"Der Unfriede ist kein Problem von O2"

30.06.2010   Von: Michael Busch  inFranken.de

Montagsdemo Die Eltersdorfer Bürger gehen weiter gegen den bereits errichteten Mobilfunkmast auf die Straße. Der Sprecher des Mobilfunkunternehmens, Thomas Lichtenberger, verärgert die Bürger durch provokante Äußerungen.


Auch der Bayerische Rundfunk interessierte sich für die Eltersdorfer Belange. Fotos: Michael Busch
Die Reaktionen der Eltersdorfer waren einstimmig: "Kalt - Eiskalt." Aber auch Begriffe, wie "Menschenverachtend" und "Typisch Wirtschaftsunternehmen" fielen. Gemünzt waren die Bemerkungen auf die Aussage des O2-Sprechers Thomas Lichtenberger, der bei der dritten Montagsdemonstration der Eltersorfer Mobilfunkgegner vor Ort war.

Auf den Hinweis, dass der Mast im Erlanger Ortsteil Unfrieden stifte, gesunde Strukturen angreife und nicht nur "strahlungstechnisch" ein Problem sei, antwortete der ungerührt: "Das ist Ihr Problem, nicht das von O2." Angesichts der Eigenwerbung des Mobilfunkunternehmens empfinden die Bürger dies als Hohn, als reine Provokation. Das Unternehmen schreibt im Internet zu den Gründen O2 als Anbieter zu wählen: "O2 bietet Ihnen innovative Produkte, hochwertige Handys zu günstigen Preisen, persönlichen Service, höchste Qualität und gesellschaftliches Engagement."

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"Auch die Angst vor der Strahlung kann krankmachen!"

Dr. Peter Lederer
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"Dieses gesellschaftliche Engagement äußert sich wohl in der Art und Weise, wie uns Bürgern gegenüber aufgetreten wird", erklären die Sprecher der Bürgerinitiative. Diese hatte am vergangenen Montag zur dritten Montagsdemonstration aufgerufen. Ausnahmsweise um 17.30 Uhr statt um 18.30 Uhr. Denn auch der Bayerische Rundfunk interessierte sich für das Geschehen in Eltersdorf. Mit einer Live-Schaltung berichteten die BRler von den Bürgern, die sich nicht alles gefallen lassen wollen und den Kampf "David gegen Goliath" weiter ausfechten wollen.

Und auch die Stadt merkt, dass die Eltersdorfer sich wehren. Der CSU-Stadtrat Stefan Rohmer wurde entsandt, um die Lage vor Ort zu erkunden. Ebenfalls anwesend waren die Räte Sonja Brandenstein-Massanneck (CSU), Frank Höppel (ödp) und zum zweiten Mal der SPD-Rat Norbert Schulz . Die Stadt, so der Sprecher der Bürgerinitiative Willi Merz, habe immer wieder darauf hingewiesen, dass sie in Bezug auf solche Masten keine Einflussmöglichkeiten habe. "Das ist so nicht richtig", erklärte Merz selbstbewusst. Ein beauftragter Anwalt habe eine Liste erstellt, die der Stadt aufzeige, dass sie sehr wohl reagieren könne und nicht alles hinnehmen müsse.


Gute Funkqualität


Unterstrichen wurde die Forderung der Dorfgemeinschaft und den über 400 Demonstranten mit einer Luftballonaktion. An den gestarteten Ballons hängen Informationszettel, die auf die Situation in Eltersdorf aufmerksam machen sollen.

Der Mobilfunkvertreter sah dem Treiben allerdings ungerührt zu. Er könne es zwar verstehen, dass die Menschen gegen den Mast seien. Das liege aber daran, dass sie unaufgeklärt sind. "Wir haben lange über einen Standort diskutiert und dieser Standort ist das Ergebnis dieser Vorarbeit", so Thomas Lichtenberger. Denn der alte Mast aus dem Gewerbegebiet musste weichen, da das dortige Gebäude abgerissen wurde. Dass die Neupositionierung nur aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt sei, wies der Experte weit von sich. "Wir erreichen hier eine höhere Qualität." Zumal die höchste Belastung letztlich sowieso am Endgerät, sprich dem Handy auftrete.

Über diese Bemerkung mochten die Umstehenden nur schmunzeln, und Lichtenberger ließ die Frage unbeantwortet im Raum stehen, dass ein Handy in den seltensten Fällen 24 Stunden am Ohr des Nutzers "klebe". Der Mast sende aber 365 Tage im Jahr - und das 24 Stunden lang. Gut 30 Standorte habe O2 in der Vergangenheit in der näheren Umgebung gesetzt - und nie habe es Probleme gegeben.


Experten schweigen


Das Ansinnen einen anderen Standort zu finden, lehnte Lichtenberger für sein Unternehmen ab: "Dieser Funkmast wird dort bleiben!" Er warf den Demonstranten vor, sich zu wenig mit der Materie zu beschäftigen. Alle möglichen Untersuchungen hätten ergeben, dass die Strahlenbelastungen keinerlei Auswirkungen auf den Menschen hätten.

Der Fränkische Tag hat bei der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen nachgefragt, ob sich ein Mediziner oder ein Wissenschaftler finde, der die Aussage treffen kann: "Mobilfunkstrahlung ist absolut ungefährlich und macht nicht krank." Das Ergebnis der sehr intensiven Suche: Es gibt keinen, der das macht.

Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), empfahl bereits im Jahr 2001: "Ich halte es für notwendig, Standorte zu vermeiden, die bei Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern zu erhöhten Feldern führen - Eltern sollten ihre Kinder möglichst von dieser Technologie (dem Mobilfunk) fernhalten."

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Peter Lederer, sieht einen weiteren Faktor: "Auch wenn die Strahlung vielleicht nicht krankmacht, die Angst davor kann allerdings krankmachen."

Argumente, die für Lichtenberger offensichtlich nicht zählen. Das Unternehmen beharrt auf den Runden Tisch in Erlangen und das es sich konform verhalten habe. Die Ängste der Bürger und deren Wille im eigenen Dorf spielen keine Rolle für das Kommunikationsunternehmen.





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