Dampf machen beim Sparen
06.02.2012
Ort: Kitzingen ![]()
Herausforderung Unternehmen der Massivumformung brauchen gigantische Mengen an Energie. Betriebe wie die Kitzinger Gießerei entwickeln Strategien, um den Kostenanstieg zu bewältigen.
Der wichtigste Energieträger ist aber der Gießereikoks. 13000 Tonnen, entsprechend 100 Millionen kWh an Energie werden für die Produktion verheizt. Hinzu kommen noch 50 Millionen kWh Erdgas und zwei Millionen kWh Diesel. Die beiden Schmelzbetriebe für Eisen und Aluminium sowie die Heizung machen zusammen 80 Prozent des Energieverbrauchs des Betriebs aus.
Es ist klar, dass das Unternehmen ein gutes Energiemanagement haben muss. Es sind Riesenaufgaben zu bewältigen, damit der gigantische Energiebedarf in den nächsten Jahren bezahlbar bleibt.
Unaufhörlich steigen die Kosten. Die Umlage für die Förderung Erneuerbarer Energien ist von 0,6 Cent pro kWh im Jahr 2006 auf aktuell 3,592 Cent/kWh gestiegen. "In der Gießerei macht das bei einem Verbrauch von 50 Millionen kWh 1,7 bis 1,8 Millionen Euro an Mehrkosten pro Jahr aus", rechnet Josef Karl, Leiter Einkauf, vor.
Im Anstieg der Energiekosten sehen die Unternehmen der Massivumformung ihre größte Herausforderung. "Schon im Jahr 2011 sind die Strompreise um rund 20 Prozent gestiegen. 2012 werden Netz- und Energiekosten die Strompreise voraussichtlich weiter nach oben treiben", sagt Holger Ade, Leiter Betriebswirtschaft im Industrieverband Massivumformung, in einer Pressemitteilung. Er fordert überzeugende Lösungen für die Branche von der Politik.
Die Stromsteuer stieg kontinuierlich an. Hinzu kommen die immer strenger werdenden Gesetze gegen den Ausstoß von Kohlendioxid. Wer klimaschädliches CO2 ausstößt, muss im Emissionshandel über entsprechende Berechtigungen verfügen.
Stehen dem Verursacher nicht genügend Berechtigungen zur Verfügung, kann er so genannte Zertifikate hinzukaufen. Die Menge ist aber begrenzt.
Bislang gab es zwei Handelsperioden, bei denen die Kitzinger Gießerei noch außen vor war. Bei der dritten Handelsperiode ab 2013 ist Franken Guss dabei. Damit ist das Unternehmen in der Pflicht, seine CO2 -Emission jährlich zu reduzieren. "Dann gibt es auch kostenlose freie Zuteilungen nur noch auf Antrag für bestimmte Branchen und nicht mehr wie in der ersten und zweiten Handelsperiode für 100 Prozent der Emissionen. Da werden die Daumenschrauben angezogen", sagt Markus Heckelmann, zuständig fürs Energiemanagement in der Gießerei. Was Heckelmann meint: Zusätzlich wird die Anzahl der verfügbaren Emissionsberechtigungen von der EU jährlich reduziert.
Vorbereitet wurde das Emissionshandelssystem durch Ermittlung der Vorzeigeunternehmen je Branche - für die Gießereien, indem von 40 Betrieben Daten erhoben wurden. Die Vorzeigeunternehmen wurden dann als anzustrebende Basis genommen.
"Es wird wohl der überwiegende Teil zukaufen müssen, nicht nur Frankenguss", sagt Rainer Bosky, Leiter des kaufmännischen Bereichs. "Unsere Aufgabe ist nun, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um den CO2 -Ausstoß zu reduzieren."
Heckelmann kritisiert, dass es den europäischen Betrieben schwer gemacht werde. Weil das Emissionshandelssystem nur in der EU gilt, hätten Gießereien in Nicht-EU-Ländern einen Wettbewerbsvorteil. Dann fügt er hinzu, die Bürokratie dieses Systems sei gigantisch. Beispielsweise umfasse der Antrag für die Zuteilung freier Zertifikate ausgedruckt fast 1000 Seiten.
Seit 2003 bemüht sich die Gießerei intensiv ums Energiesparen. Zuerst wurden Studien in Auftrag gegeben. Nun laufen Planungen. Zu Gute komme, dass die Technik Fortschritte macht, sagt Josef Karl. Bei Ersatzbeschaffungen oder Kauf von Motoren werde auf den Energieverbrauch der Geräte geachtet. 2007 kam ein neuer Kompressor ins Werk, der genauer zu regeln ist als der frühere. Inzwischen ist das Verwaltungsgebäude energetisch saniert und gedämmt. Und der Parkplatz wird von Lampen mit LED-Licht erhellt.
Mittelfristig ist geplant, die Heizung zu modernisieren. Mit den höllisch hohen Temperaturen, die beim Schmelzvorgang abgegeben werden, müsse sich ja auch etwas anfangen lassen, sind sich Karl, Heckelmann und Bosky sicher. Wärmerückgewinnung ist das Stichwort hierfür.
Regelmäßig treffen sie sich mit Vertretern anderer Unternehmen in Unterfranken. Sie haben sich 2006 zu einem Energie-Effizienz-Netzwerk zusammengeschlossen. Auch im Gießereiverband selbst gibt es Netzwerke und Arbeitskreise zum Thema Energiebezug und Energiesparen sowie in Sachen Rohstoffbezug. "Solche Verbünde werden immer wichtiger", sagt Einkaufsleiter Josef Karl.
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Kommentare
Alle Zahlen vorhanden ....
einzig und alleine der von Frankenguss zu zahlende Strompreis fehlt. Ups ...
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