Hä?
21.02.2012
Von: Anna Lienhardt ![]()
Ein Regierungsbezirk, zahlreiche Dialekte. Bleibt auch dem Oberfranken oft nur ein "hä?".
Das heißt "Wie bitte", ich weiß. Aber da wir in Oberfranken leben, bitteschön "wie bidde." Aber das sagt eh keiner. "Wos?" ist vielleicht noch drin, der geneigte Oberfranke verwendet aber meistens das "hä". Das gilt offiziell als unhöflich. Meine Güte, simma mal ned so. Daham derf ma ja wohl so redn, wie am da Schnobl gwachsn is. Abbrobos daham: Ich bin hier nicht daham. In Kronach. Kronich. Kranich. Ich bin a Rei gschlaafta. Herrliches Wort! Dazu kann ich Ihnen nur gratulieren.
Jedenfalls: Ich bin gar ned von so weit reigschlaaft: Ursprünglich aus dem Landkreis Kulmbach - Neudrossenfeld, die Macht im Rotmaintal! -, seit sieben Jahren in Bamberg lebend, bin ich eine echte Ur-Oberfränkin. Aber: Kulmbach ist nicht Kronach. Das musste ich auch sprachlich feststellen. Während meiner ersten Wochen hier habe ich mir zugegebenermaßen stellenweise etwas schwer getan mit der Verständigung. Gott sei Dank habe ich nette Kollegen. Die waren bereit, das sprachliche Kulturgut des Frankenwaldes an mich weiterzugeben. Sie nahmen mich sozusagen verbal an die Hand, wenn in meinen Augen mal wieder zwei große Fragezeichen blinkten.
Und so lernte ich. Gestern war Moodich. Voricha Wochn bin ich auf Stabich gfoorn. Und "des brauch me ja ned haun ze loun." Ach ja: Wenn ich niese, ruft der freundliche Kollege von schräg gegenüber immer "Helf Gott!" Ich habe gelernt, dass ich dann "Sejng's Gott!" antworten muss. Eben dieser Kollege schlug kürzlich die Hände über dem Kopf zusammen, als ich meinen Lernfortschritt präsentieren wollte und im Brustton der Überzeugung von Luscht sprach. "Dou ghört a d nei die Midd, Ludscht!", rief er entrüstet. Liebe Ludschter, bitte verzeihen Sie mir.
Und, das geht an alle Menschen im schönen Frankenwald: Seien Sie nachsichtig mit mir, falls ich Sie in den nächsten eineinhalb Wochen, die ich noch hier arbeite, erst irritiert anschauen und dann anlächeln sollte. Einfach warten. Da rattert nämlich grade die Denk-Maschinerie im Lienhardt'schen Hirnkasten. Die spuckt mir mit einem inneren "Bing!" das übersetzte Wort aus - und raus kommt ein Lächeln. Weil ich mich freue, dass ich wieder ein neues, schönes Dialekt-Wort gelernt habe.
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