Rübenbauern freuen sich über Rekordjahr

03.02.2012   Ort: Kreis Haßberge  Von: Martin Kreklau  Fränkischer Tag

Ernte Die Erträge waren im vergangenen Jahr so hoch wie nie. Rübenbauer Rainer Stephan hatte mit einer weiteren Steigerung nach 2009 kaum gerechnet, aber die Bedingungen waren 2011 besonders gut. Dennoch blicken die Bauern nicht ganz sorglos in die Zukunft.


Hat nach diesem Jahr gut lachen: Zuckerrübenbauer Rainer Stephan aus dem Haßfurter Stadtteil Unterhohenried. Foto: Martin Kreklau
Jammern sei nicht sein Ding, sagt Rübenbauer Rainer Stephan. Und gerade mit Blick auf das letzte Jahr gibt es für den Landwirt aus dem Haßfurter Stadtteil Unterhohenried wenig Grund dazu. "Das neue Jahrtausend ist gerade elf Jahre alt und der Rekord wurde schon zweimal erreicht. Wir dachten 2009 schon, dass es kaum besser geht, doch 2011 hat bislang alles übertroffen", sagt Stephan.
Er ist Ausschussmitglied im Verband der Fränkischen Zuckerrübenbauern in Unterfranken und hat damit den Blick über den Tellerrand: Sogar in Gegenden, in denen die Ernte sonst geringer ausfällt - etwa Oberfranken und das Gebiet Haßberge - konnten sehr hohe Erträge eingefahren werden. Letztere sind oft mit einem geringeren Zuckergehalt in den Rüben verbunden. Doch auch das war nicht der Fall. "Wenn man die Rüben geschüttelt hat, dann sind unten schon die Zuckerwürfel rausgefallen, so hoch war der Gehalt", sagt Stephan mit einem Augenzwinkern. Mit durchschnittlich 19 Prozent Zucker pro Rübe waren die Bauern mehr als zufrieden. "Wir hatten bereits früh im Jahr ideale Bedingungen", bilanziert Stephan. Man habe die Rüben im März ausgesät - früher als sonst. Temperaturen und Niederschläge waren optimal, weshalb alle Rüben aufgegangen seien.
Auch dann blieb es für das Wachstum der Rüben ideal. Durch die trockene Zeit im Mai entwickelten die Früchte lange Wurzeln, so konnten sie auch in Trockenphasen gut an Wasser gelangen. Im Sommer gab es dann ausreichend Wasser, und die Pflanzen gelangten durch die langen Wurzeln außerdem gut an Nährstoffe. Die Sonne tat ein Übriges.

Kaum Frostschäden


Frost im Mai: "Die Pflanzen haben das alle gut überstanden. Mir ist nicht bekannt, dass es wegen des Frostes große Schäden gab", sagt Stephan. Ein Problem gab es für die Rüben allerdings: Unkraut. Kamille und Melde wuchsen auf den Rübenäckern zu einem Zeitpunkt, als der Landwirt mit Pflanzenschutzmitteln nichts anfangen konnte: Diese Pflanzen können nur mit Mitteln bekämpft werden, die auf den Boden gestreut werden und dann versickern müssen. "Durch die Trockenheit kam der Wirkstoff aber nicht an die Wurzeln heran", erklärt Stephan. So blieb nichts anderes übrig, als das Unkraut per Hand aus dem Acker zu rupfen.
Die Rüben aus Unterfranken werden alle an die Südzucker-Zuckerfabrik in Ochsenfurt geliefert. Werkleiter Olaf Böttcher: "Wir hatten in diesem Jahr mit 79 Tonnen Rüben pro Hektar einen sehr hohen Ertrag." Dieser Wert sei um 20 Prozent höher als der Durchschnitt. Insgesamt wurden in den neun Südzucker-Werken zwölf Millionen Tonnen Rüben verarbeitet. Die Kombination aus hohem Ertrag und stärkerem Zuckergehalt machte dieses Jahr zum Rekordjahr, wie Böttcher angibt. Von Ochsenfurt aus finden rund 100 000 Tonnen Zucker den Weg nach Zeil, wo sie in den Silos der ehemaligen Fabrik gelagert werden.

Billiger Rohrzucker aus Brasilien


Die Sorge, die die letzten Zuckerrübenbauern umtreibt (rund 160 Landwirte in Franken haben den Anbau 2011 aufgegeben), liegt nicht in den Wetterunbilden, sondern in der Europäischen Zuckermarktordnung; sie hat seit 1968 quasi die Landwirte vor dem billigen Zucker aus Brasilien beschützt. Sollte der weltweit größte Zuckerproduzent Brasilien seinen wesentlich billigeren Rohrzucker in Europa in großen Mengen verkaufen, ist für den Haßfurter Landwirt Stephan die Sache klar: "Ich befürchte, dass der Zuckermarkt in Europa zusammenbrechen wird." Das würde die Bauern in Deutschland treffen, neben Frankreich das größte Zuckerrübenanbaugebiet der EU. "Wenn das Geschäft nicht mehr lukrativ ist, dann gibt es für die Bauern keinen Anreiz die aufwendigen Rüben anzubauen", sagt Stephan.


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