In Stein gemeißelte Erinnerung
21.11.2011
Ort: Mainbernheim Von: Marianne Kehrer ![]()
Gedenken Die Familie Hausmann lebte einst in Mainbernheim - bis sie als Juden vertrieben und umgebracht wurden. Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern in ganz Europa an solche Schicksale, jetzt auch in Mainbernheim.

Nach Arbeiten in Wertheim, Mainstockheim und Kleinlangheim kam der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am Freitag ein weiteres Mal auch nach Mainbernheim, um auf Einladung der Stadt im Rahmen seines Kunstprojektes "Stolpersteine" drei Gedenksteine in den Asphalt vor dem Anwesen in der Klostergasse 10 einzulegen. Sie sollen an das Schicksal des Jungen und seiner Familie erinnern. Mit der Verlegung der letzten drei Gedenksteine hat die Stadt Mainbernheim gemeinsam mit dem SPD-Ortsverein einen weiteren Schritt zur Aufarbeitung ihrer Vergangenheit unternommen. Insgesamt ein Dutzend Stolpersteine halten in dem Städtchen nun das Gedenken an das Unrecht wach, das Mitbürger zur NS-Zeit erleiden mussten.
"Wir wollen dazu stehen, nicht im Verborgenen handeln", sagte Mainbernheims Bürgermeister Karl Wolf. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisung, wie aus den Reihen der etwa zwölf anwesenden Bürger, darunter Zeitzeugen der damaligen Ereignisse, zu hören war. Vielmehr gehe es darum, die Erinnerungen im Sinne künftiger Generationen wachzuhalten. So verziehen die Anwesenden auch die etwa einstündige Verspätung des Künstlers, die daher rührte, dass kurz zuvor in Mainstockheim nicht wie geplant alle Steine zügig verlegt werden konnten.
Insgesamt hat Demnig im Rahmen seines nicht unumstrittenen Projektes seit 1996 inzwischen mehr als 32 000 der mit einer verankerten Messingplatte versehenen Betonsteine verlegt, seit einiger Zeit auch europaweit. Dabei ist ihm wichtig, dass das Andenken nicht ausschließlich jüdischen Mitbürgern, sondern allen Opfern von Willkür und Gewalt wie politisch Verfolgten, Homosexuellen, Euthanasieopfern und anderen Minderheiten gilt. Die Initiative zur Verlegung der Steine komme stets aus den Orten selbst oder von Angehörigen der Opfer, so Demnig. Und so ist sein Terminkalender voll. Bis zu einem Jahr Wartezeit müssen Anfragende einplanen, die Stadt Mainbernheim hatte bereits im Frühjahr diesen Jahres ihre Anfrage gestellt. Die Aktion "Stolpersteine" gilt als weltweit größtes dezentrales Mahnmal.
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