Nackte in Erlanger Kirche sorgt für Streit
12.03.2010
![]()
Pornografie? Empörung in der Herz-Jesu-Kirche. Ein Künstler hat dort Bilder über die sieben Todsünden ausgestellt. Das Kunstwerk "Wollust" ist vielen Kirchgängern zu offenherzig. Einen Teilerfolg haben die Gläubigen bereits erreicht.
Während der Sonntagsgottesdienste soll das Kunstwerk verhüllt werden. "Wir wollen denen unseren Respekt bekunden, die sich in ihren Gefühlen verletzt fühlen", sagt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Klaus Koschinsky.Das Werk ist Teil einer Serie von sieben drastischen Bildern des Nürnberger Künstler Béla Faragó, in denen er die sieben Todsünden darstellt: Hochmut, Geiz, Zorn, Völlerei, Neid, Faulheit und Wollust. Pfarrer Wolfgang Döll hat die Ausstellung für vier Wochen in seine Kirche geholt, um die Gläubigen während der Fastenzeit zum Nachdenken über sich selbst anzuregen."Wenn man in der Kirche die Sünden nicht mehr zeigen kann, wo denn dann?", fragt der Geistliche. Er steht zu der Ausstellung, muss sich aber neben viel Zuspruch auch heftige Anfeindungen gefallen lassen. "Pornografie", "einfach scheußlich", "hässlich und ordinär" - so lauten Kommentare im Gästebuch der Kirche. Besonders regen sich die Gegner darüber auf, dass die Ministranten im Gottesdienst von ihrem Platz aus genau auf das Bild schauen. "Das kann 16-Jährigen nicht zugemutet werden", empört sich die Wortführerin des Protestes, die 62-jährige Marianne Schröppel. Sie hat kürzlich sogar zur Selbsthilfe gegriffen und das Bild in einer eigenmächtigen Aktion vorübergehend abgehängt. Nun wird heftig gestritten, ob die Nackte tatsächlich eine Gefahr für junge Menschen ist. Die Skandale um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen machen die Diskussion nicht leichter. Der Organisator der Ausstellung, Pastoralreferent Martin Förster, hat deshalb sogar Rat bei Jugendpsychiatern gesucht. "Das Bild hat keine schädliche Wirkung auf die psychosexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen", versichert Förster. Auch der Pfarrgemeinderats- Vorsitzende Koschinsky weist den Vorwurf Kinder gefährdender Pornografie entschieden zurück. "Kinder sehen in den Bildern nicht das, was die Fantasie von Erwachsenen entdeckt", meint er.Dennoch bleibt die Kirchengemeinde gespalten. Auch bei einer Diskussion am Donnerstagabend gingen die Meinungen weit auseinander: "Pornografisch und obszön", schimpft eine Frau, und eine andere wertet das Bild als Beleg für die Frauenfeindlichkeit der Kirche. Andere Teilnehmer machen sich für die Ausstellung stark und verweisen darauf, dass es viele Darstellungen von Nackten in den Kirchen gibt - bis hin zu Michelangelos Fresko "Das Jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. "Da müsste man viele Bilder und Skulpturen verhüllen oder entfernen", meint ein Mann. Der Künstler Béla Faragó hat sich zu der Diskussion bisher nicht geäußert. "Er ist erschüttert", sagt sein Galerist Jan Thorleiv Bunsen, dem das Bild gehört. Bunsen denkt nun darüber nach, mit den "Todsünden" eine Wanderausstellung für interessierte Kirchengemeinden zu konzipieren. "Man sieht ja - Kunst wirkt", sagt der Galerist.
Weitere Artikel zum Thema suchen
Kommentare
Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Kommentieren
| Benutzername |
Passwort |
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben, klicken Sie bitte hier.
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!
| gewünschter Benutzername: | ||||
| gewünschtes Passwort: | ||||
| Wiederholung Passwort: | ||||
| Email: | ||||
| Kundennummer: | ||||
| Anrede: |
|
|||
| Vorname: | ||||
| Nachname: | ||||
| Zusatz (z.B. Firma): | ||||
| Straße/Hausnr.: | ||||
| PLZ/Ort: | ||||
| Ich bin mit den AGB und der Netiquette einverstanden: | ||||








close













(2)




eraffe
Facebook
Twitter