Zahl der Süchtigen in zwei Jahren verachtfacht

12.03.2010   Von: Ekkehard Roepert  inFranken.de

Glücksspiel Stephanie Rost berät für die Caritas Spielsüchtige. Sie warnt vor der Illusion, dass neue Spielhallen in Forchheim zur Sättigung des Glücksspiel-Marktes führen könnten. In dieser Richtung hatte jüngst Oberbürgermeister Franz Stumpf spekuliert.


Die Zahl der Menschen in Forchheim, die nach dem Glücksspiel süchtig sind, ist seit 2008 nochmal sprunghaft gestiegen. Foto: Josef Hofbauer
Auf keinen Fall möchte der Forchheimer Oberbürgermeister einen Textilanbieter in der Hafenstraße 2 haben. Das würde das innerstädtische Angebot gefährden, meint Franz Stumpf. Und die Gefahr scheint ihm und einigen CSU-Stadträten so groß, dass sie in der Hafenstraße stattdessen lieber fünf neue Spielhallen genehmigen würden.

Franz Stumpf und Thomas Werner (CSU) hatten im Bauausschuss sogar darüber spekuliert, die neuen Spielhallen am Stadtrand könnten zur Sättigung des Marktes führen, so dass vorhandene Hallen in der Innenstadt möglicherweise schließen.

Eine These, die allen Erfahrungen widerspricht, sagt Stephanie Rost, die für die Caritas Spielsüchtige berät. Sie verweist auf Untersuchungen der Landesstelle für Glücksspielsucht und auf Berichte der Bayerischen Akademie für Suchtfragen. Demnach gelte als bewiesen: "Mehr Spielhallen produzieren mehr Spieler."

Stephanie Rost wundert sich, dass es im Forchheimer Süden keine Alternative zwischen Textilfirmen und Spielhallen geben soll. Vielleicht könne man den Mietpreis überdenken. "Wenn ich sarkastisch wäre", sagt die Suchtberaterin, "dann würde ich mich bei der Stadt Forchheim bedanken". Fünf Spielhallen, das würde ihren Arbeitsplatz wohl langfristig sichern.

Die Halbtagsstelle von Stephanie Rost ist schon jetzt mit Arbeit überfrachtet: "Die Leute rennen einem die Türen ein." Seit Juli 2008 gibt es eine spezielle Spielsuchtberatung in Forchheim. Das zusätzliche Angebot werde offensichtlich genutzt.

Die Zahl der Spielsüchtigen, die die Beratungsstelle aufsuchen, habe sich seit 2008 "verachtfacht". Wie viele Spielsüchtige es im Landkreis Forchheim genau gibt, kann Stephanie Rost nicht sagen; denn viele suchen Beratungsstellen in Erlangen, Nürnberg oder Bamberg auf, wegen der Anonymität. Umgekehrt berate auch sie Spieler aus den anliegenden Regionen des Landkreises. Fest steht: Mindestens 30 Menschen kämen jährlich neu zur Suchtberatung. Das sei nur "ein Bruchteil der tatsächlich Süchtigen", die meisten suchten keine Therapie.
Im Vergleich zu früher seien die Spieler deutlich "jünger" geworden, sagt Stephanie Rost, die heute größtenteils junge Frauen und Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren berät. Die meisten sind abhängig vom Automatenspiel in der Spielhalle, einzelne von Sportwetten und (Online-) Poker. "Für viele junge Leute scheint die Spielhalle eine ideale Ergänzung des Freizeitangebotes zu sein."

Die Beraterin der Caritas vergleicht die Glücksspiel- mit der Alkoholsucht. So wie es Anonyme Alkoholiker gibt, haben sich längst auch "Gruppen für anonyme Spieler" (Gamblers Anonymous) gegründet. In Forchheim allerdings noch nicht, die nächsten Gruppen sind in Bamberg und Nürnberg.

Stephanie Rost beschreibt Spielsüchtige als Menschen, die von der "Illusion der Kontrolle" getrieben würden. Der Schaden, den sie hinterlassen, ist immens. Manche Spielsüchtige vermeiden es zwar von Freunden Geld zu leihen, nehmen jedoch Kredite auf und sind in der Regel verschuldet, weiß Stephanie Rost. Sie kennt Fälle, wo die Schulden im sechsstelligen Bereich liegen. "Im Schnitt" haben diejenigen, die in die Beratung kommen, "Schulden in vier- bis fünfstelliger Höhe".

"Großes Leid", betont Stephanie Rost, "erfahren auch Angehörige von Spielsüchtigen". Sie würden in Forchheim in der Birkenfelderstraße ebenfalls beraten: "Vor allem Partner, Familien und Eltern leiden unter der Glücksspielsucht, wenn es dem Spieler nur noch darum geht, zocken zu gehen, um jeden Preis, egal was auf dem Spiel steht."



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