Glücklich mit Hühnern

08.02.2012   Ort: Neuses am Berg  Von: Karina Brock  Die Kitzinger

Neue Wege Gudrun und Günter Paul halten seit Oktober knapp 10 000 Legehennen als zweites Standbein neben der Schweinemast. Bei der Investition beriet sie das Fachzentrum Kleintierhaltung, das neu am Kitzinger Landwirtschaftsamt angesiedelt wurde.


Es sieht lustig aus, hat aber einen Sinn: Gudrun Paul klopft an, bevor sie ihren Hühnerstall betritt. "Damit sich die Hennen nicht so erschrecken", erklärt sie. Dann ist nämlich die Hölle los im Stall - kein Wunder, bei knapp 10 000 Hühnern. Gudrun Paul ist die einzige Bäuerin im Landkreis Kitzingen, die Legehennen hält, um damit Geld zu verdienen. Und die Aussichten für sie stehen gar nicht schlecht, sagt Anna Nagel, die Leiterin des Fachzentrums Kleintierhaltung.

Zuständig für ganz Nordbayern


Das neue Fachzentrum steht Bauern am Kitzinger Amt für Landwirtschaft seit dem vergangenen Herbst zur Verfügung. "Wir sind für ganz Nordbayern zuständig und im Zuge der Umstrukturierung der bayerischen Landwirtschaftsämter von Ansbach nach Kitzingen umgezogen", erklärt Anna Nagel. Seitdem sind neben ihr noch zwei Fachberater in Kitzingen ansässig. Fünf weitere sind auf Bayreuth, Schwandorf und Ansbach verteilt. Kitzingen wurde als Standort unter anderem wegen des fachlichen Bezugs zum Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügel- und Kleintierhaltung ausgewählt, das ebenfalls hier angesiedelt ist. "Unter den Landwirten haben wir im Landkreis nämlich vergleichsweise wenig Klientel", sagt Nagel. Sie ist schließlich nicht, wie der Name des Zentrums vermuten ließe, für Hobby-Kleintierzüchter zuständig, sondern für Bauern, die Geflügel oder Kleintiere - dazu zählen Schafe, Ziegen und Wild - als wirtschaftliches Standbein halten.
Zu den Aufgaben des Fachzentrums gehört die Aus- und Weiterbildung sowohl an der Landwirtschaftsschule als auch für Quereinsteiger sowie die Beratung von Betrieben in allen möglichen Angelegenheiten. "Da gehört Tier- und Umweltschutz genauso dazu, wie technische Probleme, Buchführungsanalyse, die Finanzierbarkeit von Baumaßnahmen oder Vermarktungskonzepte", erklärt Nagel. Besonders oft fragen Bauern bei Investitionen nach und nehmen die Beratung bei An-, Neu- oder Umbauten in Anspruch. "Für vieles gibt es ja Förderprogramme, bei denen wir uns natürlich besser auskennen als die Landwirte."
Weiterhin gehört die Öffentlichkeitsarbeit, die Mitwirkung beim "Lernort Bauenhof" sowie die Zuarbeit zur Landesanstalt für Landwirtschaft sowie anderen Behörden zu den vielfältigen Aufgaben des neuen Fachzentrums.
Am liebsten ist Anna Nagel jedoch draußen, bei den Bauern. Sie wirbt auch für die Geflügelhaltung als - für landwirtschaftliche Verhältnisse - recht verlässliche Größe. "Natürlich sind Geflügelhalter immer vom Vermarkter abhängig, aber der wiederum braucht ja seine Eier oder die Masthähnchen." Vor allem bei regionaler Vermarktung stehen sich hier also zwei Partner auf Augenhöhe gegenüber, weshalb die Landwirte eine stärkere Position haben als zum Beispiel auf dem Schweinefleischmarkt.
Genau das veranlasste auch Gudrun und Günter Paul, sich Legehennen als weitere Einkommensquelle anzuschaffen. "Eigentlich wollten wir vor zwei Jahren unseren Schweinemastbetrieb von 600 auf 1400 Schweine aufstocken. Aber die Preise waren dermaßen im Keller, dass diese Investition sehr riskant gewesen wäre", erklärt Gudrun Paul. Eine Fachzeitschrift machte sie darauf aufmerksam, dass regionale Vermarkter mehr Eier brauchen. Der Kontakt zu Endres-Ei in Großrinderfeld bestätigte dies. Also wurde der Plan kurzerhand umgeworfen und mit Hilfe des Fachzentrums Anfang 2010 ein neuer geschmiedet. Im Frühling 2011 begann der Stallbau, im Oktober zogen die Hühner ein.
Seitdem tummeln sich auf insgesamt 1500 Quadratmetern knapp 10 000 Hühner in zwei von einander getrennten "Herden". Platz wäre rein rechtlich für 12 000, Gudrun Paul will ihnen aber mehr Bewegungsraum gewähren. Mit Volieren nutzt sie die Raumhöhe aus - "das war die günstigere Lösung für Bodenhaltung" - , so dass die Hühner neben ihren Nestern verschiedene Ebenen, unterschiedlich dicke Stangen, Gitter und Flächen nutzen können. Auch einen so genannten Kaltscharrraum gibt es, der mit Lochgitter und Dach zwar vor der größten Kälte schützt, Außenklima und Tageslicht aber hereinlässt. Erhöhte Sitzstangen für diesen Auslauf sind noch in Planung. Paul möchte schließlich, dass es ihren Hühnern gut geht - nicht zuletzt in eigenem Interesse: "Sie müssen gut legen, die Bank will ja ihr Geld wieder bekommen."

Viele Auflagen


Trotz vieler Auflagen - Abstände zu Wald und Wohnbebauung, tierschutzrechtliche Belange, gesundheitstechnische Kontrollen und so weiter - ist Paul überzeugt, dass sie in den richtigen Betriebszweig investiert hat. "Es gehört viel Idealismus dazu und reich wird man davon auch nicht. Aber Eier sind wirtschaftlich stabiler als Schweinefleisch." Zumal sie den Vermarkter persönlich kennt und eine Vertrauensbasis besteht. "Wir haben einen Vertrag, die Preise sind also keinen täglichen Schwankungen ausgesetzt." Da Endres seine Eier in der Region vermarktet, kann er zudem einen verhältnismäßig guten Preis erzielen. "Und ich weiß, dass meine Eier bei den Menschen hier auf den Tisch kommen", sagt Paul zufrieden.


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