Stadtrat entscheidet noch nicht zum Sportpark
08.02.2012
Ort: Haßfurt ![]()
Bauprojekt Das Sechs-Millionen-Euro-Bauprojekt des Turnvereins Haßfurt hätte am Donnerstag, 16. Februar, in einer Stadtratssitzung entschieden werden sollen. Nicht zuletzt steckt die Stadt zu einem guten Teil in dem Vorhaben drin. Kurzfristig sagte die Stadtverwaltung Haßfurt jetzt den Stadtratstermin ab.

Eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe unter der Leitung von Stadtkämmerer Wolfgang Hömer solle laut Eck Alternativen dazu erarbeiten. Ein Zeitplan dafür stehe noch nicht fest.
Erst vergangenes Wochenende hatten die Verantwortlichen des Turnvereins Stellung zu dem Vorhaben bezogen und die Hintergründe aus ihrer Sicht beleuchtet. Beim TV ist man bislang optimistisch gewesen, das Vorhaben durchziehen zu können.
So sieht der TV Haßfurt die Sache
In der Pressemitteilung beschrieben die Verantwortlichen, dass vier Jahre Vorarbeit in den Planungen stecken würden, der Turnverein stehe "geschlossen hinter dem Projekt, das so wichtig für den Verein, den Nachwuchs und den Breitensport in Haßfurt ist."
Sechs Millionen Euro - ein Batzen Geld. Doch laut TV hat ein Projektsteuerer der Stadt den Kostenansatz geprüft und anhand von Vergleichen als angemessen bestätigt. Abstriche habe der TV am Baukörper und in der Ausstattung gemacht, doch die Dreifachhalle sei wichtig. Der Bedarf ist da, wie die TV-Verantwortlichen unterstreichen. Der Schulzweckverband sehe keine Konkurrenzsituation mit der Dreifachschulsporthalle.
Auftrieb für den Sport in Haßfurt
In der Tatsache, dass der Bayerische Landessport-Verband (BLSV) eine kleinere Halle gar nicht fördern würde, sieht man sich bestätigt. Und: "Derzeit von uns nicht angebotene, populäre Ballsportarten wie Basketball oder Handball und auch ein Wettkampfbetrieb könnten in einer kleineren Halle nur eingeschränkt angeboten werden." Die Finanzierungsproblematik wäre laut TV wegen geringerer Zuschüsse nicht grundlegend anders.
Ein Thema in den Diskussionen pro und contra Sportpark ist immer wieder das Vereinswesen. Der TV vertraut eigenen Angaben nach Untersuchungen, die dem Vereinswesen wieder mehr Bedeutung zumessen. Denn: Die unteren Einkommensgruppen nähmen zu.
Dass sich die Stadt Haßfurt beim Sportpark finanziell so engagiert, hat in den Augen der TV-Verantwortlichen seine Berechtigung: "Grundsätzlich stellen Sportvereine nach wie vor den quantitativ bedeutsamsten Träger bürgerschaftlichen Engagements dar." Und 2011 seien "durch unsere Übungsleiter und Helfer, Abteilungsleiter, Vorstände und Ausschussmitglieder rund 15 000 Stunden geleistet worden, wodurch eine Wertschöpfung für die Stadt Haßfurt und ihre Bürger von rund 200 000 Euro erzielt wurde. Diese Wertschöpfung wird sich mit dem Bau des Sportpark Eichelsee weiter erhöhen, im umgekehrten Fall verloren gehen."
Würde die Stadt die Halle bauen und vermieten, so ginge die Bezuschussung durch den BLSV verloren. Der Vorstand sieht sich motiviert durch Bürgermeister Rudi Eck (CSU), der Unterstützung zusicherte. "Andernfalls wäre ein Projekt dieser Größe ehrenamtlich Tätigen tatsächlich nicht zumutbar."
Der Turnverein habe in den letzten Jahren Rücklagen gebildet, betonen die TV-Funktionäre. Der Altbestand sei aber nicht zu sanieren, das habe dessen baufachliche und wirtschaftliche Prüfung ergeben. "Die Vermögenslage des Vereins hat sich in den letzten fünf Jahren um rund 260 000 Euro verbessert." Die Energiekosten seien immer belastender: 2011 wurden für Strom und Gas rund 25 000 Euro ausgegeben. "Per 31.12.2011 verfügte der Verein über einen Geldmittelbestand von 220 000 Euro." Bezahlt worden seien aus den Rücklagen bereits 50 000 Euro für Planungsleistungen. "Durch weitere, bedingte Spendenzusagen könnten kurzfristig insgesamt über 300 000 Euro angesammelt werden. Die nur für aktive erwachsene Mitglieder einmalig greifende Investitionsrücklage wird den Rücklagentopf mit weiteren 50 000 Euro füllen. Das heißt: Bereits 2012 können 75 bis 80 Prozent der kalkulierten Barmittel erreicht werden. Der Verein hat hier sein Möglichstes getan."
An der Grenze der Belastbarkeit
Kann der TV das Darlehen über fast zwei Millionen Euro schultern? Ja, sagen die Verantwortlichen: "Bereits heute beläuft sich das Beitragsaufkommen des Vereins mit seinen derzeit 1300 Mitgliedern auf rund 100 000 Euro." Aus Erfahrungsberichten anderer Vereine, die gebaut haben, und des BLSV rechnet der TV mit einem prozentual zweistelligen Zuwachs. Die Kalkulation beruhe auf Erfahrungswerten.
Die Kalkulation bedeute, dass in acht Jahren der Mitgliederbestand jährlich um 30 Personen wachsen müsste. Dennoch gibt der TV zu: "Der Verein für seinen Teil geht selbstverständlich an die Grenze seiner Belastbarkeit."
Mitgliederzuwachs ist wichtig
"Aus den neun bestehenden Abteilungen wären das jährlich durchschnittlich rund drei Mitglieder mehr. Vielleicht können wir ja auch einen Teil der ausgetretenen Mitglieder wieder zurückgewinnen. Erst ein Drittel aller Haßfurter Bürger ist in Sportvereinen Mitglied. Unser Sportkonzept wird Angebote schaffen für das Vorschulkind bis hin zur aktiven Seniorin und zum aktiven Senior. Als Breitensport- und Mehrgenerationen-Verein werden wir für dieses erforderliche Wachstum mit dem Sportpark alle Voraussetzungen schaffen."
Der Bau der Gaststätte ist angepeilt in Partnerschaft mit einem Pächter, den es laut TV noch nicht gibt. Per Ausschreibung soll er gefunden werden.
Stichwort Gründungskosten für die Halle (450 000 Euro). Die diskutierte Ausweichmöglichkeit auf der Nordseite sei gründlich geprüft worden, so der TV, ergebe aber deutlich höhere Gesamtkosten. Der Umzug ans Schulzentrum sei "nicht realistisch" und bedeute einen "verlorenen Nutzungswert des Eichelseegeländes".
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Kommentare
Ich finde auch,
dass es zu viel Geld ist. Man kann sich kaum vorstellen wie es möglich war, früher Sport zu treiben!
Weltfremd
Wie kann ein Verein mit nur 1300 Mitglieder eine Investition von 6 Mio Euro stemmen - der Vorstand muss schon ausgesprochen mutig bzw. verrückt sein, so etwas auf den Weg zu bringen. Dass seit Bekanntwerden des Vorhabens schon etliche Mitglieder den Verein verlassen haben wird erst gar nicht im Bericht erwähnt.
Den Übungsleitern, welche die eigentliche Arbeit in einem Verein erbringen, muss dieser Plan wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen.
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