Im Schatten der Armut

30.01.2012   Ort: Kitzingen  Von: Julia Riegler  Die Kitzinger

Kampagne Armut und Krankheit stehen in einem direkten Zusammenhang. Johanna S. hat das zu spüren bekommen, als sie vor fünf Jahren ihren Job verlor. Hilfe fand sie bei der Caritas Kitzingen


Symbolbild
Eigentlich wirkt sie ganz fröhlich und gelöst - gut geht es ihr aber nicht. Johanna S. (Name geändert) ist krank, leidet unter einer Nervenkrankheit und einer verschlissenen Bandscheibe. Einen Job hat sie nicht mehr. Im kaufmännischen Bereich hat die 52-Jährige über 35 Jahre lang gearbeitet, 2007 wurde sie aus ihrer Festanstellung gemobbt. "Danach bin ich unter Hartz IV gefallen." Ihre Stimme wird leiser. Sie schnauft einmal tief durch. Und dann erklärt sie, dass "mich das im Laufe der Zeit krank gemacht" hat. "Ich war mir für keine Arbeit zu schade."
Johanna S. wollte nicht verarmen - weder finanziell noch geistig. Sie suchte sich Aushilfsjobs. Die waren anstrengend, teilweise sogar erniedrigend - und entbehrten jeglicher Hygiene. Das Resultat war zunächst eine Gürtelrose, die sich mit der Zeit zu einer ausgewachsenen Nervenentzündung entwickelte. Heute kann sie nicht mehr arbeiten und hat immer wieder mit seelischen und körperlichen Rückschlägen zu kämpfen. Der Jobverlust hat sie krank gemacht - und die Krankheit arm.

Viele Fälle von Armut


Hilfe findet Johanna S. bei Jürgen Fuchs und dem Caritasverband für den Landkreis Kitzingen. "Zu den Mitarbeitern der Caritas kann ich immer kommen, wenn ich ein Problem habe." Wieder wird sie ein bisschen leiser und schnauft. "Und ich bekomme Zuspruch, wenn ich nicht mehr weiterweiß." Für den Leiter des Allgemeinen Sozialen Beratungsdienstes ist Johanna S. kein Einzelfall - und überhaupt will die Caritas bundesweit mit einer großen Kampagne auf solche Schicksale hinweisen. "Armut macht krank" ist der Titel, Solidarität das große Ziel. "Zwischen Einkommen, Perspektiven und Bildung gibt es einen Zusammenhang", sagt auch Caritas-Geschäftsführer Paul Greubel. "Wenn es an einem fehlt, geht die Krankheit oft damit einher." So war es bei Johanna S. - und bei vielen anderen, die zu Jürgen Fuchs in die Beratung kommen. Er erzählt zum Beispiel von einer türkischen Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes erhebliche Probleme damit hatte, sich und ihren Sohn durchzubekommen. Hartz IV und eine kleine Witwenrente reichten nicht aus, die Frau sah sich permanent mit Zukunftssorgen und Versagensängsten konfrontiert - und mit ihrem Sohn, der sich jeglicher Art von Arbeit verweigerte. Die Frau wurde depressiv und ihr Körper immer schwächer. Vor wenigen Monaten verstarb sie - vor allem aus Verbitterung. Johanna S. kann die Situation nachvollziehen. Sie selbst sei durchaus an ihre Grenzen gestoßen, habe "nicht mehr gewollt". "Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen." Heute arbeitet sie ehrenamtlich und will eine Unterstützung sein. "Ich engagiere mich seit Jahren, um anderen Menschen, die in der gleichen Situation sind, zu helfen." Sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sich "nicht mehr aus eigener Kraft aus der Hartz-IV-Situation befreien" kann. Sie selbst hat es scheinbar geschafft. "Ich kann sagen, dass ich mein Leben im Griff habe."

Gesellschaftliche Abwertung


Und in schlechteren Phasen gibt es dann die Beratungsstelle. "Armut betrifft ja nicht nur das Finanzielle", erklärt Jürgen Fuchs. Vor allem die gesellschaftliche Abwertung erhöhe das Krankheitsrisiko enorm. "Insgesamt kann man sagen, dass die Armut trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht verringert werden konnte." Er selbst hat in Kitzingen schon einiges erlebt. Darum findet er die Kampagne "Armut macht krank" auch extrem wichtig. "Man muss direkt vor Ort handeln können." Nur so könne man armen und kranken Menschen helfen, gesunde Lebensbedingungen schaffen und vielleicht auch schon präventiv mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Das entscheidende Stichwort "Solidarität" bedeutet aber auch, dass Nachbarn, Freunde, Verwandte und Kollegen die Augen offenhalten und ihnen zur Seite stehen, wenn es brenzlig wird. Diesbezüglich hat Johanna S. ein Stück weit die Seiten gewechselt. Sie will sich weiter fröhlich ans Werk machen, anderen zu helfen - auch wenn es ihr selbst nicht immer gut geht.


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Kommentare

 
1  Kommentare  
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Roth - 31.01.2012 08:02    (0)   
 

leider ist es so und das Problem ist, ....
.... dass die Vielzahl depressiver Menschen die Kosten im Gesundheitswesen immer höher werden lässt. Durch den Niedriglohn stagnieren die Einnahmen dder Krankenkassen gleichzeitig auf niedrigem Niveau.

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