Mauer statt Tanz um die Linde
03.02.2012
Ort: Forchheim Von: Ekkehard Roepert ![]()
Streit Die Kersbacher Linde wird eingemauert, beklagt FW-Stadtrat Ludwig Preusch. Das Gartenamt hält den Bau der Schutzmauer für angemessen.
Vor sieben Jahren investierte der Landkreis noch 10 000 Euro, um die Linde in Kersbach zu sanieren. Denn sie gilt als Naturdenkmal, sagt Ernst Deutsch. Er ist am Landratsamt für Landschaftspflege und Gartenkultur zuständig.
Ihr Alter sei nicht klar bestimmbar. Die Dorflinde in Kersbach sei 100, die in Effeltrich 1000 Jahre alt, so werde behauptet. Doch Ernst Deutsch vermutet, "dass die Kersbacher älter und die Effeltricher bei weitem nicht so alt ist".
Wie auch immer: Der Kersbacher Baum ist ein Naturdenkmal, weil er veranschaulicht, wie in alten Zeiten Linden kultiviert wurden: Die Äste wurden in die Breite und nach unten gezogen, um besser an die einjährigen Schösser heranzukommen. Aus den Reisern, erläutert Ernst Deutsch, " wurde dann Bast für die Baumschulen gewonnen". Mit diesem Bast wurden die Veredelungsstellen der Obstbäume umwickelt.
"Eine glatte Sechs"
Ludwig Preusch, der auch den Kersbacher Gartenfreunden vorsitzt, sind vor allem die Ausmaße der neuen Mauer ein Dorn im Auge. "Die Stützen sind 1,2 Meter breit und erreichen damit den Stammdurchmesser des Baumes." Müsste er "Hilfskonstruktion" gestalterisch benoten, sagt Preusch, dann würde er ihr "eine glatte Sechs geben, weil die Konstruktion den Baum völlig in den Hintergrund drängt".
Auch aus Sicht von Ernst Deutsch ist die Ästhetik der Mauer fraglich. "Was will man hier eingrenzen?", fragt Deutsch. "Der Baum braucht die Eingrenzung jedenfalls nicht." Um die empfindlichen Wurzelanläufe zu schützen, hätte es ein Mäuerchen nach Effel tricher Vorbild auch getan, meint der Biologe vom Amt.
Zudem kritisiert Ludwig Preusch, dass "bei einem fränkischen Naturdenkmal chinesischer Granit für die Stützmauer verwendet wird". Ein "heimischer Stein" oder "eine Holzkonstruktion" sei hier angebracht. "Die bei Tanzlinden häufig verwendete Holzkonstruktion wäre sicher nicht teurer gekommen", moniert der FW-Stadtrat. Gärtnermeister Andreas Geck vom Forchheimer Stadtgartenamt kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Alles war marode".
Nachdem die Kalksteinmauer vor drei Jahren dann durch einen Unfall zusätzlich ramponiert wurde und "alle Sockel beschädigt waren", wäre eine Sanierung "teurer gekommen, als der Neubau," führt Andreas Geck aus.
Die Mauer sei nach Vorgabe eines Bausachverständigen errichtet. Auch ein Baum-Experte sei gehört worden. Der Granit komme aus China, das sei nun mal bei fast allen Granitsorten so, sagt Andreas Geck. Sandstein wäre jedenfalls zu teuer gewesen und der ursprüngliche verwendete Kalk sei völlig unbrauchbar - "der ist, im Gegensatz zum Granit, nicht frostbeständig".
15 000 Euro investiert die Stadt in das Kersbacher Baumprojekt. Die Fläche rund um den Baum soll nicht begehbar sein, sagt Andreas Geck und die derzeit noch provisorisch gestützten Äste werden künftig durch Eichenpfosten abgestützt.
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Kommentare
Neue Mauern braucht das Land
Macht sich gut die Mauer. Passt gut zu dem Stadtteil. Es richt nach Bohnerwachs und Spießigkeit.
Denen Kerschbacher
konn man wohl nix recht machen. Erinnerung: Gewebegebiet? Nur motzen...
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