Spannung um Fachoberschule

12.03.2010     inFranken.de

Bildung Am Freitag lief die Anmeldefrist für die Fos-Außenstelle in Haßfurt ab. Die "magische" Zahl von 100 Aspiranten wurde sicher nicht erreicht. Aber die Schule "ist längst nicht verloren".


In der Zeppelinstraße in Haßfurt ist die Außenstelle der Fos Schweinfurt untergebracht. Foto: Günter Flegel
Am Freitag um 15.30 Uhr war die "Stunde Null" für die Haßfurter Außenstelle der Fachoberschule (Fos). Zu diesem Zeitpunkt endete die Anmeldefrist für das kommende Schuljahr. Ob es dann noch die Fos in Haßfurt geben wird?. Der Landkreis kämpft um diese Bildungsstätte. Allen voran Christoph Stumpf, der Leiter der Haßfurter Berufsschule, der die Fos-Außenstelle seit zwei Jahren angegliedert ist. Er ärgert sich über die "magische Zahl", 100 Anmeldungen, die "durch den Raum geistert" als Kriterium für die Anerkennung der Fos durch das Kultusministerium. "Die Zahl steht nirgends", sagte Stumpf unserer Zeitung. In der Tat hätte man sich, würde es diese "Deadline" geben, die Ausschreibung für 2010/11 sparen können. Dann hätten nach 41 Schülern im ersten und 48 im zweiten Fos-Jahr doppelt so viele Kinder kommen müssen.
Zahlen sind Schall und Rauch

Konkrete Zahlen wollte der Schulleiter am Freitag nicht nennen; sie sind für ihn aber auch "gar nicht so entscheidend" für die Zukunft der Fos. "Wir werden die Anmeldungen prüfen, und dann müssen wir mit dem Kultusministerium völlig unabhängig von den nackten Zahlen verhandeln", sagte er. Sein Ziel ist klar: die Fos in Haßfurt halten und womöglich noch ausbauen. Verbündete hat der Schulchef in großer Zahl, vorneweg den "Schul-Landrat" Rudolf Handwerker, aber auch den SPD-Kreisverband, der von der Staatsregierung "Taten statt Worte" fordert, was die gleichen Bildungschancen für die Kinder auf dem Land angeht.
Vorbildlich

"Der Landrat kämpft vorbildlich!" Wolfgang Brühl hat keine Scheu, ein Lob an Rudolf Handwerker auszusprechen. Der Einsatz des Landkreis-Chefs in Sachen Fachoberschule sei aller Ehren wert. "Die Außenstelle der FOS zu erhalten ist wichtig", macht der Kreisvorsitzende der Haßberg-SPD klar. "Sie bietet eine zusätzliche, wertvolle und vor allem wohnortnahe Bildungschance für Jugendliche aus der Region." In den letzten Wochen hatte der Landrat unter anderem bei der Infoveranstaltung der Fachoberschule Werbung für die Außenstelle in der Kreisstadt gemacht. "Er hat unsere Unterstützung", macht Wolfgang Brühl klar. Die Einrichtung habe sich in den bisherigen eineinhalb Jahren ihres Bestehens mehr als bewährt. "Die Schüler bringen gute Leistungen, sind engagiert und gehen gerne in diese Schule", meint der Kreisvorsitzende mit Blick auf die Klassen des Zweiges "Wirtschaft, Recht, Verwaltung", die in der früheren Förderschule an der Zeppelinstraße untergebracht sind.
Alles umsonst?

Allerdings könnten die ganzen Bemühungen umsonst sein. "Was nützt alle Werbung und aller Einsatz für die gute Sache, wenn man von der Staatsregierung Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt?" fragt Susanne Kastner. Die Bundestagsabgeordnete kann die Haltung des Kultusministeriums in München nicht im Geringsten nachvollziehen. Von dort kommen deutliche Signale, dass die Außenstelle der Fos wohl nur bestehen bleibt, wenn sich mindestens 100 Schüler für das kommende Schuljahr anmelden. Eine mehr als utopische Zahl – angesichts von gut 50 Anmeldungen im letzten Jahr–. "Der ländliche Raum wird von München wieder einmal mit Verachtung bestraft." Ein Aus für die Außenstelle der Fos würde nicht nur den Verlust einer Bildungseinrichtung bedeuten. "Der Landkreis verliert deutlich an Attraktivität." Gerade Familien mit Kindern würden bei der Wahl eines Wohnorts genau schauen, welche schulischen Möglichkeiten die Region bietet. Die Einführung der Fos zum Schuljahr 2008/2009 sei da ein großer Gewinn gewesen. "Wenn man sie dem Landkreis jetzt wieder wegnimmt, ist das ein schwerer Schlag und widerspricht zudem jeglicher Bildungsgerechtigkeit."
Kurze Wege

Eine Fachoberschule in Schweinfurt oder Coburg sei für viele Schüler kaum oder nur sehr schwer erreichbar. "Die Außenstelle in Haßfurt stand für ein Konzept möglichst kurzer Schulwege", erklärt Wolfgang Brühl. Ziel einer verantwortungsvollen Bildungspolitik müsse es sein, die Schulen und ihre Standorte an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen und nicht umgekehrt. "Wo steht denn bitteschön geschrieben, dass eine Außenstelle einer Fachoberschule mindestens 100 Anmeldungen vorweisen muss?", ärgert sich der Kreisvorsitzende über die starre Haltung in München. "Ohne eine Fos-Außenstelle wäre der Landkreis deutlich ärmer."
Die Fachoberschule sei ein wichtiger Bestandteil eines umfassenden Bildungsangebots. Dass sie gut angenommen wird, zeigen doch gerade die mehr als 50 Anmeldungen, die es für das laufende Schuljahr gab. "Die Jugendlichen und ihre Eltern wollen diese Schulform."


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