Der Trick heißt dichte Unterwolle

02.02.2012   Ort: Hundshaupten  Von: Pauline Lindner  Fränkischer Tag

Kälte Den Tieren im Wildpark Hundshaupten (Kreis Forchheim) machen die Minusgrade nicht viel aus. Im Gegenteil, etliche von ihnen fühlen sich pudelwohl.


Cool und locker: die Gams. Fotos: Michael Memmel
"Das ist aber ein Winzling, friert das Lämmchen nicht?", schießt den Besuchern im Wildpark Hundshaupten gewiss durch den Kopf, sehen sie das kleine Coburger-Fuchs-Lamm neben seiner Mutter im Freigehege herumtollen. Noch erstaunter wären sie, wüssten sie seinen Geburtstag.

Der war am Mittwoch. Und schon weniger als 24 Stunden nach seiner Geburt folgte es seiner Mutter ins Freie. Es hat nun mal ein schönes rötliches Fell, das wärmt.

Ausnahmeerscheinung? So sieht das die Zoologin Karola Wendschuh nicht, auch wenn sie in die Unterkünfte mit neugeborenen Tieren zumeist eine Infrarotlampe hängt. "Nur die Meerschweinchen haben wir zurzeit in der Garage untergebracht", sagt die Parkleiterin zu möglichen Kälteschutzaktionen.

"Sie sind daran gewöhnt"


Die Streichellieblinge vieler Kinder stammen nun mal aus dem tropischen Südamerika und leben auch als Zoo- und Haustiere bei uns nur selten im Freien. Tropisch warm ist auch die Heimat der Hängebauchschweinchen, werden sie doch in Südostasien als Nutztiere gehalten. Behaart sind sie im Gegensatz zum heimischen Wildschein kaum; vereinzelt ein paar starre Borsten und eine dicke Schwarte, das war's.

"Unsere Tier hier sind Zootiere, die in Mitteleuropa aufgewachsen sind. Sie sind daran gewöhnt." Allerdings erhalten die Schweine - wie alle anderen Schützlinge von Wendschuh auch - derzeit energiereicheres Futter. Damit sie Kalorien zum Verbrennen haben. In Ställe und Unterstände haben die Mitarbeiter des Wildparks große Mengen Heu gepackt, damit sich die Tiere Kuschelnester bauen können. Den Marderhunden kommt das sehr gelegen, so haben sie es recht bequem in ihrer Höhle, in die sie sich zur Winterruhe zurückgezogen haben.

Reduzierter Stoffwechsel


"Das ist noch kein Winterschlaf, aber sie bewegen sich sehr wenig und ihr Stoffwechsel ist runtergefahren", beschreibt Wendschuh den Unterschied. Wie der Name schon sagt, sehen diese Caniden wie eine Kreuzung zwischen Hund und Marder oder Kleinbären aus. Sie stammen ursprünglich aus dem südlichen Sibirien und sie sind inzwischen auch nach Mitteleuropa eingewandert. Aus ihrer Heimat aber haben sie ihr Winterschutzverhalten mitgebracht.

Anpassung


Die Rentiere und Elche oder auch die Gämsen im Wildpark haben auch die Schutzmuster ihrer nordländischen bzw. alpinen Heimat behalten. Besonders dichte Unterwolle, heißt ihr Überlebensgeheimnis. "Sie fühlen sich jetzt pudelwohl", sagt Wendschuh. "Die Luft zwischen den Wollfasern, die hält warm", ergänzt sie noch, gewissermaßen als Tipp für Menschen, die auch jetzt draußen nicht frieren wollen. Als Anpassung an die Regionen um den Polarkreis verfügen Elch und Ren über spreizbare Klauen.

Können sie dadurch besser auf Schnee laufen? Das geht auch mit starren Hufen gut, klärt die Zoologin auf. Aber im Frühjahr und in moorigem Gelände sind sie von Vorteil. Die Wölfe und die Luchse, die "Highlights des Parks" (Wendschuh), sie kommen bestens mit den derzeitigen Temperaturen zurecht. Die gestern Vormittag in Hundshaupten gemessenen -8,8 Grad liegen durchaus im Temperaturrahmen des mitteleuropäischen Hochwinters. Da sind wir Menschen mehr irritiert als die Tiere. Einigen von ihnen dürfte es in den frostfreien Januarnächten eher zu warm gewesen sein in ihrer Wolle.



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