Josef Jüngling hört als Kreisbrandrat auf

31.08.2010   Von: Günter Flegel  inFranken.de

Brandschutz Der oberste Feuerwehrmann im Landkreis Haßberge tritt wegen seiner angeschlagenen Gesundheit von dem Amt zurück. Josef Jüngling war über 14 Jahre eine Konstante im Feuerwehrwesen, auf die immer und unbedingt Verlass war.


Wenn irgendjemand irgendwo im Landkreis auf den Feueralarm-Knopf drückt, schrillt wenig später bei Josef Jüngling in Haßfurt das Telefon. Der Kreisbrandrat hat in den vergangenen 14 Jahren dafür gesorgt, dass die Bürger ruhiger schlafen konnten.
Seine Bescheidenheit lässt eine Antwort auf diese Frage gar nicht zu, und es hat wohl auch niemand Statistik darüber geführt: Wie viele Menschenleben hat er wohl seit 1986 gerettet? Wie viele schlaflose Nächste verbracht? Wie oft alles stehen und liegen lassen müssen, um an einen Brandort zu eilen oder an den Schauplatz eines grauenvollen Verkehrsunfalls?

"Pflicht" und "Verantwortung". Das sind die Wörter, die am häufigsten fallen, wenn man mit Josef Jüngling in Haßfurt über seine Arbeit als Kreisbrandrat spricht. Seit 14 Jahren ist der Hauptschullehrer im Hauptberuf im Nebenamt der ranghöchste Feuerwehrmann im Landkreis, Chef über knapp 5000 Freiwillige in den 167 Ortswehren, Vorbild, Vaterfigur, oft auch Kummerkasten, der Fachmann für alles Technische - und nicht selten Helfer in der Not nicht nur für die von Feuer oder Wasser Bedrohten; sondern auch für die Helfer selbst, die angesichts von Not und Leid an ihre eigenen Grenzen stoßen.

An so eine Grenze stößt der 59-Jährige jetzt persönlich. Seine angeschlagene Gesundheit zwingt ihn, sein Amt zum 31. Dezember aufzugeben. "Schweren Herzens", wie er unserer Zeitung sagt, denn es gebe noch "einige Dinge", die er angefangen hat und gerne zu einem guten Ende hätte bringen wollen. Dazu zählen die Einrichtung einer Integrierten Leitstelle in der Region, die alle Rettungsdienste zusammenfasst, und die Einführung des Digitalfunks.


Es wird nicht leichter


"Es ist schwer, an so einem Punkt die Verantwortung in andere Hände zu legen. Aber es geht nicht anders", bedauert Jüngling seinen Schritt, der die Feuerwehrkommandanten bei ihrer nächsten Kreisversammlung im Oktober dazu zwingt, einen Nachfolger zu bestimmen. "Es wird einen nahtlosen Übergang geben. Das ist gut. Aber ich hätte gerne weiter gemacht."

Wer die Bilder von schweren Unfällen oder anderen Unglücken in der Zeitung sieht, ahnt allenfalls, was Jüngling und seine Leute bewältigen müssen, die als Erste mit dem Geschehen konfrontiert werden. Auch wenn unsere Zeitung an den Ort des Unglücks eilt, um den Unfall zu dokumentieren, ist das Schlimmste meist schon vorbei.

Wie steckt man das weg, über 14 Jahre, oft zu nachtschlafener Zeit aus dem Bett geholt? Jüngling zögert. Er spricht von den Schulungen, von der psychologischen Betreuung, von dem vielfach geprobten Ablaufplan, der beim Helfen hilft. Von der Dankbarkeit derer, denen geholfen werden konnte. Aber dennoch: "Ein dickes Fell habe ich nicht bekommen. Es wird eher schwerer, wenn man älter wird", erzählt er von der Hilflosigkeit, die auch die Helfer treffen kann. Das aber steht in keiner Statistik.




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