Kronacher Ratsherren schlossen ersten Frieden

28.06.2010   Von: Norbert Neugebauer  inFranken.de

Ratsherrenzug Ein eindrucksvolles Erlebnis für die Beteiligten und ein in jeder Hinsicht großer Erfolg war der Ratsherrenzug, der am Wochenende von Kronach nach Nordhalben führte und mit dem "Frieden von Nordhalben 1635" seinen Höhepunkt vor stattlicher Kulisse fand.


Der Kronacher Stadtvogt (rechts, Hans Götz) und sein Viertelmeister (Stefan Wicklein, 2. v.l.) fordern das "Roddicher" Dorfoberhaupt (Mitte Norbert Gräbner) und seine Flößer nachdrücklich auf, künftig vom allzu reichlichen Bierfrevel abzulassen.
In Erinnerung an das historische Ereignis, das den ersten Sonderfrieden im 30-jährigen Krieg zwischen den verfeindeten Lagern brachte, zogen gut zwei Dutzend tapfere Kronacher Weibs- und Mannsbilder das Rodachtal hinauf auf den Nordhalbener Berg.

Angeführt vom Stadtvogt Hans Götz und seinen Viertelmeistern, bewacht von der Cronacher-Ausschuss-Compagnie unter ihrem Obrist-Hauptmann Walter Schinzel-Lang und begleitet von Marketender(inne)n mit Pferdegespann sowie Nachwuchs erreichte der Tross am Samstag nach knapp zweistündigem Marsch das aufmüpfige Dorf Marktrodach.

Dort wurde schon seit geraumer Zeit gegen das Kronacher Bierprivileg verstoßen, wie die Amtsleute feststellten. Allerdings war der Vogt Norbert Gräbner, angesichts seiner versammelten Flößertruppe mit ihren Flößerhaken und Breitbeilen sowie mit Rückendeckung durch die nicht weniger wehrhafte Landtagsfrau Christa Steiger im Flößermuseumsgarten wenig einsichtig: "Euer Kronicher Dünnbier wöll mer nier!" Doch der mitgeführte Probetrunk von Braumeister Thomas Kaiser überzeugte dann einen Teil der "Roddicher".

Frisch gestärkt und unter dem Ehrengeleit der Flößer ging es dann durch die blühenden Felder weiter talaufwärts ins schmucke Zeyern und über Erlabrück nach Steinwiesen zum Tagesettappenziel. Im frisch renovierten "Goldenen Anker" wurden die Gäste von der Wirtin Edithe Maria Kolb de Souza
Leao gut aufgenommen, die jedoch auch das Bierprivileg missachtete, wie umgehend festgestellt wurde. Der zur Verstärkung angereiste Oberbürgermeister der Stadt Kronach, Wolfgang Beiergrößlein, konnte jedoch auf fremdem Territorium wenig ausmachen und empfahl deshalb die gütliche Vergleichsverkostung mit dem "Schmäuß" aus dem Trossgepäck. Dem kam dann auch die Nordhalbener Delegation gerne nach.

Weil der Weg nach Nordhalben mit müden Füßen doch sehr beschwerlich war, nahm ein Teil der Reisenden am Sonntagmorgen den historischen Museumszug bis Mauthaus - der Berg aber blieb. An der Talsperre entlang und dann den Hellgothsgrund hinauf schwitzen Mensch und Pferd in der Mittagshitze gewaltig, kamen aber noch frühzeitig in Nordhalben an.

Angeführt vom Trommlerzug Wallenfels und einer Nordhalbener Delegation unter den Organisatoren Rudolf Ruf und Bernd Radlo traf der Tross in der Ortsmitte ein. Vogt und Amtsverweser Josef Daum begrüßte die honorigen Gäste, zu denen eine Abordnung Reußischer Gesandter unter dem dortigen Amtsschösser (und ebenfalls Bürgermeister) Peter Oppel stieß.

Mit der Klage einer kriegsmüden Frau (Ingrid Gehring) und der frohen Kunde eines Botschafters (Norbert Neugebauer) begann die Verhandlungsrunde vor dem Gasthaus "Zum Christoph" mit ihren jeweiligen Wortführern. Die beiden zunächst streitenden Parteien wurden von ihren Reußischen (dargestellt von Nordhalbenern) und Kronacher Begleitern lautstark unterstützt, während der Nordhalbener Gastgeber als ausgleichender Pol die Ruhe bewahrte. Groß war die Freude, als der Schreiber (Bernd Radlo) schließlich den Friedens-Recess verkündete. Durch das Spiel führte als moderierender Erzähler Rudolf Ruf, der auch die Hauptorganisation in Nordhalben übernommen hatte. Die stattliche Zuschauerzahl applaudierte kräftig und ließ sich dann von den feuerspeienden Gauklern von Castra Vita auf das Feuerwerk der deutschen Nationalmannschaft im angrenzenden Wirtshof einstimmen.




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