Die Ballonflucht endete im Regen
24.10.2009
Ort: Importartikel ![]()
Mauerfall Der DDR-Zeitzeuge Jan Hübler berichtete auf Einladung der Volkshochschule in Knetzgau von seinem Leben in Dresden. 480 Bettlaken sollten den Flugkörper für die "Republik-Flucht" bilden, doch ein Wolkenbruch ließ den Ballon zu Boden sinken.

Bürgermeister Stefan Paulus (links) und VHS-Mitarbeiter Bernard Schurig (rechts) überreichten Jan Hübler für einen spannenden Vortrag ein kleines Präsent. Foto: asc
„Aufgewachsen bin ich in einer typischen Plattensiedlung der Aufbau-Wohnungsgenossenschaft, einem so genannten AWG-Block“, meinte Hübler. Auf Bezugsschein gab’s die 50 Quadratmeter Neubauwohnung für 39,10 Ostmark. Der Vater war leitender Techniker im nahen Sachsenwerk. Gespräche über Apparate, Mechanik und Konstruktionen waren alltäglich für den jungen Jan.
Der heute 48-jährige Dresdner führte über seine 330 Ballonversuche genauestens Buch, drehte Super-8-Filme und träumte von einer Karriere als Regisseur. Die Defa-Filmhochschule Potsdam-Babelsberg lehnte ihn aber ab. Als er nicht zum Geburtstag seines Stuttgarter Onkels ausreisen durfte, war das Maß voll.
Hübler ging in den 80er Jahren daran, einen Fluchtversuch zu planen. Wer erwischt wurde, musste mit Repressalien rechnen. An der Technischen Universität Dresden hatte er seine Frau Petra kennen gelernt. „Mit einem Schuss Naivität haben wir unseren Plan zur Flucht mit einem Gas-Ballon in die Tat umgesetzt“, erzählte er. Über 60 Nähnadeln zerbrachen beim Zusammennähen von 480 Bettlaken. Drei Motoren gingen in Rauch auf. Aufgeben wollten beide nicht. Die vielen Baumwolllaken versteckten sie in der kleinen Wohnung: „Wir bauten den Bettkasten um und schliefen praktisch zwei Jahre von Latexduft umweht auf unserem Ballon.“
Denn um die Baumwolle „dicht“ zu bekommen, wurde sie mit einem stinkenden Leim-Latex-Gemisch imprägniert – immer in der Angst, entdeckt zu werden.
Der Wetterbericht der „Aktuellen Kamera“ vom 13. Oktober 1989 prognostizierte Westwind bei sechs bis neun Metern pro Sekunde. Der Tag des „letzten Ballonfluchtversuchs war gekommen“.
Dass das Unternehmen scheiterte, lag an den wolkenbruchartigen Niederschlägen, die die Leimschicht vom Tuch spülten; schwer wie Blei ging der Ballon zu Boden. Und doch war es eine Art Befreiung für das junge Ehepaar. Die beiden ließen das restliche Material verschwinden, verabschiedeten sich von ihren Angehörigen, schwangen sich auf ihr MZ-Motorrad und flüchteten am 2. November 1989 über Tschechien in den Westen.
Weitere Artikel zum Thema suchen
Kommentare
Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Kommentieren
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken.
| Benutzername |
Passwort |
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben, klicken Sie bitte hier.
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!
| gewünschter Benutzername: | ||||
| gewünschtes Passwort: | ||||
| Wiederholung Passwort: | ||||
| Email: | ||||
| Kundennummer: | ||||
| Anrede: |
|
|||
| Vorname: | ||||
| Nachname: | ||||
| Zusatz (z.B. Firma): | ||||
| Straße/Hausnr.: | ||||
| PLZ/Ort: | ||||
| Ich bin mit den AGB und der Netiquette einverstanden: | ||||
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2:







close












(15)


