Kleintettau feiert Jubiläum und Heinz-Glas
02.04.2011 Ort: Kleintettau/Tettau Von: Veronika Schadeck
Festakt Mit einem Theaterstück über die Entstehung von Heinz-Glas und Kleintettau sowie mit einen Rückblick, dargebracht von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, feierte am Freitagabend das Glasmacherdorf sein 350-jähriges Jubiläum.

Der Regierungspräsident spielte in dem Dreiakter den Marktgrafen Georg Albrecht, der Hans Heinz (Carl-August Heinz), Peter Müller (Eberhard Hotze) und Hans Georg Müller (Wolfgang Hammerschmidt) am 1. April 1661 die Erlaubnis erteilte, eine Glashütte "in der Kleinen Tettau" zu bauen.
Da diese nicht schreiben konnten, engagierten sie zuvor den Langenauer Pfarrer (Benjamin Baier) mit der Bitte, ihre Anliegen niederzuschreiben. Um den Pfarrer bei Laune zu halten, wurde er entsprechend verköstigt.
Die drei Pioniere äußerten unter anderem den Wunsch, neben der Glashütte drei Wohnhäuser zu errichten, ein Hutweide für das Vieh sowie eine "Schneidte- oder Mahlmühl" zu erhalten. Sie verlangten die Genehmigung für das Ascherbrennen und für ein "Breu-Hauß".
Der Markgraf genehmigte alles, mit Ausnahme des Brauhauses. Dass sich die Bittsteller ihren eigenen Tischtrunk selbst brauen, das könne er nicht gutheißen.
Buchstäblich mitgerissen wurden das Publikum, als Günter Dippold in packender Weise auf die Historie von Kleintettau einging. Dabei kam zu Vorschein, dass das Glasmacherdorf schon von Anfang von Grenzen umgeben war, die Bevölkerung viele Krisen zu meistern und oftmals mit bitterer Armut zu kämpfen hatte. Die erste Glashütte war eine Art Scheune gewesen, die anfangs mit Holzschindeln und später mit Schiefer eingedeckt wurde. In der Mitte des Raumes stand der Offen, an seinen beiden Längsseiten die Tonhäfen, in denen das Glas geschmolzen wurde.
Dippold erwähnte in seinem Vortrag unter anderem Konflikte mit den Forstbehörden im 18. Jahrhundert aufgrund der teuren Holzpreise, den Brand der Glashütte im Jahre 1904, die Arbeitnehmerstreiks im Jahre 1906, die zwei Jahre später wegen unerfüllte Lohnforderungen der Heinzischen Arbeiter zu einem sechsmonatigen Ausstand führten. Kleintettau sei schon vor 110 Jahren eine sozialdemokratische Hochburg gewesen.
"Was für ein Ort, was für eine Geschichte", schloss Dippold seinen Vortrag. Leidenschaft war aus seiner Stimme zu hören, als er die Gegend als rau, die Arbeit als hart und die Lebensbedingungen als schwierig beschrieb. "Und doch: Wie steht Kleintettau heute da?"
Heute werden Glasflakons produziert, die in alle Welt geliefert werden. 1400 Arbeitsplätze sind vorhanden. Die Technik ist hochmodern, die Köpfe sind kreativ. Wer behaupte, so Dippold, dass das Dorf seine Bewohner begrenzt und dumm, die Großstadt aber klug und weitläufig macht, der irrt gewaltig.
Längst schauen die Bürger über den Tellerrand hinaus. Es leben hier Menschen die etwas aus ihren Ort machen, ob es um die Ansiedlung von Highland-Rindern geht, um die Errichtung eines Glasmuseums und demnächst jetzt aktuell um ein Tropenhaus.
Sowohl der Bezirksheimatpfleger als auch die Akteure wurden mit tosendem und nicht enden wollenden Ovationen für ihren Auftritt beziehungsweise Vortrag vom Publikum belohnt. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Sparkassen-Orchester. Durch das Programm führte Bürgermeister Hans Kaufmann.
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