Eine Stelle wie gebacken

03.01.2012   Ort: Großlangheim/Landkreis KT  Von: Karina Brock  Die Kitzinger

Arbeitswelt Zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf gehört mehr, als Teilzeitmodelle. Was möglich ist und was alles schon getan wird, eruiert das Landratsamt in Kürze mit einer Umfrage.


Beim Kindermitbringtag des Landratsamts wird der Nachwuchs der Mitarbeiter betreut. Foto: Landratsamt
Großlangheim/Landkreis — Andrea arbeitet gerne bei mplusm. Sie fühlt sich verbunden mit der Großlangheimer Agentur für Verkaufsförderung - und zwar schon seit 13 Jahren. Das liegt aber nicht nur daran, dass ihr ihre Aufgabe dort Spaß macht: "Es ist einzigartig, wie viele Freiräume mir meine Firma ermöglicht." Die Mutter zweier Töchter im Teenager-Alter arbeitet die meiste Zeit ihrer 25-Stunden-Stelle zu Hause. Nach der Elternzeit konnte sie ihre Arbeitszeit problemlos reduzieren - auf einer Stelle, die sie bekam, als sie gerade mit ihrer zweiten Tochter schwanger war. "Der Arbeitgeber wusste Bescheid - und hat mich trotzdem eingestellt."

Arbeiten, um zu leben


Geschäftsführer Ralf Meier liegt viel daran, dass seine Mitarbeiter gerne zur Arbeit gehen und hat dafür schon in den 90er Jahren einiges getan. "Work-Life-Balance ist das Stichwort. Arbeiten und Leben. Ich möchte allen Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, Familie, Beruf und persönliche Entfaltung zu vereinbaren." Das hat dazu geführt, dass er sein Personal seit vielen Jahren halten kann, seine Mitarbeiter identifizieren sich mit mplusm, sind zufrieden und engagiert.
Genau dafür will Regionalmanagerin Simone Göbel auch andere Unternehmen gewinnen: "Im Hinblick auf die demographische Entwicklung ist es wichtig, Betriebe im Bereich Familienfreundlichkeit zu beraten, ihre Stärken zu ermitteln und schlafendes Potenzial zu erschließen." Der Landkreis fordert allerdings von den Firmen nicht einfach, familienfreundlich zu sein, sondern will ihnen dabei zur Seite stehen. Um zu erheben, wo es bereits gute Modelle gibt und wo noch Nachholbedarf besteht, hat Göbel eine Umfrage erarbeitet. "Damit sollen die Arbeitgeber für eine familienfreundliche Personalpolitik sensibilisiert werden." Es gehe nicht darum, den Firmen etwas aufzuzwingen. Vielmehr sollen ihnen Möglichkeiten vor Augen geführt werden - schließlich kann und muss nicht jedes Unternehmen alles leisten. "Oft reichen Kleinigkeiten - und bei vielen sind diese bereits selbstverständlich."
Familienfreundlichkeit muss nicht gleich die betriebliche Kinderbetreuung sein. Zum Komplex der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf gehört unter anderem, dass Mitarbeiter kurzfristig mal früher gehen können, dass ältere Angestellte Schreiben in einer größeren Schrift bekommen oder dass man Werkzeug auch mal privat nutzen darf. Auch einzelne Kindermitbringtage, an denen der Nachwuchs betreut wird, helfen bereits. "Darum ist der Begriff Work-Life-Competence vielleicht der bessere. Es geht ja nicht nur um Menschen mit Familie, sondern auch um Arbeitserleichterung und darum, dass sich jeder Einzelne Freiräume schaffen kann", erklärt Göbel. Ob er diese dann für Kinderbetreuung oder Altenpflege nutzt, sich privat weiterbildet oder ehrenamtlich engagiert, spielt keine Rolle. Auf was Göbel außerdem aufmerksam machen will: "Unternehmen, die so etwas schon leisten, können damit bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeiten werben."

Geben und nehmen


Im Gegenzug sei natürlich wichtig, dass die Mitarbeiter ihren Chefs etwas zurückgeben und ebenso flexibel auf die Bedürfnisse des Unternehmens reagieren. "Familienfreundlichkeit ist etwas, das nur im gegenseitigen Miteinander funktioniert."
Bei mplusm in Großlangheim funktioniert das nun schon seit über zehn Jahren. "Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt, da hat das in der Öffentlichkeit noch kaum jemanden interessiert", sagt Ralf Meier. Damals hatten viele seiner Mitarbeiter das Problem, dass sie ihre Kinder außerhalb der Öffnungszeiten von Schule und Kindergarten nirgends unterbringen konnten. "Es hat Mut und Arbeit gekostet, aber ich habe nie bereut, dass wir damals eine Kinderbetreuung einführten." Außerdem änderte er die Organisation im Unternehmen, so dass jeder auch kurzfristig von einem Kollegen vertreten werden konnte. Flexible Beschäftigungsmodelle, Arbeit von zu Hause und individuelle Arbeitszeiten, die sich an den persönlichen Lebensphasen der Angestellten orientieren, trugen zudem zur Flexibilisierung bei.
Die betriebliche Kinderbetreuung hat inzwischen geschlossen - aber nur, weil kein Bedarf mehr da ist: "Die öffentlichen Angebote sind besser, die Kinder unserer Mitarbeiter älter geworden." Wenn ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern ermöglicht, ihre Arbeitszeit ihrer Lebenssituation anzupassen, bleiben sie dem Betrieb auch treu, ist sich Meier sicher. "Ist man zu unflexibel, lässt man viel Potenzial brach liegen." Aus diesem Grund entschied er sich 1998 auch dazu, eine Schwangere einzustellen - von deren Kompetenz mplusm bis heute profitiert.

Konkrete Infos zu der Umfrage, die Mitte Januar startet, lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Kitzinger.


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