Historische Grabhügel werden ausgeraubt

27.08.2010     inFranken.de

Geschichte Der Forchheimer Kreisheimatpfleger für Bodendenkmäler bittet die Bevölkerung um Hilfe: In ganz Bayern werden schätzungsweise jährlich 1,2 Millionen Objekte illegal aus dem Boden geholt. Vor allem die Aufmerksamkeit der Bevölkerung soll die Grabhügel in Zukunft vor Grabungen schützen.


Der Kreisheimatpfleger Manfred Geyer mit der Nachbildung einer Schale aus der Zeit um 400 v. Chr. Foto: dh
Mit einem Appell an die Bevölkerung will der Kreisheimatpfleger für Bodendenkmäler, Manfred Geyer, die historischen Gräberfelder in der Umgebung vor Raubgrabungen schützen. Denn Bodendenkmäler, das sind vor allem Grabhügel, deren zahlreiche Grabbeigaben die Aufmerksamkeit von Raubgräbern auf sich ziehen.

Unbegründet sind seine Sorgen nicht, denn die Zahl von Raubgrabungen in Bayern ist erschreckend hoch: Laut Andreas Büttner, dem stellvertretenden Leiter des Referats Bodendenkmalpflege in Oberfranken, werden pro Jahr schätzungsweise 1,2 Millionen Objekte durch illegale Grabungen in Bayern zu Tage gebracht. Genaue Zahlen gibt es dazu kaum, denn zahlreiche illegale Grabungen werden gar nicht erst entdeckt, wie Büttner berichtet: "Die schütten ihre Löcher einfach wieder zu und oder decken sie mit Ästen ab."

Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Kreis Forchheim besonders reich an Bodendenkmälern ist, die die Denkmalschützer kaum alle gleichzeitig überwachen können.

Deswegen hoffen Manfred Geyer und Andreas Büttner besonders auf die Mithilfe der Bevölkerung. Manfred Geyer sagt dazu: "Mir geht es darum, die Bevölkerung aufmerksam zu machen. Schließlich wollen die Wanderer ja auch eine saubere Landschaft. Wenn da jemand einen Grabräuber bei der Arbeit sieht und schleicht sich davon, dann kann derjenige auch die Polizei rufen."


Besser gleich die Polizei rufen


Vor einem direkten Kontakt mit den Grabräubern müssen Büttner und Geyer allerdings warnen. Büttner kann von gewalttätigen Gräbern berichten, die auf einen Bauern losgingen, der sie bei der Arbeit auf seinem Acker fotografieren wollte. Er rät: "Am besten gar nicht an die Leute ran gehen, sondern gleich die Polizei rufen." Auch von falschen Ausweisen sollte man sich nicht täuschen lassen, wie Büttner berichtet: "Da haben wir bei Hausdurchsuchungen schon die tollsten Fälschungen sichergestellt." Manfred Geyer bestätigt: "Egal was die sagen, es gibt definitiv keine Grabegenehmigungen für Sondengänger."


Verurteilungen kaum zu erreichen


Einen Sondengänger für sein Vergehen zu belangen ist für die zuständigen Stellen sehr schwierig, wie Büttner beschreibt: "Es reicht nicht, einen Sondengänger mit Erde an der Schaufel im Wald zu erwischen. Man muss sie praktisch auf frischer Tat erwischen und ein Bild oder ein Video machen." Solche Beweise sind natürlich schwer zu erbringen. Obwohl hin und wieder ein Erfolg möglich ist und ein Raubgräber verurteilt wird, ist die Arbeit für Andreas Büttner "schwierig und frustrierend."

Allein in im Landkreis Forchheim leben nach Büttners Informationen 22 aktenkundige Sondengänger, 286 sind hier bereits aufgefallen. Da kann es für einen einzelnen Kreisheimatpfleger ohne die Hilfe der Bevölkerung schon mal schwierig werden, alle Bodendenkmäler im Landkreis zu schützen.




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