"Dann wird die Welt heller"
31.10.2009
Ort: Importartikel Von: Sabine Weinbeer ![]()
Glaube Der Benediktiner-Pater Anselm Grün aus Münsterschwarzach beeindruckte die Zuhörer seines Vortrags in Eltmann. Der Ordensmann beschäftigte sich mit dem Leid als Teil des Lebens.
„Wir sollen nicht aktiv das Leid suchen, aber wenn es uns trifft, müssen wir es auch zulassen und als Chance begreifen“, erklärte Pater Anselm Grün vor 350 Zuhörern. In seiner ruhigen und doch eindringlichen Art ging er auf das schwierige Thema Leid ein. Viele, auch gläubige Menschen, zweifelten an ihrem Glauben, wenn Leid über sie hereinbricht, so Pater Grün.
Dem Christen sei auch nicht verboten, in solchen Situationen Gott in Frage zu stellen. Doch Christus habe in der Auferstehung das Leid verwandelt und damit den Weg gezeigt. „Wenn wir das Leid zulassen, ausleiden, uns aufbrechen lassen für Neues, dann wird die Welt heller“.
Auswüchse der modernen Zeit
Leid trage oft auch dazu bei, Illusionen zu zerbrechen. Wer von Krankheit getroffen werde, solle sich nicht mit Selbstvorwürfen quälen, warnte Pater Grün vor einer Entwicklung der modernen Zeit. Statt endlos zu analysieren, warum man eine Krankheit bekommen hat, gelte es, sich von ihr nicht zerbrechen, sondern aufbrechen zu lassen für ein neues Selbstbild und ein neues Bild von Gott. Auch wenn es im ersten Moment seltsam klinge, gehöre Leid auch zu einer mitfühlenden Gesellschaft, denn „wo Leid als unzumutbar angesehen wird, wird die Gesellschaft brutal“.
Damit zielte der Pater auch auf das Thema Sterbehilfe ab. Es sei schon sehr bedenklich, dass die Seniorenheime in der Nähe zur niederländischen Grenze voller Holländer sind. Das größte Leiden der Menschheit sieht Pater Grün im Leiden an der Sinnlosigkeit, dabei könne auch dem Leiden ein Sinn abgewonnen werden.
Möglichkeit zum Abschied
Dringend forderte Pater Grün die Zuhörer auf, sich dem Abschied zu stellen. Wer einem Todkranken nicht sagt, dass sein Sterben bevorsteht, nehme ihm die Möglichkeit zum Abschied. Dabei sei gerade ein bewusster Abschied wichtig für den Sterbenden wie für die Hinterbliebenen. Oft führe Leid dazu, künftig achtsamer zu leben und dann auch leichter sterben zu können, denn „am schwersten sterben die, die feststellen, nicht wirklich gelebt zu haben“, erzählte er aus seiner Erfahrung mit Sterbebegleitung.
Er ermutigte alle Zuhörer, ihr Leben bewusst zu leben und eine Spur zu hinterlassen, denn „durch unsere Spur kann das Leben ein Stück heiterer und heller werden. Ich wünsche Ihnen, dass nichts Sie zerbricht“. Mit einem Abendritual schloss Pater Grün seinen eindringlichen Vortrag, der sicher in vielen Zuhörern lange nachklingt.
Bürgermeister Michael Ziegler dankte für den Besuch in Eltmann und überreichte im Namen der Stadt eine Spende für die Missionsarbeit der Münsterschwarzacher Benediktiner in Korea, die in diesem Jahr seit 100 Jahren Bestand hat.
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