Die Knetzgauer Hauptschule wackelt

31.08.2010     inFranken.de

Bildung Vom Schulverbund mit Haßfurt und Theres hat sich Knetzgau mehr Sicherheit für den eigenen Schulstandort erhofft. Diese Hoffnungen erfüllen sich nicht. Die Schülerzahlen sind zu klein, um die Hauptschule auf Dauer zu halten. Selbst ein Abriss und ein Neubau stehen im Raum.


Die Hauptschule in Knetzgau ist in die Jahre gekommen. Foto: gf
Die gute Nachricht: Die Knetzgauer Hauptschule ist kein "einstürzender Altbau", auch wenn sie sich kurz vor Beginn des neuen Schuljahres alles andere als besenrein präsentiert. In der Aula ist der Boden aufgerisssen, die Handwerker gehen ein und aus. Die schlechte Nachricht: Sie wackelt aber sehr wohl, wenn auch im übertragenen Sinn.

Seit Monaten fragen sich viele Eltern in Knetzgau angesichts der vier Baumstämme, die das Dach der Knetzgauer Schule in der Aula stützen, ob sie ihre Kinder wohl noch guten Gewissens in dieses Haus schicken können. "Sie können", versichern Bürgermeister Stefan Paulus, der Kämmerer Marco Depner und Robert Selig aus der Bauverwaltung. Denn die "Säulen der Weisheit", wie sie scherzhaft genannt werden, sind eine "reine Vorsichtsmaßnahme", des Guten eigentlich zu viel, da zahlreiche Gutachten der Gemeinde bestätigen, dass die Schule standfest ist.


Schon immer Schwachpunkte


Freilich: Nach rund 40 Jahren, so Paulus am Montag bei einem Pressegespräch, nach unzähligen Reparaturen und Sanierungen ist das Schulgebäude in vielerlei Hinsicht nicht mehr auf dem neuesten Stand. Neben den statischen Schwachpunkten, die schon unmittelbar nach der Einweihung 1972 offenkundig wurden, so Depner, summieren sich der Verschleiß und die Vergreisung wichtiger Bauteile wie der Fenster mit der mangelnden Wärmedämmung zu einem ganzen Bündel von Dingen, die angepackt werden müssten.

Obwohl Knetzgau laut Stefan Paulus jedes Jahr "an die 500 000 Euro" für die Schule ausgibt, bleibt vieles doch Stückwerk. Neue Schule? Generalsanierung? Bei all den Möglichkeiten, die Knetzgau von Experten hat durchrechnen lassen, "bewegt man sich zwischen sieben und zwölf Millionen Euro", sagt der Bürgermeister. Solche Summen in die Schule zu investieren, ist für ihn "nicht verhältnismäßig", da aufgrund der zurückgehenden Kinderzahlen und der zunehmenden Übertritte in andere Schulen die Knetzgauer Hauptschule wohl spätestens ab 2014 vor dem Aus steht.


"Blauäugig"


Der Schulverbund mit Theres und Haßfurt rettet Knetzgau nicht, meint der Bürgermeister. "Da wird den Leuten nicht die Wahrheit gesagt." Theres brauche jeden einzelnen Schüler selbst, um die Schule zu halten, "und daran zu glauben, dass ein einziges Kind aus Haßfurt nach Knetzgau in die Hauptschule fährt, ist blauäugig", sagt Paulus.

Für ihn ist es "offenkundig", dass es in Knetzgau "mittelfristrig nur eine zweizügige Grundschule geben wird". Das Schulgebäude in seiner jetzigen Form wird es dann wohl nicht mehr geben: zu groß und nicht mehr zeitgemäß. Statt einer Generalsanierung mit Kosten von bis zu zwölf Millionen Euro kann sich Paulus einen Abriss und einen Neubau für die Grundschule vorstellen, für den man dann rund sieben Millionen Euro investieren müsste.

Große Hoffnungen setzen viele Bürgermeister und Schulleiter in das neue Modell "Mittelschule", das erstmals mit dem neuen Schuljahr greift. Es sieht im Kern die Aufwertung der Hauptschule vor und verspricht ein Rettungsanker für kleinere Schulen zu sein, die im Verbund länger "überleben" können, als "Einzelkämpfer" nicht mehr zu halten wären.


Die drei Schulverbünde


Drei Schulverbünde (sie sind nicht zu verwechseln mit den schon seit langem bestehenden Schulverbänden) wurden im Landkreis Haßberge gebildet: Ebern mit Maroldsweisach und Hofheim sowie zusätzlich Klassen aus Stadtlauringen im Landkreis Schweinfurt, Haßfurt mit Theres und Knetzgau sowie Eltmann mit Ebelsbach und Zeil-Sand sowie dem großen Einzugsbereich Steigerwald (die Hauptschule in Rauhenebrach musste schon vor Jahren ihre Pforten schließen).

Das Konzept: Aus den kleinen Haupt- werden größere Mittelschulen. Sie können dann ein breites Spektrum von Bildungsangeboten anbieten, von der Ganztagesschule bis hin zu einem mittleren Bildungsabschluss, der dem der Realschule gleichgestellt ist. Dabei sollen durch einen "Schüleraustausch" zwischen den einzelnen Standorten der Mittelschule auch mit weniger Kindern möglichst viele Schulen möglichst lange erhalten werden.


Theorie und Praxis


Das ist die Theorie. In der Praxis sieht Rektor Erwin Herold für ,die Schule in Knetzgau in der Mittelschule nur eine "Übergangslösung". Wolle man die Kinder tatsächlich auf Dauer nahe am Wohnort unterrichten, "dann brauchen wir eine grundlegende Reform des Schulsystems". Das aktuelle Konzept laufe darauf hinaus, die Hauptschulen an den Realschul-Standorten im Landkreis zu konzentrieren: Haßfurt, Ebern, Hofheim und Eltmann. Knetzgau würde wie die anderen Schulorte langfristig durch das Raster fallen, fürchtet Herold. "Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die Schule nicht vorzeitig aufgeben." Vielleicht öffne ja eine Schulreform im Jahr X neue Chancen auch für Knetzgau.




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