Weiter Wirbel um die Windkraft
02.09.2010
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Energieversorgung Künftig wird es in Unterfranken "Vorrangflächen" und "Vorbehaltsflächen" für neue Rotoren geben. Mit dieser Festlegung soll verhindert werden, dass es zu einem "Wildwuchs" kommt, wie ihn die Kritiker unter anderem in der Gemeinde Aidhausen (Kreis Haßberge) befürchten.

Die neuen Windräder bei Buch (Gemeinde Theres), die seit einigen Wochen am Netz des Stadtwerks sind, werden wohl schon bald Gesellschaft bekommen. Im westlichen Landkreis Haßberge und direkt angrenzend im östlichen Landkreis Schweinfurt nehmen Pläne für den Bau weiterer Windkraftanlagen Gestalt an. Foto: Günter Flegel
"Nicht überall"
Dr. Johannes Mack aus Happertshausen (Gemeinde Aidhausen) ist Kunsthistoriker, hat sich aber in letzter Zeit aus naheliegenden Gründen intensiv mit der Energieversorgung auseinander gesetzt. Naheliegend sind nämlich die Pläne für einen großen Windpark im Gemeindebereich Aidhausen, den ein Investor aus Norddeutschland plant. Ein Dutzend Windräder soll in der freien Flur geplant werden, jedes einzelne knapp 200 Meter hoch. "Ein Frevel in unserer Landschaft", findet Mack, der aber nicht als "Windkraftverhinderer" gelten will. "Erneuerbare Energien sind sinnvoll, und den Atommeiler in Grafenrheinfeld würde ich lieber heute als morgen abgeschaltet sehen. Aber Windräder machen einfach nicht überall Sinn", sagt Mack unserer Zeitung. Er ist der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Gegenwind" in Aidhausen, die sich gegen die Investorenpläne formiert hat.
200 zahlende Mitglieder
"Wir haben inzwischen 200 zahlende Mitglieder. Eine große Mehrheit der 1700 Bürger von Aidhausen will den Windpark nicht", sagt der Akademiker. Für ihn ist nicht nur die "Verschandelung" der Landschaft ein Argument gegen das große "Öko-Kraftwerk". Nach seiner Ansicht ist auch die Windernte im Haßgau um so viel kleiner als etwa in der Küste, dass der Bau großer Rotoren hier "Unsinn" ist; von der Abnehmerseite ganz abgesehen: "Eon schaltet doch jetzt schon die Windräder in Waldsachsen immer wieder ab, weil kein Bedarf für den Strom da ist", sagt Mack.Der prominenteste Verbündete dieses "Don Quichotte" von Aidhausen, der gegen die Windmühlen kämpft, ist indirekt Landrat Rudolf Handwerker im Landratsamt in Haßfurt. Auch er weist den Verdacht weit von sich, ein Gegner von Wind- oder sonstiger Öko-Energie zu sein. "Aber die Landschaft ist unser wichtigster Rohstoff. Wir müssen sehr sorgsam damit umgehen", sagt der Kreischef. Er verweist gerne auf die zahlreichen Initiativen zur Belebung des Tourismus' in der Region. "Die Besucher wollen unsere Wälder sehen, die Schlösser und die Burgen. Nicht die Windräder".
Planung
Deshalb hat sich Handwerker in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes mit Nachdruck für eine restriktive Windkraft-Planung eingesetzt. Die Waldgebiete und die Schutzzonen der Naturparke sind tabu für derlei Projekte. Stattdessen sollen, analog zum Kies- oder Gipsabbau, Vorrang- und Vorbehaltsflächen für den Bau von Windrädern festgelegt werden. Nur noch da dürfen sich künftig die Rotoren drehen. Aidhausen zählt danach zu den Vorbehaltsgebieten.Die Gemeinde Schonungen im Landkreis Schweinfurt ist der Vorreiter: Hier stehen nicht nur zwei "Senioren" unter den Windkraftanlagen in der Region (bei Waldsachsen); die Gemeinde legt auch als eine der ersten in ihrem Flächennutzungsplan ausdrücklich die Flächen fest, die für neue Windräder überhaupt noch in Frage kommen.
76 Hektar
Das sind laut Bürgermeister Kilian Hartmann 76 Hektar an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Forst und Waldsachsen, wo sich bereits zwei Rotoren drehen und weitere Windräder bereits geplant sind. Insgesamt, so sagt Hartmann unserer Zeitung, bietet dieses Areal Platz für ein knappes Dutzend Windkraftanlagen; ob so viele "Spargel" wirklich sprießen werden, ist für den Kommunalpolitiker "völlig offen", wie er sagt. Die Gemeinde sah sich nach seinen Worten zu diesen Planungsvorgaben gezwungen, weil diverse Anträge auf den Rathaustisch geflattert waren, die zu einem Fleckerlteppich von Windkraftwerken geführt hätten. Besonders umstritten waren die inzwischen wieder aufgegebenen Pläne für einen Windpark in den Wäldern bei Waldsachsen, der großflächige Rodungen mit sich gebracht hätte.Das Schonunger Windgebiet deckt sich mit den Vorgaben, die im Regionalen Planungsverband in konkretes Recht gegossen werden sollen. Der Planungsverband weist zwei Arten von Gebieten aus, die für den Bau von neuen Windkraftanlagen in Frage kommen: Vorrangflächen, die bevorzugt bebaut werden sollen, und Vorbehaltsflächen als mögliche "Reserve".
Hier geht es
Die Vorrangflächen finden sich im Landkreis Haßberge nach dem Entwurf des Regionalen Planungsverbandes, der unserer Zeitung vorliegt, nördlich von Humprechtshausen, zwischen Mechenried und Rügheim, westlich von Buch (Gemeinde Theres) , nördlich von Gädheim und Ottendorf sowie westlich von Dampfach und Horhausen.Vorbehaltsflächen findet man im Bereich Aidhausen, südlich von Rügheim und Kleinmünster, im Westen von Unterschwappach sowie zwischen Westheim und Knetzgau. Über die Umgriffe im Detail wird noch diskutiert.
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