Das Eis stoppt die Schiffe auf dem Main

07.02.2012   Ort: Kreis Haßberge  Von: Günter Flegel  Fränkischer Tag

Frost Die Eiszeit geht weiter: Als Folge der sibirischen Temperaturen ist jetzt auch der Main zugefroren. Durch den Rückstau der Schleusen haben sich Eisschollen angesammelt, übereinander geschoben und zu einer geschlossenen Eisschicht verbunden. Für die Schifffahrt ist damit "Schicht".


Die "Anna Firmbach" wartet in Limbach auf freie Fahrt. Ein Ende der Eiszeit ist aber nicht in Sicht. Foto: gf
Bis vor zwei Wochen konnte man noch sicher sein, dass der Winter 2011/12 ausfällt. Jetzt entpuppt er sich als ausgefallener Winter in ganz anderer Hinsicht: Die Temperaturen rasseln immer tiefer in den Eiskeller, und mit Werten um minus 20 Grad schickt sich der Februar 2012 an, die Temperaturrekorde der letzten 20 Jahre zu knacken.

Kälter als minus 20 Grad war es nach den Aufzeichnungen der Wetterstation in Köslau seit 1992 nur an einer Handvoll Wintertagen, mit dem Rekord von minus 24,6 Grad am 19. Dezember 2009. Rekordverdächtig ist der Februar 2012 in jedem Fall, weil es nach den Aufzeichnungen der Wetterstationen in der Region nur sehr selten, wenn überhaupt, so spät im Winter so kalt wurde, noch nie so anhaltend sibirisch und schon gleich gar nicht ohne Schneedecke.


Kälte ohne Schnee



In fränkischen Normalwintern ist es eine zwingende Voraussetzung für Polarnächte, dass eine geschlossene Schneedecke die Auskühlung in sternklaren Nächten fördert. Selbst die Experten des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach staunen: Reihenweise sind in den letzten Nächten am Main die Temperaturrekorde für Nächte ohne Schnee gepurzelt, von Bamberg bis Aschaffenburg. Bis zur Wochenmitte könnte Väterchen Frost sogar noch eine Schippe zulegen; erst dann ist eine leichte Milderung in Sicht.

Die einen finden den Winter schön, die anderen lästig. Zur letzterer Kategorie gehört der größte Teil der 35 Main-Kapitäne, die seit Sonntag Winterurlaub haben; zwangsweise, denn das Wasser- und Schifffahrtsamt hat angesichts der sich stündlich verschärfenden Eislage die Wasserstraße gesperrt.


Eisbrecher machtlos



Die beiden in Schweinfurt stationierten Eisbrecher "Angermünde" und "Von Grassmann" konnten laut Helko Fröhner von der Behörde nur "Nothilfe" leisten und die Schiffe zum nächstbesten Liegeplatz geleiten. Die sibirischen Luft hat auch die Wassertemperaturen in den Minusbereich sausen lassen (-0,2 Grad am Dienstag bei Schweinfurt), so dass selbst die 500 PS eines Eisbrechers nichts mehr ausrichten können. "Vorne reißt du das Eis auf, und am Hintern friert es dir schon wieder zu", beschreibt Fröhner die Eiszeit im ausgefallenen Winter 2012.



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