"Ich hatte auch mal Fünfer"

07.09.2010   Von: Corinna Igler  inFranken.de

Interview Dr. Klaus Morsch hat die Nachfolge von Ursula Fritzsche als Leiter des Frankenwald-Gymnasiums angetreten. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät er vor Schulbeginn einiges über seine Person.


Dr. Klaus Morsch Fotos: Corinna Igler
Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe, eine Schule zu leiten?
Ich war schon in der Schulleitung am Richard-Wagner-Gymnasium in Bayreuth tätig. Das hat mir bereits gut gefallen, weil man da sehr viele Möglichkeiten hat, das Schulleben mitzugestalten. In der neuen Position habe ich diese Möglichkeiten mindestens genauso oder noch viel mehr. Als Schulleiter kann man den Ablauf in der Schule nach seinen Vorstellungen gestalten - ob im Unterricht oder darüber hinaus. Initiativen und Projekte kann man anregen und für eine gewisse Atmosphäre an der Schule sorgen.

Welche Ideen haben Sie da konkret?
Ideen habe ich viele, aber die müssen natürlich erst noch mit den Betroffenen besprochen werden. Immer unter dem Vorbehalt, dass dies auf die Zustimmung der Eltern und Kollegen trifft, würde ich gerne eine offene Ganztagesschule einrichten. Offen heißt, dass die Kinder, die wollen, bis 16 Uhr an der Schule betreut würden. Dazu gehören Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und verschiedene Aktivitäten. Man muss aber erstmal schauen, ob hierfür überhaupt Bedarf da ist. Am Richard-Wagner-Gymnasium haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht, aber das ist ja an jeder Schule anders.

Sie haben vier Söhne, zwei davon gehen noch zur Schule. Besuchen sie auch eine Ganztagesklasse?
Nein. Die beiden sind am Caspar-Vischer-Gymnasium in Kulmbach und wir wohnen dort gleich um die Ecke. Deshalb haben sie da keinen Bedarf. Außerdem sind beide dafür wohl auch schon zu alt, gehen in die siebte und neunte Klasse, und die Ganztagesschule ist hauptsächlich für die Fünft- und Sechstklässler gedacht.

Ihre beiden Söhne absolvieren also das achtstufige Gymnasium. Welche Einstellung haben Sie zum G8?
Stimmt, ich habe da nicht nur Einblick als Lehrer, sondern auch als Vater und da meine beiden älteren Söhne noch im G9 waren, habe ich auch den Vergleich. Meine persönliche Erfahrung ist, dass ein gewisser Anspruch dazu gekommen ist, alles schneller abläuft und man sich erstmal darauf einstellen muss. Aber an sich ist es ein Modell, dass europaweit auf der Tagesordnung steht und vom Konzept her ist es zeitgemäß. Daher ist es sinnvoll und richtig, dass es in Deutschland eingeführt wurde. Ich bin auch der Meinung, man hat hier hinzugelernt und nachjustiert, und habe den Eindruck, dass das G8 immer mehr akzeptiert wird und auch immer besser läuft. Spannend wird es, wenn 2011 der erste G8-Jahrgang Abitur macht, weil man damit ja noch keine Erfahrung hat.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als Schulleiter am FWG setzen?
An sich ist das Frankenwald-Gymnasium eine Schule, die hervorragend läuft, an der es eine Fülle von Initiativen, die wertvoll sind, gibt. Das Engagement der Schüler beeindruckt mich wirklich. Deshalb will ich versuchen, dies fortzusetzen. Sowohl im musisch-künstlerischen Bereich, als auch in den Bereichen, in denen die Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen.Am Frankenwald-Gymnasium lernen Schüler früh, Verantwortung zu übernehmen. Da gibt es Tutoren, Streitschlichter, Schulsanitäter oder das so genannte Nachhilfekonzept. Dieses Engagement will ich weiter fördern.

Ihrer Vorgängerin Ursula Fritzsche wurde bei Ihrer Verabschiedung nachgesagt, dass sie diszipliniert gearbeitet habe, durchsetzungsfähig war, dennoch aber Wert auf Teamarbeit legte und kurze Konferenzen abgehalten hat. Welche dieser Eigenschaften treffen auch auf Sie zu?
Das Kommunikative würde ich gerne fortsetzen. Das ist mir wichtig, dass ich mit allen offen reden kann. Bei 900 Schülern muss auch eine gewisse Organisation da sein, jeder muss sich an die Spielregeln halten. Ich werde Abläufe, die sich bewährt haben, beibehalten, und neue schaffen. Schön ist, dass es an der Schule üblich ist, dass der Elternbeirat zum Teil bei Konferenzen dabei ist und ich würde mich freuen, wenn das auch weiterhin so wäre.

Sie waren im Auslandsschuldienst in Kopenhagen. Wie kam es dazu ?
Man kann sich dafür bewerben. Dazu muss man eine gewisse Zeit im Schuldienst sein und sich bewährt haben. Es gibt nur 2000 Stellen weltweit, aber weitaus mehr Bewerber. Deshalb muss man also auch ein bisschen Glück haben. Ich bin für vier Jahre an ein dänisches Gymnasium in Kopenhagen gekommen und hatte dort den speziellen Zweig Petri-Linie. Dabei können die Schüler das deutsch-dänische Abitur machen. Das Deutsch- und das Geschichte-Abitur erfolgt dabei nach den deutschen Kriterien.

Warum wollten sie überhaupt im Ausland unterrichten?
Das hat zum einen biografische Hintergründe: Meine Eltern sind mit meinem Bruder und mir, als ich fünf Jahre alt war, nach Peru ausgewandert. Das hat mich geprägt und ich hatte immer das Bedürfnis, nochmal ins Ausland zu gehen. Zum anderen interessiert es mich, wie der Unterricht in anderen Ländern funktioniert. Ich habe dabei eine ganze Menge gelernt.

Zum Beispiel? Gibt es etwas, dass Sie auch am FWG umsetzen können?
Ja, in Dänemark wird im Unterricht mit moderner Technik gearbeitet. Das geht so weit, dass sogar das Abitur am PC geschrieben wird. Ich möchte den Unterricht auch möglichst modern gestalten und dazu ist man am Frankenwald-Gymnasium auf dem besten Weg. Es wird ja kräftig gebaut und wenn man mit der Renovierung fertig ist, sollen die Räume auch mit modernster Technik ausgestattet werden, wie mir der Landrat in einem Gespräch erklärt hat.

Ist der Umbau Ihre erste Herausforderung hier am Frankenwald-Gymnasium? Immerhin müssen einige Schüler in Container ausgelagert werden. Das erfordert sicher einiges an Organisation.
Eigentlich nicht, das war alles schon gemacht, als ich kam. Aber ich glaube, man hat mit den Containern eine wirklich gute Lösung gefunden. Zumindest ist es die Lösung, die mit den wenigsten Nachteilen für uns und die Schüler verbunden ist.

Wenn Sie selbst im Auslandsschuldienst waren, legen sie dann auch viel Wert auf Schüleraustausche?
Ja, solche Austausche sollte man unbedingt machen. Und wir werden auch alle Hebel in Bewegung setzen, dass dies wieder möglich wird. Denn heuer wird es am Frankenwald-Gymnasium keinen geben. Das liegt daran, dass die Kollegin, die den Austausch mit den Schülern aus Hennebont in Frankreich immer organisiert hat, nun im Ruhestand ist. Aber wir sind auf der Suche nach einem Nachfolger und zuversichtlich, dass das weitergehen kann. Ähnlich ist das mit einem Austausch mit einer englischsprachigen Schule. Eine konkrete Partnerschaft haben wir zwar noch nicht, aber wir bleiben dran.

Was waren Ihre Lieblingsfächer, als Sie selbst Schüler waren?
Ich war noch am alten Gymnasium, an dem es noch keine Kollegstufe gegeben hat und hatte den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig. Ich habe also in Mathe und Physik Abitur gemacht, aber auch in Deutsch und Kunst. Mein Vater war Elektroingenieur und war der Meinung, Physik ist das Tollste, und wenn ihm das gefällt, müsste es seinem Sohn auch gefallen. Dem war aber nicht so. Meine Lieblingsfächer waren Deutsch, Geschichte und Politik, was ich später auch studiert habe.

Verraten Sie Ihre schlechteste Zeugnisnote?
Ich habe schon auch Fünfer gehabt. In der elften Klasse hatte ich in Chemie sogar im Zeugnis mal eine Fünf, glaube ich.

Warum sind Sie Lehrer geworden?
Ich habe eng in der evangelischen Jugend in meiner heimatgemeinde Zeil am Main mitgearbeitet und bin daher in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen so hinein gewachsen und habe gemerkt, dass mir das leicht fällt. Und dann kam mein Interesse für Deutsch, Geschichte und Politik hinzu und dann hat sich das angeboten, beides zu verknüpfen.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Tätigkeit am Frankenwald-Gymnasium?
Ich freue mich auf die Aufgabe, gehe da gelassen und zuversichtlich heran. Und ich würde mich freuen, wenn ich ein bisschen dazu beitragen könnte, dass die Schüler, die die Schule nach dem Abitur verlassen, auch mal wieder zurück nach Kronach kommen.



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