Schwan in Eisnot

08.02.2012   Ort: Forchheim  Von: Alexander Abel und Carina Mehlis  Fränkischer Tag

Tierdrama Der Vogel saß auf dem Karnbaum-Weiher im Eis fest. Das Technische Hilfswerk (THW) Forchheim rettete das verunglückte Tier - vorerst.


Bergungstaucher des THW Forchheim befreien den Schwan aus dem Eis. Foto: privat
Forchheim — Eine glänzende Eisschicht bedeckte die Wasseroberfläche der Karnbaum-Weiher am Samstagnachmittag. Auf einem der Weiher, etwa vier Meter vom Ufer entfernt, saß mit stolz gerecktem Hals ein junger Schwan in der eisigen Kälte - und kam nicht mehr weg. Er war im Eis festgefroren.
Peter Weizenfelder und seine Kollegen des THW Forchheim hielten etwa fünf Kilometer entfernt eine Eistauchübung ab, als sie der Notruf des Tierschutzvereins erreichte. An Absturzsicherungen und Leitern, die sie auf dem Eis vor sich her schoben, arbeiteten sich die Bergungstaucher Schritt für Schritt zu dem Unglückstier vor. Die Leitern dienten dazu, das Körpergewicht der Helfer auf dem nicht tragfähigen Eis zu verteilen, um nicht einzubrechen. "Für uns war es in diesem Jahr der erste Schwan, den wir aus dem Eis retten sollten, in der Vergangenheit kam das aber schon öfter vor", sagte Weizenfelder, der den Einsatz leitete.
Auch bei Gunter Brokt vom Landesbund für Vogelschutz Forchheim melden sich dieser Tage vermehrt Bürger, die in Sorge um die Schwäne sind. "Wir kriegen lauter Anrufe. Ein Schwan ist in Not und wir sollen ihn rausholen. Das ist aber nicht so leicht", sagt er.

Ein festgefrorener Schwan ist derzeit keine Seltenheit. Die niedrigen Temperaturen schwächen die Tiere, außerdem erschwert die Kälte die Nahrungssuche, das Futterangebot ist gering. "Das schlägt auf die Gesundheit", weiß Marianne Wende, Leiterin des Forchheimer Tierheims. "Wenn der Schwan krank ist, hat er einfach keine Kraft mehr, um sich vom Eis zu bewegen und friert fest", sagt sie.
Aber nicht jeder Schwan, der auf dem Eis sitzt, muss dort festgefroren sein: "Werfen Sie einfach einen Stock oder ein Steinchen in seine Richtung. In der Regel fliegt er dann weg", rät Marianne Wende. Sollte er sitzen bleiben, solle man bitte den Tierschutz informieren.

Strapazen nicht überlebt


Auch andere Vögel haben mit den Minusgraden zu kämpfen. Gunter Brokt liefert dafür eine einfache Erklärung: "Die, die halt hier bleiben, bekommen Probleme, wenn die Kälte zunimmt."
Betroffen seien dabei speziell die Finkenvögel. Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz Forchheim hatte bei einem Spaziergang festgestellt, dass auch die Amseln gesundheitlich nicht stabil sind. "Die Vögel müssen an einem Virus erkrankt sein", sagt er. Für andere Kleintiere wie Mäuse und Ratten sei die Kälte jedoch kein Problem.

Der junge Schwan auf dem Karnbaum-Weiher machte es seinen Rettern nicht leicht. Als sich ihm einer der Bergungstaucher nähern wollte, bekam er Panik. Um vor der vermeintlichen Bedrohung wegfliegen zu können, nahm er seine letzten Kräfte zusammen und schaffte es, sich aus dem Eis zu befreien. Er floh nun flatternd vor seinen Rettern quer über den zugefrorenen Weiher. Zwei der Helfer folgten ihm.
So gelang es, den Vogel an den Rand des Weihers zu treiben, wo er von einem Mitarbeiter des Tierheims empfangen, und später auf Stroh gebettet wurde. "Wir haben ihn sogar mit Rotlicht bestrahlt. Trotzdem war der Jungschwan leider krank und durch die Kälte und fehlendes Futter zu sehr geschwächt", sagt Wende. "Er hat die Strapazen nicht überlebt."


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