Die Flößer prägten auch die Kreisstadt

09.09.2010   Von: Heike Schülein  inFranken.de

Denkmalwoche Dr. Thomas Gunzelmann lud zu einem Spaziergang zu den baulichen und landschaftlichen Relikten der historischen Frankenwald-Flößerei in Kronach ein. Die Teilnehmer waren verblüfft über die vielfältigen Hinweise auf dieses alte Gewerbe.


Bei einem Spaziergang erläuterte Dr. Thomas Gunzelmann (blaue Jacke) bauliche und landschaftliche Relikte der historischen Frankenwald-Flößerei in Kronach. Hier ist ein Wandmosaik in der Adolf-Kolping-Straße 1 zu sehen. Fotos: H. Schülein
Stefan Wicklein konnte für die Stadt Kronach und die Bürgerstiftung "Historisches Kronach" auch zur zweiten Veranstaltung der "Kronacher Denkmalwoche" eine stattliche Anzahl Interessierter begrüßen. Diesmal drehte sich alles um die Frankenwald-Flößerei. Dr. Thomas Gunzelmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sagte, die Flößerei habe Landschaft und Menschen des Frankenwaldes bis weit in das 20. Jahrhundert hinein geprägt.

"Oft denken viele Landkreisbewohner in diesem Zusammenhang weniger an Kronach selbst, als an Neuses und Friesen, aber auch Unterrodach, Wallenfels oder Steinwiesen. Dabei war Kronach doch verwaltungsmäßiges und finanzielles Zentrum", so Gunzelmann. Die Flößerei drücke sich im Stadtbild in den vier wesentlichen Strukturen Wohnhäuser und Stadtquartiere, Lagerplätze als Freiräume, Mühlen sowie Flüsse und Wasserbauten aus, die er beim Rundgang erläuterte.

Die erste Station führte in die Schwedenstraße 1 zur heutigen HypoVereinsbank. Obwohl der eigenständige Typus des klassizistischen Floßherrenhauses erst zur Blütezeit der Flößerei zwischen 1805 und 1840 entstanden sei, handele es sich dort um einen Vorläufer dieses Typs. "Das Gebäude wurde 1769 durch den Floßherrn Johann Dümmlein erbaut. Er ließ einen repräsentativen, zweigeschossigen Sandstein-Quaderbau errichten, angelehnt an das Vorbild barocker Amts- oder Pfarrhäuser", berichtete Gunzelmann.

Die Flößerorte des Frankenwaldes zeigten in ihrer Siedlungsstruktur und ihren historischen Bauten auch heute noch ein besonderes Gepräge. Weit stärker als andernorts trete hier der Gegensatz zwischen Arm und Reich in Erscheinung. "In Kronach teilt sich diese Sozialschichtung der Flößer sogar in Ansätzen in Viertelsbildung hin", erklärte der Referent. Vor der Anlage des Bahnhofs mit dem Vorplatz und den Gleisanlagen habe sich am Ziegelanger um die angerartige Freifläche und an den sich steil den Haßlacher Berg hinaufziehenden Wegen das Viertel der Flößer und Floßknechte mit ihren kleinen Häusern befunden. Die Wohnsitze der Floßherren dagegen hätten direkt am Fluss, meist an der früheren Wassergasse entlang der Haßlach (heute Adolf-Kolping-Straße) gelegen; einige weitere am Krahenberg, vereinzelt auch in der Rosenau.

An der Haßlach in der Adolf-Kolping-Straße erläuterte Gunzelmann, dass die Flößerei bei Weitem kein homogener Vorgang des Transports von Langhölzern auf dem Wasser gewesen sei, sondern es sich dabei um unterschiedliche Typen gehandelt habe: "Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen der ungebundenen Flößerei oder Trift sowie der gebundenen, eigentlichen Flößerei, die bemannt und steuerbar sein musste. Im Frankenwald waren alle Formen üblich." Er ging dann ins Detail: "Eine große Bedeutung hatte die Blöchertrift, bei der längere Stammabschnitte zwischen 3,5 und fünf Metern als Ausgangsmaterial für die Weiterverarbeitung in den Sägemühlen getriftet wurde."

Die im Frankenwald bis Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich bedeutendste Form sei die Dielen- oder Bretterflößerei in der Form des so genannten Stümmels gewesen. Die Bretterflöße hätten aus vier Riegen Brettern mit insgesamt 960 bis 1040 Brettern bestanden und seien seitlich durch Riegpfaden - dünnere Stämme, die das Steuern des Floßes ohne Beschädigung der Bretter ermöglichten - gesichert worden.

Weitere Stationen waren die Adolf-Kolping-Straße 1 mit dem Wandmosaik eines Flößers, der Ziegelanger als früheres Viertel der Flößer und Floßknechte sowie der Zusammenfluss der Rodach und Haßlach beim LGS-Gelände. Ihren Abschluss fand die Führung an der Steinmühle. Gunzelmann wies darauf hin, dass in einer Randnotiz des Urbars B von 1348 bereits eine Mühle am "in duabis aquis" genannt worden sei, die heutige Steinmühle.

Laut Gunzelmann sind die Relikte ein erhaltenswertes Zeugnis der Vergangenheit. Anhand ihrer Elemente lassen sich beispielsweise historische Bautechniken oder Entwicklungen des Wasserbaus ablesen.




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