Die Stasi machte Menschen zu Wracks

19.03.2010     inFranken.de

Schulkinowoche  Jugendliche der neunten und zehnten Jahrgangsstufe tauschten für einen Vormittag das Klassenzimmer mit dem Vorführsaal. Der frühere DDR-Häftling Harry Hinz sprach nach "Das Leben der anderen" über seine Gefangenschaft.


Im Zeiler Kino diskutierte Harry Hinz mit den Jugendlichen über die Stasi. Foto: Kino Schneyer
Bei der Bayerischen Schulkinowoche sahen am Donnerstag Jugendliche der neunten und zehnten Jahrgangsstufe den oskarprämierten Film "Das Leben der anderen", in dem es um die Arbeit des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) in der früheren DDR geht. Nach der Vorstellung gab es eine interessante Gesprächsrunde mit dem Zeitzeugen Harry Hinz.

Der 63-Jährige war 1964 als Westbürger in die DDR gegangen, um seine Jugendliebe aus Dresden in den Westen zu holen. Er wurde vorläufiger DDR-Bürger. Kurz vor der geplanten Flucht in den Westen nahm ihn die Stasi fest und steckte ihn in Untersuchungshaft. "Die hatten Angst vor jedem, der als ,Wessi‘ in die DDR gekommen war. Sie dachten, ich wäre ein westdeutscher Agent."


Schüler fragen nach


Nach einer kurzen Schilderung seiner Geschichte durften die sechs Schüler, die die Klassen repräsentierten, Fragen stellen.

Die 15-jährige Marlen wollte wissen, nach welchen Kriterien die bespitzelten Menschen von der Stasi abgehört wurden, und ob Hinz selbst Opfer von Bespitzelung gewesen sei.

Gespannt hörten die Schüler zu, wie Hinz beschrieb, dass es Wanzen hinter Lichtschaltern gegeben hat; dass bei Verhören Informationen benutzt wurden, die nur durch Abhören in Erfahrung gebracht werden konnten. Auch er war abgehört worden.

Hinz erzählte von Spezialvernehmungen, die nachts stattfanden; der Gefangene wurde mit dem Elektroschocker aus dem Schlaf gerissen: "Alle Häftlinge hatten Angst, geweckt zu werden, und konnten deshalb nachts nicht schlafen."

Bis heute kümmert sich Harry Hinz um frühere Mithäftlinge und "Betroffene", wie er sie nennt, als Vorsitzender des Netzwerks "Stasiopfer-Selbsthilfe". Der 15-jährige Kevin wollte wissen, wie seine Arbeit in dem Verein aussieht. Hinz berichtete, dass sich immer wieder ehemalige DDR-Gefangene melden, die teilweise suizidgefährdet in psychologische Behandlung eingewiesen werden müssten und außerdem oft nicht wüssten, welche Ansprüche auf Entschädigung sie hätten.

Ein anderer wichtiger Aspekt seiner Arbeit sei die Öffentlichkeitsarbeit, vor allem mit den Jugendlichen, die diese Zeit nicht miterlebt haben. Er wolle darüber aufklären, so Hinz, "welche Gefahren von einer Diktatur, auch in der heutigen Zeit, ausgehen", und nennt als Beispiel die Zustände im Iran. "Die DDR war auch eine Diktatur, die vergleichbar mit der des NS-Regimes ist", betonte Hinz.



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