"Freischütz" modern

22.11.2010   Von: Pauline Lindner  Fränkischer Tag

Kultur Eine Adaption des klassischen "Freischütz"-Sujets brachten Rainer Streng und Ingo Behrens auf die Bühne des Jungen Theaters. Auch in Forchheim bringt seine Liebe zu Kätchen Wilhelm dazu, den verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel zu schließen.


Freischütz Wilhelm kämpft um seine Entscheidung: der Teufel (Katja Gäbelein) bietet ihm einen Pakt an
Sie wollten es nicht verraten, Regisseur Rainer Streng und Chorleiter Ingo Behrens, in welches Genre von Theater und Musikdarbietung ihre gemeinsame Produktion "Freischütz oder The Tragic Story of the Magic Bullets" einzuordnen sei. Nach der Premiere im Jungen Theater Forchheim muss man sagen: Es war eine Tragödie, die von der ersten Minute an in den Bann schlug, als der Chor - gewandet in antiker Manier - den ersten Chorsatz anstimmte, nachdem der Tod (Klaus Hellmerich) den Vorhang geöffnet hatte.
"Mesmerized" - der englische Begriff (der sich von dem französischen Arzt Messmer ableitet, der im 19. Jahrhundert Personen durch geistige Kräfte ihres Willens beraubte) schien einer zweisprachigen Besucherin das geeignete Wort, ihre Empfindungen auszudrücken. Sie hat keinen Augenblick nur Bühne gesehen, während sich in knappen, teilweise pantomimischen Szenen das bekannte Geschehen um den Jäger Wilhelm (Daniel Scholz) aufbaute. Der junge Mann muss, um Kätchen (Tamara Weinkauf) zu ehelichen, einen Probeschuss abgeben.
Dafür bietet ihm der Teufel (herrlich verrucht Katja Gäbelein) einen Pakt: Alle Kugeln treffen ihr Ziel, bis auf eine, deren Ziel er sich selbst vorbehalten hat.
Als romantische Oper hat Carl Maria von Weber das uralte Sujet vertont. Dominierend waren in der Forchheimer Inszenierung aber die Melodien, die Tom Waits fand. Mit deutlichen Wurzeln im Jazz, schuf Behrens aus ihnen sehr anspruchsvolle, den Chor stimmlich wie sprachlich fordernde Sätze. Besonders gelungen war seine Adaption des Dialektsongs des österreichischen Liedermachers Ludwig Hirsch.
Er leitete akustisch zum weichen Stil Webers über, kündigte aber gleichzeitig die sich anbahnende Tragödie an. Dass nicht Webers versöhnliches Ende zu erwarten war, dafür trugen schon die - wiederum an antike Ideen angelehnten - maskenhaft geschminkten Gesichter aller Protagonisten bei.
Ein köstlicher Querschlag war der Auftritt Horst Vogels als Vater. Gekleidet in einen abgeschabten grünen Mantel, trug er mit stoischer Miene in breitem Fränkisch seinen Text vor.


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