

Alina Hodermann

Ein Hauch von Sommer

was für ein himmlischer Duft

weht sanft durch den Park

Luisa Hanke



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