Landung erwünscht

02.12.2011   Ort: Kitzingen  Von: Ralf Dieter  Die Kitzinger

Konversion Die Nachnutzung der Harvey-Barracks ist fraglicher denn je. Am drängendsten ist die Frage der Kampfmittelräumung.


Die ehemalige Harvey-Barracks mit Landebahn aus der Vogelperspektive. Foto: privat
Hoch her ging es in der Sondersitzung zum Thema Konversion im Kitzinger Stadtrat. Gertrud Schwab (CSU) bezeichnete Bürgermeister Klaus Christof (KIK) als Brandstifter, der verlangte eine Entschuldigung, drohte ansonsten mit einer Anzeige. Den Mitarbeitern des Planungsbüros KE machten die Stadträte in mehreren Wortmeldungen deutlich, dass sie mit deren Leistung unzufrieden sind - dabei haben sie nichts anderes gemacht, als den Auftrag zu erfüllen, der ihnen vom Stadtrat im Frühjahr mit auf den Weg gegeben wurde. Nach drei emotionalen Stunden verließen die zahlreichen Zuhörer kopfschüttelnd den Sitzungssaal.
Immerhin: Das weitere Vorgehen in den Harvey-Barracks ist am Donnerstagabend überdeutlich geworden. "Bevor die Frage der Kampfmittelräumung nicht geklärt ist, geht gar nichts", betonte Dieter Watolla vom Planungsbüro. Die rund 200 Hektar große Fläche ist während des Zweiten Weltkrieges mehrfach von Kampffliegern attackiert worden. 14 Verdachtsflächen für Bomben mit Langzeitzünder sind bereits untersucht, drei Bomben geräumt worden. Mehr Geld will die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) allerdings nicht in weitere Räumungen stecken.
Watolla sprach jedoch von einem "massiven Verdacht", dass weitere Bomben im Erdreich schlummern. "Das Risiko ist sehr hoch." Ein Risiko, das die BIMA als Grundstücksbesitzer nicht mehr schultern will. Der Schwarze Peter liegt damit bei der Stadt und den Stadträten. Die streben nun eine schnelle Lösung an. Vor allem in Sachen Sonderlandeplatz soll am besten noch in der kommenden Woche ein gemeinsames Gespräch zwischen dem Luftamt Nordbayern, der Stadt und dem Luftsportclub Kitzingen anberaumt werden.
Auf dem Gelände der Harvey Barracks sind derzeit hauptsächlich drei Nutzungen vorgesehen: Gewerbe im nördlichen Bereich, also im Anschluss an Firmen wie Leoni oder Franken Guss, eine Photovoltaikanlage auf den geschützten FFH-Flächen und der Betrieb der Landebahn durch den Luftsportclub Kitzingen. Dessen Vorsitzender Herbert Sattler kämpft seit Jahren für einen Fortbestand der Fliegerei auf dem Gelände. Am Donnerstagabend war er fassungslos über die Diskussion. Seine Befürchtung: Eine weitere Nutzung der Landebahn scheitert an den Kosten der Bombenräumung.
Als Hausnummer nannte Watolla in der Sitzung einen Betrag von vier bis fünf Millionen Euro - allerdings für die gesamte Fläche der Harvey-Kaserne. Eine Räumung der Flächen, die für den Flugbetrieb nötig sind, würde weitaus billiger. Im Gespräch sind Kosten von rund 50 000 Euro.
Seit Jahren ist die Nachnutzung der Fläche in der Diskussion. Längst könnte das Problem gelöst sein. Das Luftamt Nordbayern kann die Genehmigung für den Sonderlandeplatz allerdings erst dann erteilen, wenn eine Kampfmittelfreiheit nach dem Stand der heutigen Technik bestätigt wird. Diese Bestätigung ist im ersten Gutachten, das von der BIMA in Auftrag gegeben worden war, nicht eindeutig festgeschrieben worden.

Stadt darf nicht aufs Gelände


Doch damit nicht genug der Verwirrung: Um die Fläche rund um den Flughafen von möglichen Bombenfunden zu räumen, muss die Stadt und eine dann beauftragte Firma selbstverständlich auf das Gelände. Die Erlaubnis dafür kann aber nur die BIMA als Grundstücksbesitzer geben. Der entscheidende Mann ist derzeit krank, wie OB Siegfried Müller auf Nachfrage informierte. Seinem UsW-Kollegen Karl-Heinz Schmidt schwante Böses. "Es kann ja wohl nicht sein, dass die Frage des Sonderlandeplatzes von einem erkrankten Mitarbeiter entschieden wird", meinte er.


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