Die Aurach klopfte schon an die Tür

10.01.2011   Von: Bernhard Panzer  Fränkischer Tag

Hochwasser  Die Lenzenmühle bei Falkendorf war durch das Aurach-Hochwasser kurzzeitig nicht mehr zu erreichen. Mühlenbesitzer Peter Ortegel rechnet damit, dass der Winter noch weitere Überraschungen mit sich bringt.


Peter Ortegel vor der Lenzenmühle. Auch wenn sich die Aurach zurückgezogen hat, so sind doch weitere Regenfälle angekündigt. Foto: Bernhard Panzer
Ein paar Zentimeter haben noch gefehlt, und das Wasser hätte die Eingangsstufen zum Wohnhaus der Lenzenmühle überstiegen. Am Samstag war der kritische Tag für das direkt an der Aurach gelegene historische Gehöft. Dann zog sich das Wasser schnell wieder zurück. Doch an eine dauerhafte Entspannung will Besitzer Peter Ortegel noch nicht glauben. "Der Winter ist noch lang", sagt der 67-Jährige im FT-Gespräch.
Schon im Herbst habe er geahnt, dass der Winter Hochwasser bringen würde. Schon damals hatte es stark geregnet, der Boden war voll. Wenn die Erde aber kein Wasser mehr aufsaugen kann, dann steige die Aurach bei Regenfällen eben relativ schnell an.
Das hat sie auch am Wochenende getan. Nach der Schneeschmelze konnten weder die Erde noch der Fluss das Wasser aufnehmen. Die Aurach trat über ihre Ufer und klopfte bei der Lenzenmühle an die Tür.
Natürlich war die Familie Ortegel vorbereitet. Eine Ausschalung mit Brettern und Sand in der Mitte hätte das Wasser schon noch eine Zeit gebremst, meint Ortegel senior. Doch das geht auch nur eine Weile - denn wenn das Wasser weiter drückt, "dann kommt es auch rein", sagt Sohn Gerald.
Er hat als leidenschaftlicher Hobbyfotograf auch dieses Hochwasser dokumentiert. Auf der Homepage der Lenzenmühle sind weitere Fotos veröffentlicht, die auch die Hochwasservorfälle der letzten Jahre zeigen.
Und solche Ereignisse gibt es immer häufiger, weiß Ortegel zu berichten. "Die Hochwasser werden immer brutaler". Der Diplomkaufmann will dafür nicht nur den Klimawandel verantwortlich machen. Überall neue Baugebiete, die Versiegelung der Landschaft, die Versandung der Flüsse - vieles sei verantwortlich.
Dennoch sei das jetzige Hochwasser noch glimpflich verlaufen. Denn der viele Schnee an Weihnachten und das schnelle Auftauen durch die hohen Plustemperaturen seien sicherlich die Ausnahmesituation, sagt Ortegel.

1997 lief Wasser ins Haus


Ein ähnlich starkes Hochwasser hat es an der Lenzenmühle im Jahr 1997 gegeben. Da lief das Wasser ins Haus. Und im Sommer 1942, als ein Gewitterregen in der Region für katastrophale Zustände sorgte, stand das Wasser einen dreiviertel Meter hoch in der Stube, berichtet Vater Peter Ortegel aus Schilderungen seiner Eltern. "Damals", so berichtet er weiter, "schwammen auch die Karpfen durch das Wohnzimmer".

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