Frührentner bekommt den Frust ab

01.02.2012   Ort: Haßfurt  Von: Manfred Wagner  Fränkischer Tag

Körperverletzung Weil sie im Park grundlos einen Frührentner krankenhausreif prügelten kassierten drei jugendliche Schläger Arreststrafen beim Haßfurter Amtsgericht. Die drei hatten sich wegen Körperverletzung zu verantworten.


Das Amtsgericht Haßfurt
Was sich an dem Montagabend des 1. August letzten Jahres genau abspielte, wird sich wohl nie aufklären lassen. Nach zweistündiger Verhandlung und der Aussage von sieben Zeugen aber steht fest, dass ein Frührentner von einer jugendlichen Clique verprügelt wurde.

Die Körperverletzung in diesem und einem weiteren Fall brachten zwei der Angeklagten eine einwöchige Arreststrafe ein. Ein weiterer muss für ein Wochenende hinter Gitter.

Das Opfer leidet nach eigener Aussage seit längerer Zeit unter schweren Depressionen. Wohl auch einer der Gründe, dass der Mann oft nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß und dann in den Park geht und sich in den Alkohol flüchtet. Das wiederum berechtigt niemanden, einen solch unglücklichen Zeitgenossen zu provozieren oder gar ihn zu traktieren und zu verletzen.

Mehrfache "Begegnungen"


Genau das aber, sagte der erwerbsunfähige, im nordöstlichen Bereich des Kreises lebende Mann im Zeugenstand aus, habe die Gang mehrfach gemacht. Immer nach dem gleichen Schema seien zuerst ein bis zwei Mädels vorausgeschickt worden, hätten sich neben ihn gesetzt, ihn verbal provoziert und in ein Gerangel verwickelt. Das war dann für die in der Nähe wartenden jungen Burschen das Signal zum Eingreifen.

Unter dem Vorwand, die Mädchen "retten" zu wollen, hätten die jugendlichen Schläger ihn dann herumgeschubst und verprügelt. Strafanzeige hatte er zum ersten Mal nach dem August-Drama gestellt, weil es ihm da besonders schlimm erging. Dabei hatte es ganz harmlos mit einem "Showkampf" zwischen dem Opfer und einem der Jugendlichen begonnen. Als der Ältere aber wegen seiner rutschenden Hose zu Boden ging, setzte es die ersten Fußtritte und der Rentner blutete im Gesicht.

Er rappelte sich auf, säuberte sich in einer nahen öffentlichen Toilette und machte sich zu Fuß auf zum Krankenhaus in der Kleinstadt. Auf dem Weg dahin attackierten ihn die Übermütigen nochmals, einer schubste ihn zu Boden, und wieder trat zumindest einer auf ihn ein. Die Schläge und Tritte auf Kopf und Oberkörper führten zu Prellungen, Schürfwunden und einer Gehirnerschütterung. Eine Nacht musste der Verletzte in der Klinik verbringen.

Als bei dieser Zeugenaussage einer der Angeklagten einen Vogel zeigte, platzte Staatsanwalt Dieter Brunner der Kragen, und Jugendrichter Martin Kober drohte drastische Ordnungsstrafen an. Bereits bei der Verlesung der Anklageschrift gaben sich die in offenen Lederjacken und Turnschuhen erschienenen Halbstarken im Alter zwischen 15 und 20 Jahren unbeeindruckt und kicherten kindisch.

Während sich die beiden Jüngeren noch nichts zuschulden kommen ließen, zieren bei dem 20-Jährigen bereits Einträge das Bundeszentralregister. Trotzdem wurde der Älteste des Trios in Bezug auf die Misshandlung des Mannes im Park freigesprochen, weil ihm eine aktive Rolle nicht nachzuweisen war. Eine einwöchige Arreststrafe muss er dennoch antreten, weil er bei einer anderen Gelegenheit einem Jugendlichen eine deftige Maulschelle verpasst hatte.

Ebenfalls einen Dauerarrest von einer Woche kassierte der 15-Jährige, weil er bei dem Ereignis im Park "an vorderster Front mitmischte", wie Richter Kober in seiner Urteilsbegründung ausführte. Mit einem Freizeitarrest von einem Wochenende kam der 18-Jährige noch am besten weg, weil niemand zweifelsfrei bezeugen konnte, dass er Fußtritte ausgeteilt hatte.


Drucken Artikel Versenden Abo bestellen
 

Weitere Artikel zum Thema suchen



Alternative Suche im Zeitungsarchiv
Hinweis: für Epaper-Abonnenten kostenlos


Kommentare

 
5  Kommentare  
Sortierung: 
 

Sepperla - 04.02.2012 13:29    (0)   
 

Halbstarke
Ja solche Hundskrüppel.
Aber die kommen auch mal an den richtigen.

Meckerer - 03.02.2012 19:33    (0)   
 

Lasche Gesetze....
Und immer wieder, Schuld sind unsere laschen Gesetze.
Wenn einmal ein Richter verprügelt würde, wird die Strafe warscheinlich anders ausfallen.

HansWurschd - 02.02.2012 05:11    (0)   
 

Lasch
Unsere Kuschel-Justiz hat mal wieder zugeschlagen.

Roth - 02.02.2012 09:34    (0)   
 

tatsächlich ist es ...
... viel zu lasch!!!

Auweia - 01.02.2012 22:59    (0)   
 

Unsere "Dreiviertelstarken"
werden sich im warmen Knaststübchen recht wohl fühlen. Einen "Arbeitsdienst im Freien" bei frostigen Temperaturen hielte ich für wirksamer. Dabei könnten die Herren -mit offenen Lederjacken- ihre überschüssigen Kräfte beim Pickeln und Schaufeln schnell los werden.

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Kundennummer:
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
Zusatz (z.B. Firma):
Straße/Hausnr.:
PLZ/Ort:  *
Ich bin mit den AGB einverstanden.:  *


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wieviel ist 3 x 3 : 




Nachrichten aus Ihrer Umgebung
Bad Kissingen Schweinfurt Kitzingen Haßberge Bamberg Erlangen-Höchstadt Forchheim Bayreuth Kulmbach Lichtenfels Coburg Kronach
Aktuelle Angebote

Veranstaltungen inFranken.de

Haben Sie heute schon etwas vor?
Finden Sie aus 2832 Events, Partys und Konzerten Ihre Veranstaltung:
E-Paper + Zeitungsarchiv
Die Zeitungsausgaben der letzten zwei Wochen stehen Ihnen mit dem Online-Abo jederzeit, weltweit online zur Verfügung.
Zum E-Paper

Sie suchen einen älteren Zeitungsartikel?
Zum Zeitungsarchiv