Ein Trio gegen den Krebs
03.02.2012
Ort: Kitzingen Von: Diana Fuchs ![]()
Weltkrebstag Dr. Dreher und Dr. Fackeldey schließen ihren Patienten Alfred Weissenseel an eine mobile Chemo-Pumpe an. Die Ärzte freuen sich darüber, dass die Therapie bei dem 72-Jährigen gut anschlägt. Und nicht nur bei ihm.
Auch viele Lymphknoten waren schon befallen. Dr. Ulrich Dreher, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin/ Gastroenterologie in der Klinik Kitzinger Land, verschwieg dem 72-jährigen Lülsfelder nicht, wie ernst die Lage ist.
"Ich war froh, dass ich schnell einen Operationstermin bekommen hab'", erzählt Weissenseel. In einer vierstündigen OP entfernte Dr. Volker Fackeldey, Chefarzt der Abteilung für Chirurgie/ Viszeralchirurgie und Koloproktologie, die Wucherungen aus Darm und Leber. Vier Wochen später begann die Chemotherapie.
Viele könnten gerettet werden
Nach zehn von insgesamt zwölf Chemo-Gaben spricht aus den Worten des leidenschaftlichen Landwirts, Ehemanns, Vaters und Großvaters Weissenseel heute jede Menge Lebensmut. "Alles ist bisher gut gelaufen. Und mein Fall hat viele Bekannte dazu gebracht, die Vorsorge-Möglichkeiten zu nutzen."
Das hört Dr. Dreher gern. Er betont: "Je früher Krebs erkannt wird, desto größer ist die Heilungs-Chance." Angst vor den Untersuchungen müsse niemand haben. Und schämen sollten sich eher die, die ihre Chancen, gesund zu bleiben, nicht nutzen. Laut Dreher ist selbst bei der Darmspiegelung, die allen Menschen ab 55 Jahren empfohlen wird, "nur das Abführen etwas unangenehm"; dafür kann der Arzt "verdächtige" Polypen gleich während der Spiegelung beseitigen.
"Von 63 000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs erkranken, sterben 30 000. Dabei könnte man die Todesrate auf 2000 senken - wenn die Leute zur Koloskopie, also Darmspiegelung, gingen, die seit zehn Jahren die Krankenkasse bezahlt." Ähnlich sei die Situation bei Haut-, Brust- und Prostatakrebs. Deshalb: Den Kontrolltermin beim Hautarzt sollten alle Menschen ab 35 Jahren alle zwei Jahre wahrnehmen, die Untersuchung beim Urologen beziehungsweise beim Frauenarzt jährlich.
"Das Beste draus machen"
Alfred Weissenseel hatte sich "schon ziemlich regelmäßig" untersuchen lassen. Aber er hatte Pech: In seinem Darm machte sich ein besonders schnell wachsender Tumor breit. Dennoch hatte er auch Glück: Im Darmzentrum an der Kitzinger Klinik fand er rasche Hilfe. Bereits 13 Tage nach der schweren OP, bei der ihm unter anderem Teile des Enddarms entfernt wurden, durfte Alfred Weissenseel das Krankenhaus wieder verlassen. Seine gute körperliche Kondition und vielleicht auch seine positive Einstellung - "Man muss das Leben nehmen, wie´s kommt, und das Beste draus machen" - taten ihr Übriges.
"Ich habe mich in Kitzingen sehr gut aufgehoben gefühlt. Hier geht es familiärer zu als in der Großstadt. Und die Ärzte sind sehr gut - fachlich und menschlich. Das ist jetzt nicht g´schmeichelt!" Andernorts habe er sich kaum getraut, die "Halbgötter in Weiß" etwas zu fragen. In Kitzingen schon.
Dr. Fackeldey nickt lächelnd. "Patienten wollen Ehrlichkeit." Sein Kollege Dreher fügt an: "Und Offenheit." Zwei Patienten pro Woche muss Dreher durchschnittlich die Nachricht überbringen, dass sie an Krebs erkrankt sind. Wichtig ist es ihm, sich Zeit zu nehmen, alles verständlich zu erklären und, je nach Bedarf, auch psychosoziale Beratung mit ins Boot zu holen.
Mit Selbsthilfegruppen stehe die Klinik ebenfalls in engem Kontakt - und natürlich mit Onkologen in anderen Häusern. Krebserkrankungen des Magens, der Leber und des Darms werden in Kitzingen diagnostiziert und dann auch operiert sowie therapiert - ebenso wie gynäkologische Krebsarten, Schilddrüsen- und Bauchraumkrebs. Bauchspeichel- und Speiseröhren-Tumoren sowie Lungen-Karzinome werden aber in anderen Fachkliniken entfernt.
Medizinische Fortschritte
"Die Krebstherapie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, sie ist subtiler, gründlicher und minimal-invasiver geworden", konstatiert Fackeldey. "Die Lebenserwartung nach der Diagnose ist gewachsen. Aber Krebs ist immer noch die zweithäufigste Todesursache in Deutschland."
Ist Vorbeugen möglich? Auch eine ganz gesunde Lebensweise mit viel Obst und Gemüse, aber wenig Lebensmitteln tierischen Ursprungs "garantiert einem nicht, niemals Krebs zu bekommen", stellt Fackeldey fest. "Sie ist aber die beste Vorbeugung, die es gibt." Kollege Dreher bringt es auf den Punkt: "Raucher und Fleischesser haben schlechtere Karten, ebenso Übergewichtige und Leute, die sich wenig bewegen."
"Dann nehm' ich gleich mal die Treppe, nicht den Aufzug", sagt Alfred Weissenseel und zwinkert mit den blauen Augen. Vor der Klinik wartet ein Taxi auf ihn, das ihn heim zu seiner Frau bringt. Unterm Hemd trägt er ein kleines Gerät, das 48 Stunden lang Medikamente in seinen Blutkreislauf pumpen wird. "Zum Glück vertrage ich das ganz gut. Nur ganz am Anfang war mir mal schlecht."
Kurz vorm Abschluss der modernen Chemo-Therapie sind die Ärzte zufrieden mit Weissenseels Genesung. Die Marker im Blut weisen darauf hin, dass der Krebs zurückgedrängt wurde, erklärt Dreher. Sein Blick ist wohlwollend, aber wachsam. Er wird auch die Nachsorge sehr ernst nehmen. Alfred Weissenseel lächelt unterdessen unbekümmert und hebt die Hand zum Gruß: "Bis demnächst!"
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