Durchforstung ja – Kahlschlag nein!

12.03.2010   Von: Marco Meißner  inFranken.de

Waldarbeiten Derzeit laufen auf dem Kronacher Kreuzberg Durchforstungsmaßnahmen der Stadt Kronach. Diese Arbeiten weckten unter den Bürgern Spekulationen, dass dort eine umfangreiche Rodung geplant sein könnte.


Ein Blick in die Vergangenheit: Der Bereich um die Kapelle war nicht immer so stark bewaldet wie heute. Foto: Stadtarchiv
Einigen Anwohnern und Spaziergängern am Kreuzberg ist offenbar ein Artikel unserer Zeitung ("Rotarier räumen Kreuzberg frei") im Gedächtnis geblieben, der am 5. Mai 2009 für einigen Wirbel gesorgt hatte. Damals wurde den Rotariern eine Anfrage unterbreitet, ob sie eine Maßnahme mittragen würden, um den Bewuchs um die Kreuzbergkapelle beziehungsweise -klause auszudünnen. So sollte eine Sichtlinie von der Kronacher Altstadt zur Kapelle geschaffen werden.

Früher hat es offenbar diese Linie gegeben, weil dieser Bereich vor Jahrzehnten nicht annähernd so stark bewaldet war wie heute. Vielmehr hat es bei der Kapelle ökologisch wertvollen Trockenrasen gegeben.

Nun wird wieder über einen Kahlschlag auf dem Kreuzberg spekuliert. Diese Befürchtungen sind aber nicht begründet, wenn man den Aussagen der Beteiligten glauben darf. Schon im vergangenen Jahr stand in unserem Artikel: "Das Vorhaben zielt keineswegs auf einen Kahlschlag ab."

Inzwischen ist der Rotary-Club Kronach gänzlich von diesen Überlegungen abgekommen, wie dessen Präsident Martin Dümlein versicherte. Vergangenes Jahr sei zwar ein entsprechendes Anliegen an den Club herangetragen und dort diskutiert worden, schon auf Grund der Eigentumsverhältnisse im betroffenen Gebiet sei man aber davon abgerückt.


Thema ist vom Tisch


Dümlein schließt nicht aus, dass sich in den Reihen des Clubs Personen befinden, die sich privat weiter für ein solches Projekt interessieren. Doch zumindest in seiner Amtszeit werde das Thema bei den Rotariern nicht mehr auf den Tisch kommen.

Eine Gruppe von Bürgern hat inzwischen jedoch ihr Interesse signalisiert, den Bereich unterhalb der "Klause" in Richtung Festung etwas offener zu gestalten, um das "Naherholungsgebiet Kreuzberg" aufzuwerten und die Kapelle wieder mehr in den Blickpunkt zu rücken. Konkret ist von diesen Bürgern derzeit jedoch nichts geplant, wie auf unsere Anfrage hin betont wurde. Vor weiteren Überlegungen will man sich erst einmal ein Bild von der Situation machen, wenn die Kirche mit ihren Durchforstungsmaßnahmen am Hang oberhalb der Straße zur Kapelle hin fertig ist.

Die Kirche selbst hat sich inzwischen auch mit dem Thema befasst. "Die Haltung der Kirchenverwaltung ist, dass wenn die Stadt in diesem Bereich etwas unternehmen will, wir uns nicht dagegenstellen werden", erklärte Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber. Die am Hang stehenden, großen Linden will der Pfarrer aber keinesfalls antasten, sofern sie kein Gefahrenpotenzial bergen. Ob diese von ihm als Naturdenkmäler bezeichneten Bäume verkehrssicher sind, lasse die Kirche kontrollieren. Forstwirtschaftlich unabhängig von anderen Dingen werde eine routinemäßige Durchforstung vorgenommen, die "eine moderate Auslichtung" des angesprochenen Bereiches vorsehe, so Teuchgräber.


Fichten mussten ohnehin weg


Stadtförster Ulrich Dautel sieht keinen Grund zur Panikmache. Zum einen sei die Sichtschneise im zum Bergfuß hin angrenzenden Stadtwald sowieso schon ein ganzes Stück weit frei gemacht worden, "weil die Fichte dort ohnehin weggemacht werden musste." Wie unsere Zeitung bereits berichtet hat, hatten viele dieser Bäume auf einem ungeeigneten Boden gestanden und waren folglich von der Rotfäule befallen. Zum anderen erklärte Dautel, dass der Berg früher wirklich nicht so bewaldet war wie heute, dennoch komme für ihn ein Kahlschlag nicht in Frage.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein setzt in dieser Angelegenheit volles Vertrauen in das Urteil des Stadtförsters: "Ich stehe zu dem, was Ulrich Dautel sagt." Eine Durchforstung im Stadtwald sei natürlich immer wieder einmal notwendig, doch diese Maßnahme "wird gezielt, strukturiert und vorsichtig vorgenommen". Die Gerüchteküche kann daher seiner Ansicht nach aufhören zu brodeln. Er betonte: "Eine Schneise, als wäre ein Tornado durch den Wald gezogen, wäre nicht mein Wunsch."




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