Medikamente im Forchheimer Trinkwasser

04.05.2010   Von: Nikolas Pelke  inFranken.de

Messungen  In Ebermannstadt und Forchheim wurden geringe Rückstände von Medikamenten im Trinkwasser gefunden. Heinz Marquart vom CSU-Arbeitskreis Umwelt fordert ein Umdenken. Der renommierte Professor Fritz Sörgel hat die Messungen mit den derzeit wohl empfindlichsten Geräten durchgeführt.


Wasser aus dem Hahn kann man weiter in Ebermannstadt und Forchheim unbedenklich genießen. Foto: JH
Was braucht der Mensch wie die Luft zum Atmen? Wasser - und das am Besten rein und sauber. Jetzt hat eine Studie ergeben, dass sich auch in unserem Trinkwasser in Ebermannstadt und Forchheim neuerdings geringste Rückstände von Medikamenten nachweisen lassen.

"Wir wollen unser Wasser nicht schlecht reden", verteidigt sich beinahe Heinz Marquart, der mit seinen Mitstreitern vom CSU-Arbeitskreis Umwelt die wissenschaftliche Untersuchung beim renommierten Institut von Professor Fritz Sörgel in Heroldsberg bei Nürnberg privat in Auftrag gegeben hat. Freilich mache man sich mit dem Thema nicht überall Freunde, gibt Marquart unumwunden zu. Allerdings könne die Politik nur Kraft für mutige Entscheidungen aus einer kritischen Debatte in der Öffentlichkeit schöpfen. Deswegen will der 63-Jährige auch dieser "hochbrisanten Geschichte" nicht aus dem Weg gehen. Derzeit werde das Thema leider insbesondere im Bayerischen Umweltministerium stiefmütterlich behandelt. Mit Blick auf die Zukunft stellt Marquart deshalb klar: "Man darf nicht einfach weiter Antibiotika in die Umwelt entlassen, zumal es mittlerweile neue Verfahren gibt, die diese endokrinen Stoffe im Wasser unschädlich machen können", betont der engagierte Umweltpolitiker. Etwa fünf Euro pro Jahr müsste jeder Verbraucher jährlich zusätzlich berappen, damit die Kläranlagen mit neuen Verfahren zur Beseitigung dieser Rückstände wie beispielsweise "Aktivkohleanlagen" ausgerüstet werden könnten.

"Die Ebermannstädter und Forchheimer können ihr Wasser weiter bedenkenlos aus dem Hahn trinken", vermeidet auch Professor Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung, jede Panikmache. Mit 0,6 (Forchheim) bzw. 0,5 (Ebermannstadt) Nanogramm pro Liter konnte im Trinkwasser das Antiepileptikum Carbamazepin auch nur knapp über der Bestimmungsgrenze nachgewiesen werden. Ein Mikrogramm pro Liter gilt hier derzeit als unbedenklich; liegt also noch weit vom festgestellten Wert entfernt. Rückstände eines Antibiotikums konnte nur in Ebermannstadt mit 1,3 Nanogramm ebenfalls in geringer Dosis nachgewiesen werden. Gesetzliche Grenzwerte gibt es für Rückstände von Medikamenten im Trinkwasser derzeit noch nicht.

Das beliebte weil gut verträgliche Schmerzmittel Ibuprofen kann man allerdings jeweils gleich mit rund sieben Nanogramm pro Liter im Trinkwasser nachweisen.

Jürgen Fiedler, Chef der Stadtwerke Ebermannstadt, hat trotz dieser relativ geringen Mengen umgehend das

Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen um eine Bewertung gebeten.

Die im untersuchten Trinkwasser festgestellten Konzentrationen von Arzneimittelrückständen, die knapp über der Nachweisgrenze modernster Analyseverfahren liegen, sind demnach auch beim täglichen lebenslangen Trinken für die Verbraucher ohne Bedenken zu genießen.

Trotzdem sieht Professor Sörgel die Politik langfristig in der Pflicht. "Auf Dauer können wir unsere Umwelt nicht mit nichtabbaubaren Stoffen zukleistern", betont der Experte weiter, der auch die Gefahren der Resistenzbildung im Auge hat. Sörgel will die Politik jetzt zum Handeln überreden, bevor es in 50 Jahren vielleicht zu spät ist. Insbesondere Kliniken sollten in naher Zukunft beispielsweise ihre Abwässer mit den neuen und leider auch teuren Verfahren von Medikamentenrückständen restlos befreien. Bettina Liebisch von der St. Anna-Apotheke in Forchheim fordert in diesem Zusammenhang generell einen vernünftigen Umgang mit Medikamenten. Alte Arzneien sollten auf jeden Fall bei der Apotheke zurückgegeben werden.




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