Helfen und Retten auf Abruf

03.02.2012   Ort: Kitzingen     Die Kitzinger

Rettungsdienst Die Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes hatten im vergangenen Jahr 8181 Einsätze. Dies ist eine Steigerung um fast zehn Prozent gegenüber 2010. Bewältigt wird dies mit einem gut strukturierten System.


Rettungssanitäter Mario Hagenauer und Rettungsassistent Andreas Hammer. Foto: Sabine Paulus
Andreas Hammer und Mario Hagenauer kennen die Situation nur zu gut. Sie sitzen in der Küche der Rettungswache in Kitzingen, als ihre Funkmeldeempfänger piepsen. Ein Notfall! Nun müssen sie alles stehen und liegen lassen, auch die Kaffeetasse und das Pausenbrot, und sich in das Rettungsfahrzeug setzen. Auf das Display am Armaturenbrett hat ihnen die Rettungsleitstelle in Würzburg die wichtigsten Daten geschickt. Die Kollegen dort wurden wiederum per Mobiltelefon von aufgeregten Menschen verständigt, die beim Vorbeifahren in der Gegenfahrtrichtung auf der anderen Seite der Autobahn A 3 in der Nähe des Autobahnkreuzes Biebelried verunglückte Fahrzeuge gesehen haben.
Teils durch dichten Innenstadtverkehr bahnen sich Hammer und Hagenauer mit Blaulicht und Martinshorn ihren Weg in Richtung Würzburg. Sie wissen nicht exakt, was sie erwartet. "Die Qualität der Unfallmeldungen ist unterschiedlich", sagt Sven Appold, der Leiter des Rettungsdienstes des BRK-Kreisverbandes Kitzingen. "Wenn wir Glück haben, kriegen wir eine präzise Kilometer-Angabe." Die Zahl der Verletzten zu sehen und zu benennen, sei den meisten Anrufern allerdings nicht möglich.
Hammer und Hagenauer verschaffen sich am Einsatzort erst mal einen Überblick. Im Extremfall müssen sie feststellen, dass zum Beispiel acht bis neun Verletzte zu versorgen sind und nur ein Rettungswagen vor Ort ist. Dann müssen weitere Fahrzeuge und Notärzte angefordert werden. Ein Einsatzleiter muss alles koordinieren. "Das gibt es auch umgekehrt, dass wir mit einer ganzen Armada ausrücken und zum Glück niemand verletzt ist", sagt Appold.
Der Rettungsdienstleiter hat für das Jahr 2011 eine Bilanz erstellt. Im Einzugsbereich der Rettungswache Kitzingen musste der Rettungswagen 2236-mal zu einem Notfall ausrücken. In 1422 lebensbedrohlichen Fällen kam zusätzlich ein Notarzt hinzu, um die Transportfähigkeit vor Ort herzustellen und den Patienten in eine Klinik zu begleiten, während im Krankentransport 3262 Patienten befördert wurden.
Die Notfallrettung wird in Einsätze mit oder ohne Notarzt unterteilt. Bei einem Notfalleinsatz ist ein Rettungswagen mit Blaulicht unterwegs, bei einem Notarzteinsatz kommt ein Notarztfahrzeug oder ein Rettungshubschrauber hinzu. Der Hubschrauber kann einen Notarzt schneller zu einem Unfall- oder Notfallort bringen als ein Auto. "Wenn im südlichen Landkreis wie etwa in Dornheim etwas passiert, fordern wir schon mal den Hubschrauber an", sagt Appold, "da muss dann nicht immer etwas ganz Schreckliches passiert sein."
Andreas Hammer, Mario Hagenauer und ihre Kollegen und Kolleginnen rücken im Bereich von den Autobahnanschlussstellen Biebelried und Schwarzach bis Hörblach, Marksteft, Dornheim und Nenzenheim zu Betriebs-, Schul- oder Verkehrsunfällen aus. Sie erledigen Krankentransporte und machen sich äußerst rasch auf den Weg zu internistischen Einsätzen, wenn Menschen einen Asthmaanfall, Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Lungenembolie haben.
Insgesamt 8181 Patienten haben die Einsatzkräfte im Landkreis versorgt und befördert. Bei 4170 Personen war die Lage kritisch oder sogar lebensbedrohlich. Der Notarzt rückte 2732 Mal aus. Das Bayerische Rote Kreuz hat im Landkreis Kitzingen drei Rettungswachen, die sich in Kitzingen, Volkach und Wiesentheid befinden. Die Zahl der Einsätze stieg gegenüber 2010 um knapp zehn Prozent. Bewältigt haben dies die Rettungskräfte, indem in Kitzingen seit August zusätzlich ein zweiter Rettungswagen im Tagdienst besetzt wurde.
In Volkach und Wiesentheid ist nach Auskunft des Rettungsdienstleiters jeweils ein Rettungswagen stationiert. An allen drei Standorten steht rund um die Uhr ein Notarzt zur Verfügung. Für den Krankentransport gibt es an Werktagen tagsüber in Kitzingen zusätzlich einen Krankentransportwagen.
Zwei wichtige Bitten haben die Einsatzkräfte an die Bevölkerung: Erstens sollten Hauseigentümer unbedingt Hausnummern anbringen oder gut sichtbar machen. Zweitens sollte jeder einen Erste-Hilfe-Kurs machen oder die Kenntnisse aus der Zeit des Führerschein-Erwerbs auffrischen. "Die Herz-Lungen-Wiederbelebung ist das Wichtigste und die Basis. Dies sollte jeder können", sagt Appolds Stellvertreter Christian Ganzinger. lsa



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