Fröhliche Eiszeit auf Sand gebaut

08.02.2012   Ort: Obertheres     Fränkischer Tag

Freizeit Um die Hoheit auf dem Eis spielt sich bei Obertheres ein kurioser Streit ab: Wintersportler haben sich über den zugefrorenen Gölzersee am Main gefreut und schon die Kufen geschliffen. Jetzt haben ihnen die Angler Sand ins Getriebe gestreut. Im wahrsten Sinn des Wortes.


Der Gölzersee am Main zwischen Obertheres und Wülflingen
Wenn auch vielen die eisigen Temperaturen der letzten Tage im wahrsten Sinne des Wortes "unter die Haut" gegangen sind, so hatten sie doch etwas Gutes. Die Eisläufer haben ihre wahre Freude daran, denn vielerorts sind die Seen zugefroren und überall tummeln sich Scharen von Schlittschuhläufer darauf.
Gefreut haben dürften sich auch viele Eislaufbegeisterte aus Obertheres und Wülflingen, die -wie seit vielen Jahrzehnten üblich- ihrer Leidenschaft stets auf dem Gölzersee, der idyllisch am Mainradweg zwischen Wülflingen und Obertheres liegt, gefrönt haben. Ihnen wurde nun jäh ein Strich durch die Rechnung gemacht und zwar in Form von dünn verstreutem Sand.

Glühwein und Bratwurst


Groß war die Enttäuschung über den versagten Eislaufgenuss vor allem in Obertheres. Dort hatten bereits Eislaufbegeisterte bei den ortsüblichen "Eis-Testern" nachgefragt, ob denn das Eis bereits tragen würde. Viele hatten sich auf eine Tour zum See gefreut um dort mit der Familie oder Freunden einige Runden auf den Kufen zu laufen. Legendär sind auch die spontan stattfindenden Eishockeyspiele zwischen Wülflingen und Obertheres. Selbst die Oberthereser Feuerwehr hatte in den letzten Jahren, an den Wochenenden an denen der See zugefroren war, einen Glühwein- und Würstelstand am Ufer errichtet und mit ihren Scheinwerfern sogar einen Nachteislauf ermöglicht, was bei vielen auf Begeisterung gestoßen war. Und so konnte man am Sonntagmittag schon mal gut und gerne weit über 100 Schlittschuhläufer auf dem See zählen.
"Wir haben uns doch nur aufs Schlittschuhfahren gefreut", zeigte sich auch der Oberthereser Michael Eisemann enttäuscht über den abgestreuten See.

Die Fische brauchen Ruhe


Doch was dem einen Freud, ist dem anderen Leid. "Die Geräusche die von den Leuten auf dem Eis mit ihren Kufen gemacht werden, dringen bis auf den Grund des Sees zu den Fischen vor und stört diese in ihrer Winterruhe", erklärte Dr. Wolfgang Silkenat von der Fischerei-Fachberatung der Regierung von Unterfranken auf Anfrage gegenüber der Heimatzeitung. Die Fische würden aufgeschreckt, geraden in eine Stresssituation die wiederum den abgesenkten Stoffwechsel animiert was dazu führt, dass mehr Energie verbraucht wird, was wiederum im Frühjahr zu großen Problemen und sogar Fischsterben führen kann.
"Das Sandstreuen ist oftmals die einzige Möglichkeit der Fischteich- und Seebesitzer gegen die vielen Schlittschuhläufer", sagt der Fachmann weiter und führt an, dass diese ja lediglich das Wohl ihrer im Herbst eingesetzten Fische im Auge hätten.

Bis zu 200 Fischleichen


Besitzer des Sees ist der Anglerverein Petri Heil Haßberge e.V. Dessen Vorsitzender Uwe Aumüller erklärte, dass es keineswegs eine Boshaftigkeit gegenüber den Schlittschuhläufern sei, dass der See mit Sand bestreut wurde. "Wir versuchen lediglich unseren Bestand zu schützen", erklärt er und berichtet weiter, dass in Jahren, in denen der See zugefroren und als Eisbahn benutzt wurde im Frühjahr bis zu 200 Fischkadaver aus dem See gefischt werden mussten. Zwar würden auch in milderen Winter einige Fische verenden, aber eben lange nicht so viele.
"Wenn wir durch die Schlittschuhläufer einen Zentner unseres Zanders verlieren, beträgt unser Schaden bis zu 1000 Euro, das weiß nur keiner", berichtet er und erklärt weiter, dass die ganz normalen Schlittschuhläufer gar nicht das Hauptproblem darstellen. Vielmehr würden die Eishockeyspieler mit ihren Klopfgeräuschen der Schläger die Fische aufscheuchen.
Ein weiteres Problem sah er in der Haftung. " Zwar weist ein Schild darauf hin, dass das Befahren des Grundstücks, womit auch der See gemeint ist, verboten ist, doch daran hält sich im Winter keiner und wenn mal einer einbricht stehen wir als Besitzer in der Verantwortung", so der Vorsitzende. Mit dem Sandstreuen wollten die Besitzer also keineswegs den Unmut der Bevölkerung auf sich ziehen, sondern lediglich ihr Eigentum und die Wintersportler vor sich selber schützen.



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