Das ist fast so nass wie bei der Reisernte
06.09.2010
Von: Sabine Weinbeer ![]()
Landwirtschaft Hermann Hümmer brauchte für die Ernte auf seinem Weizenfeld bei Oberschleichach professionelle Hilfe, nachdem er selbst mit seinem Mähdrescher im nassen Boden hängen geblieben war. Mit den Spezialreifen klappte das Unternehmen.

Fast sechs Zentner bringt so ein Spezial-Reifen auf die Waage, konzipiert eigentlich für die Reis-Ernte. Fotos: Sabine Weinbeer
Nur noch Futterqualität
Der Weizen, der hier steht, ist zwar ausgewachsen und "nur noch Futterqualität", aber genau das braucht Hümmer für seine Schweinemast. So wandte er sich "als letzten Versuch" an Matthias Karg aus Greßhausen. Der Landmaschinenschlosser ist im Nebenberuf Lohn-Drescher und für Extremsituationen ausgerüstet. Gebraucht hat er die riesigen Spezialreifen erworben, die in manchem nassen Acker gute Dienste geleistet haben. "Aber so nass wie hier, das hab ich noch nicht gesehen," stellt seine Frau Karola fest. Fast zwei Stunden lang waren sie bis Oberschleichach unterwegs, jetzt müssen die Reifen gewechselt werden. Mittlerweile haben sich allerhand Zuschauer aus Oberschleichach versammelt. Die riesigen, 80 Zentimeter breiten und fast sechs Zentner schweren Reifen sind überraschend schnell montiert. Dann wird's spannend: Nicht nur Karola Karg drückt die Daumen, als ihr Mann mit dem 210 PS starken Mähdrescher ins Weizenfeld einbiegt.
Bloß nicht steckenbleiben
Der hat sich vorher über die nassesten Stellen informiert und geht zügig ans Werk, denn wenn er zu langsam wird, könnte er sogar mit diesen Reifen stecken bleiben. "Das ist der reinste Krimi", meint Karola Karg, und auch Hermann Hümmer ist sichtlich gespannt. "Schau, es staubt sogar ein bisschen", staunt er, als die ersten Halme geerntet sind, dann macht sich Erleichterung breit: die Weizenernte funktioniert, nach kurzer Zeit kann die erste "Ladung" vom Mähdrescher auf Hümmers Anhänger prasseln. In dem Moment dankt er der Flurbereinigung, die die Flurwege auf vier Meter Breite ausgebaut hat. Sonst hätte die Hilfe aus Greßhausen seine Äcker gar nicht erreichen können.Mittlerweile wurde Hermann Hümmer mehrfach gefragt, ob der überreife Weizen denn den ganzen Aufwand wert ist. Für Hümmer schon. Wenn er das Getreide hätte stehen lassen, um den Acker zu mulchen, hätte das auch Geld gekostet. Aber: Ihm hätte das Futter für seine Schweine gefehlt, "und der Futterpreis ist durch die schlechte Ernte in diesem Jahr schon um rund 20 Prozent gestiegen", rechnet er vor.
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