Spurensuche in Ebelsbach geht weiter

19.09.2009   Ort: Importartikel  Von: Günter Flegel  inFranken.de

Brandkatastrophe Eine Woche nach der Zerstörung des historischen Gebäudes in Ebelsbach bestehen für die Experten kaum noch Zweifel, dass das Feuer mit Absicht gelegt wurde. Ob das Drama jemals völlig aufgeklärt werden kann, ist fraglich.


Völlig ausgebrannt ist der Rolls Royce des Schlossbesitzers, der in einem separaten Raum im Erdgeschoss des Schlosses stand. Foto: gf
Es war Brandstiftzung. Eine Woche nach dem verheerenden Feuer im historischen Rotenhan-Schloss in Ebelsbach kann die Polizei die erste in einer langen Liste von Fragen „mit ziemlicher Sicherheit“ beantworten. Diese Antwort wirft aber viele weitere Fragen auf, die wohl noch lange der Klärung werden harren müssen.
Der Laie fragt sich, wie die beiden Brandexperten der Kriminalpolizei und des Landeskriminalamtes (LKA) in dem verkohlten Trümmerhaufen, der einmal ein Schloss war, überhaupt eine Spur finden können.

Vom Landeskriminalamt
Dr. Bernd Budjarek wurde eigens vom LKA in München nach Ebelsbach abgestellt, um nach der Feuerkatastrophe ein Rätsel zu lösen, wie es schwieriger nicht sein könnte: Er und sein Kollege Karlheinz Wacker stehen vor einem Puzzle, von dem ganz viele Teile fehlen; die wenigen Anhaltspunkte, die sie erst mühsam finden müssen, hat das Feuer bis zur Unkenntlichkeit entstellt; und sie wissen nicht einmal, welches Gesamtbild das Puzzle am Ende ergeben soll.
„Bei dieser Arbeit zählt jede Kleinigkeit“, sagt Dr. Budjarek, von Haus aus studierter Physiker, der sich seit 1981 für die Polizei die Finger schwarz macht. Von der Gartenlaube bis zum Kraftwerk hat er sich schon mit allen möglichen Brandruinen beschäftigt und vieles erhellen können, wo andere nur schwarz sehen. „Die Erfahrung macht es“, sagt der Experte des LKA.

Viele Fragen offen
Im Fall Ebelsbach werden die Fachleute der Polizei und ihr Sprecher Karlheinz Schmitt vom Präsidium in München noch nicht allzu konkret. „Wir haben es hier mit Ermittlungen zu tun, die sich über Wochen, wenn nicht gar Monate hinziehen können“, wehrt Schmitt die Fragen nach ersten Ergebnissen ab. Lediglich die Tatsache, dass vieles für Brandstiftung spricht, verkündet Schmitt als Zwischenbilanz nach den ersten Tagen der Spurensuche. Worauf sich diese Aussage stützt, will er nicht sagen, und auch die Frage, ob die Brandstiftung vorsätzlich oder fahrlässig war, lässt der Polizeisprecher unbeantwortet. „Die Spurensuche geht weiter“.

An mehreren Stellen?
Dass das Feuer an mehreren Stellen im Schloss ausgebrochen sein muss, haben schon in der Brandnacht Augenzeugen und Feuerwehrleute geschildert. Die Auswertung der Fotos, die unsere Zeitung am Ort des Geschehens gemacht hat, bestätigt dies, etwa das Bild unten von dem ausgebrannten Rolls Royce des Besitzers. Der Raum, in dem der Luxuswagen untergestellt war, hatte keine Verbindung zu den Wohnräumen darüber. Erst durch die Einwirkung des Feuers und des Löschwassers brach die Zwischendecke durch. Man sieht, dass der Rolls Royce mit Schutt und Möbeln bedeckt ist, die kaum Brandspuren aufweisen. Das Auto ist trotzdem völlig ausgebrannt; das Metall der Karosserie zeigt die typischen Verfärbungen nach großer Hitzeeinwirkung, der Lack und die Reifen sind weggebrannt.
Der Schluss liegt nahe, dass es in der Garage längst gebrannt hatte, als die oberen Stockwerke im Feuer zusammenbrachen.

Lebensgefahr
Das muss alles Spekulation bleiben, bis die Experten der Polizei ihre Arbeit abgeschlossen haben. Dazu gibt es auch aus rein technischer Sicht noch offene Fragen. Bislang konnten die Ermittler nur Teilbereiche des ausgebrannten Schlosses betreten. Die obersten Stockwerke und das Dach sind großteils in sich zusammengebrochen, die Schuttberge türmen sich im Innern, wo der Besucher bis vor einer Woche prachtvoll verzierte Räume mit Stuckdecken und Parkett bewundern konnte.
Eine Eigenart dieses historischen Gebäudes ist sein Aufbau: Auf einem massiven Steinsockel ruhen die Fachwerk-Geschosse, denen das Holz die statische Festigkeit gibt. Die Zwischendecken sind ebenfalls aus Holz sowie Stroh und Lehm aufgebaut. Das Feuer und das Löschwasser haben die Stabilität dieser Jahrhunderte alten Konstruktion zerstört. Jederzeit können Böden und Wände durchbrechen oder einstürzen – Lebensgefahr für jeden, der sich dem Schloss nähert oder es gar betritt.
Die nächsten Tage müssen zeigen, inwieweit die Ruine stabilisiert und geräumt werden kann, damit die Brandfahnder der Polizei weitere Teil des Puzzles finden – und die nächsten Fragen beantworten können.

Die nächsten Schritte
Rund 90 Prozent aller Wohngebäude im Freistaat sind bei der Versicherungskammer Bayern (VKB) gegen Feuer und andere Elementarschäden versichert. Laut Claudia Scheerer, Sprecherin der VKB in München, reguliert die Gesellschaft jährlich Brandschäden in einer Höhe von 300 Millionen Euro.
In welcher Höhe das Schloss in Ebelsbach versichert ist, fällt bei der VKB unter die Verschwiegenheitspflicht. Zweifellos ist der Betrag aber bedeutend höher als der Verkehrswert, der 2006 auf 318 000 Euro taxiert wurde.
Bevor die VKB über eine Begleichung des Schadens entscheidet, wartet sie die Freigabe der Brandruine durch die Kriminalpolizei ab; danach werden sich wohl eigene Gutachter der Versicherung mit dem Fall beschäftigen.
Am Freitagnachmittag besichtigten Vertreter der Denkmalschutzbehörde und Landrat Rudolf Handwerker die Schloss-Ruine, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Vorrangig ist es jetzt, die Reste des Schlosses zu sichern und zu dokumentieren, um zu retten, was überhaupt noch zu retten ist.


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