Die Kosten schlagen zu

20.04.2011   Ort: Landkreis Kitzingen  Von: Jessica Urban  Die Kitzinger

Kommunales Die Ausgaben für die Jugendhilfe steigen immer weiter an. Schuld daran sind neben den zunehmenden Fallzahlen auch die ausgeweiteten Leistungsansprüche.


Wenn die Ausgaben im Bereich des Jugendamtes wie in diesem Jahr "nur" um 29 000 Euro steigen, dann ist es für Toni Orth, Leiter des Jugendamtes im Landkreis Kitzingen, eigentlich schon positiv: "Die Ausgaben für Jugendhilfe sind in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich angewachsen - auch bundesweit", erklärt er. Wie Kitzingen haben auch andere Kommunen deutliche Anstiege zu vermelden: "Einige sprechen sogar von einer Kostenexplosion."
4 568 000 Euro wurden in diesem Jahr in den Kreis-Haushalt für diesen Bereich eingestellt. 2002 waren es noch 3,35 Millionen Euro. Seitdem ist die Nettokreisbelastung stetig angestiegen - mit kleineren Schwankungen.
Einen Grund dafür sieht der Jugendamtsleiter darin, dass die Leistungsansprüche durch Gesetze immer weiter ausgeweitet wurden. Toni Orth ist seit knapp 20 Jahren in den Bereichen Jugend- und Sozialhilfe tätig. Seitdem hat sich die Anzahl gesetzlich vorgeschriebener Hilfen stark erhöht.

Gesellschaftliche Veränderungen


Parallel dazu gab es gesellschaftliche und familiäre Entwicklungen, die zu einem erhöhten Bedarf geführt haben: Es gibt immer mehr Trennungen, Scheidungen und familiäre Probleme", erklärt Orth. Damit wachsen auch die Probleme, die damit zusammenhängen: etwa psychische Erkrankungen und Störungen.
Diese Entwicklungen machen auch vor dem Landkreis nicht halt. Im Gegenteil. 2009 lagen die Bruttoausgaben je Einwohner bei 69 Euro. Der zweithöchste Ausgabenstand aller unterfränkischen Landkreise. Nur der Landkreis Schweinfurt hatte mit 71 Euro pro Einwohner eine höhere Belastung. Besonders aussagekräftig sind diese Zahlen laut Orth allerdings nicht. Denn die kreisfreien Städte finden sich in dieser Statistik nicht. Gerade in diesen seien die Ausgaben aber deutlich höher als im ländlichen Raum.
Hätte Kitzingen außerhalb der Großen Kreisstadt mehr Bewohner, würden sich Orths Meinung nach die Ausgaben pro Kopf deutlich senken.
Eine Spitzenstellung was die Jugendhilfekosten betrifft, sieht der Jugendamtsleiter nicht. "Bayernweit liegen wir wohl im oberen Mittelfeld." Kreisrat Burkhard Klein (CSU) hatte in seiner Rede zum Kreishaushalt noch von einer Spitzenstellung in Unterfranken gesprochen, was die Bruttoausgaben je Einwohner betrifft.
Besonders große Löcher in den Kreishaushalt reißen die kostenintensiven stationären Heimunterbringungen. Bis zu 5000 Euro pro Monat kostet ein Jugendlicher, der auf diese Weise betreut wird. Derzeit sind im Landkreis Kitzingen 40 junge Menschen in Heimen untergebracht.
"Allein für einen kommen im Laufe der Zeit schnell eine viertel bis eine halbe Million Euro zusammen." Deshalb machen es sich die Verantwortlichen für die Jugendhilfe nicht einfach, hier Entscheidungen zu treffen, erklärt Orth. Bevor ein Entschluss getroffen wird, gibt es mehrere Fachgespräche.

Hilfen zur Erziehung


Die Unterbringung in Heimen gehört zum Kernbereich der Jugendhilfe, den sogenannten "Hilfen zur Erziehung". Darunter fallen unter anderem die niederschwellige ambulante Erziehungshilfe und die sozialpädagogische Familienhilfe. Ein Beispiel für Erstere ist die Erziehungsbeistandschaft für junge Menschen, deren leibliche, geistige oder seelische Entwicklung gefährdet oder gestört ist. Zur zweiten gehört die Schulung der Erziehungskompetenz der Eltern und soziale Gruppenarbeiten für Jugendliche wie Antiaggressions-Trainings. Erziehungsbeistandschaften und sozialpädagogische Familienhilfen bekommen derzeit knapp 100 Kinder im Landkreis.
Möglich ist darüber hinaus eine teilstationäre Behandlung in heilpädagogischen Tagesstätte.
Zu guter letzt sind Eingliederungshilfen ein weiterer Bestandteil der Hilfen zur Erziehung. Sie stehen Jugendlichen zu, die psychische Erkrankungen haben. "Auch in diesem Bereich müssen wir uns heute um deutlich mehr Kinder kümmern als früher."
Ebenso wie die Gesetze tragen diese Fälle dazu bei, dass das Jugendamt immer mehr gefragt ist. Eine Erleichterung ist für Toni Orth und seine Kollegen nicht in Sicht. Neue Vorhaben, wie etwa die Inklusion - dass also Menschen mit Behinderung an Regelschulen unterrichtet werden - bergen neue Herausforderungen. "Es werden sicherlich weitere Eingliederungshilfen nötig", prognostiziert der Jugendamtsleiter.


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