Teuschnitzer malt für Papst Benedikt

03.09.2010   Von: Corinna Igler  inFranken.de

Porträt Alfred Rebhan ist kein Künstler, wie die meisten. Er ist präzise, sorgfältig - und bescheiden. Dabei muss er das gar nicht sein, denn eine der Ikonen ist nun sogar auf dem Weg zu Papst Benedikt XVI.


Alfred Rebhan malt an einer Ikone. Fotos: Corinna Igler
Unordentlich, durcheinander, vielleicht sogar etwas schlampig. Manche nennen es auch kreatives Chaos. All dies müssen sich Künstler oft nachsagen lassen. Bei Alfred Rebhan ist der Rasen gemäht, das kleine Häuschen in der Frankenwaldstraße gepflegt. Nicht mal die Gartentür quietscht. Mit seinem grauen Bart und der blauen Schürze wirkt der kleine Mann der die Haustür öffnet und freundlich lächelt auch eher wie ein Handwerksmeister. Gewissenhaft, gründlich, sorgfältig. Manche würden sagen penibel.

Doch das ist Alfred Rebhans Art, erzählt er später. Wenn er etwas macht, soll das auch Hand und Fuß haben. Von einem Künstler, wie man ihn sich vorstellt, würde man so etwas wohl nicht hören. Doch bei Alfred Rebhan geht das gar nicht anders. Er malt nämlich Ikonen, sprich Heiligenbilder. Für den 70-Jährigen ist die Ikonenmalerei beruhigend, erfordert aber zugleich viel Konzentration.


Bescheiden


Alfred Rebhan ist sehr christlich, der sonntägliche Gottesdienstbesuch gehört für ihn zum Alltag wie das Zähneputzen. "Das brauch' ich einfach", sagt er in seinem Teuschnitzer Dialekt. Seit seinem 18. oder 19. Lebensjahr male er, lange habe er sich nur mit Ölmalerei beschäftigt. "Seit 13 Jahren male ich aber eigentlich nur noch Ikonen", erklärt der kleine Herr und schaut dabei auf einige Ikonen, die an der Wand in einem Zimmer im Erdgeschoss hängen. Er wirkt bescheiden. Und das ist er auch: "Ich brauch' das nicht", sagt er. "So viel Aufsehen um meine Person", fährt er fort. Seine Bescheidenheit ist wohl der Grund, warum kaum einer von dem Hobby des Teuschnitzers weiß.

Schon vor über 13 Jahren habe der gläubige Mann - schon immer fasziniert von der Ostkirche, deren Liturgie und Mystik - versucht, Ikonen zu malen. "Aber das ist gar nicht so einfach." Also hat er zunächst weiter Ölbilder gemalt und sich parallel das Ikonenmalen beigebracht. Nicht etwa durch Kurse, sondern durch das Lesen zahlreicher Bücher über diese Art von Kunst, durch Kirchen- und Museumsbesuche.

"Vom Material her ist Ikonenmalerei etwas ganz einfaches", sagt Alfred Rebhan. Eigelb, Essig, Wasser und Pigmente braucht er für die Farben.

Die Technik hingegen sei schon um einiges komplizierter: Auf Tischlerplatten werden ein Gewebe und zehn Schichten Grundierung aufgebracht. Das Ganze wird dann abgeschliffen. Dann kann Alfred Rebhan mit der Zeichnung beginnen und die Hauptkonturen einritzen. Danach folgt die Vergoldung, bevor Rebhan zu den zusammengerührten Farben greift. "Den Pinsel muss man ganz ausstreichen, bevor man ihn ansetzt, so dass fast keine Farbe mehr dran ist. Dafür muss man mehrmals drüber malen", erklärt Rebhan.


Schwester hatte Idee


Ein paar seiner Werke hat er für Bekannte aus Teuschnitz angefertigt, die meisten jedoch für eine Basilianer-Nonne: "Im Fernsehen, auf dem religiösen Sender KDV, kam ein Beitrag über Schwester Michaela-Josefa Hutt. Ich hab' mich dann mit ihr in Verbindung gesetzt. Als ich erwähnt habe, dass ich Ikonen male, sollte ich eine für sie anfertigen. Es war die Ikone von der Knotenlöserin", erinnert sich Alfred Rebhan. Und dann wurden es immer mehr. Dank Schwester Michaela-Josefa kamen die Ikonen des Teuschnitzers unter anderem bis in die Schweiz. Und nun sogar zu Papst Benedikt XVI.


Der Kardinal im Krankenhaus


Zustande gekommen ist dies im Prinzip durch einen Krankenhausaufenthalt des Kardinals Meisner. "Die Schwester hat ihm über einen Professor einen kleinen Druck einer Ikone, die ich gemalt habe, zukommen lassen. Es ist die Ikone der Gottesmutter Tricherousa. Dem Kardinal Meisner hat sie scheinbar so gut gefallen, dass die Schwester mich gebeten hat, die Ikone noch einmal in Originalgröße anzufertigen - als Geschenk für den Kardinal. Zusätzlich sollte ich eine Ikone von Christus dem Vielerbarmenden malen, damit Kardinal Meisner diese zusammen mit einem Brief dem Papst mitbringt", erklärt der Ikonenmaler. Die Schwester hatte dabei nämlich einen Hintergedanken: Schließlich würde sie gerne das Fest der göttlichen Barmherzigkeit im byzantinischen Ritus feiern, der Papst muss dazu allerdings sein Einverständnis geben.

Und so ist die Ikone für den Papst derzeit auf den Weg nach Rom, Alfred Rebhan hat sie Schwester Michaela-Josefa nämlich bereits persönlich überbracht.

Und auch wenn Alfred Rebhan nicht viel Wirbel um seine Person machen will, ein bescheidener Mann ist, ist er sichtlich stolz, dass eine seiner Ikonen den Papst erreichen wird. Denn als er die Geschichte erzählt, wird nicht nur sein breites Wissen über die Ostkirche und die Ikonenmalerei deutlich, vielmehr sind auch ein Strahlen in seinen dunklen Augen und ein breites Lächeln in seinem Gesicht zu sehen.

Da wird der ältere Herr sogar ein bisschen sentimental: "Wenn meine Mutter nicht gewesen wäre, würde ich das vielleicht alles gar nicht machen." Sie habe ihn nämlich als jungen Mann, als er 18 oder 19 Jahre alt war, darin bestärkt, zu malen: "Ich hab' mir eigentlich aus Langeweile damals den Zeichenblock von der Tochter meiner Schwester geschnappt und drauf los gemalt." Seine Mutter habe gesagt "Na Alfred, das sieht fei schön aus". Und der hat daraufhin immer mehr ausprobiert und "irgendwann konnte ich nicht mehr aufhören."


Ikonen


Ikonen sind Heiligenbilder der Ostkirchen, besonders der orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus. Die Bilder sind kirchlich geweiht und haben für die Theologie und Spiritualität der Ostkirchen eine sehr große Bedeutung. Der Zweck der Ikonen ist, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten zu sein, indirekt auch zwischen dem Betrachter und Gott. Ikonen werden in der Orthodoxen Kirche weder als Kunstgegenstände noch als Dekoration angesehen, sind aber wesentlicher Bestandteil der Byzantinischen Kunst. Das Ikonenmalen kommt vom Mönchtum. Die älteste Ikone hängt im Katharinenkloster am Mosesberg im Sinai.


Altstadtfest


Beim Altstadtfest am 11. September in Teuschnitz zeigt Alfred Rebhan einige seiner Ikonen ab 10 Uhr im Pfarrheim.




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