Königin der Instrumente bittet zum Konzert
26.01.2012
Ort: Herzogenaurach Von: Bernhard Panzer ![]()
Musik Die wertvolle Metzlerorgel in der Stadtpfarrkirche feiert zehnten Geburtstag. Ein Festival mit namhaften Organisten stellt die Königin der Instrumente einem breiten Publikum vor. Die Orgel kostete damals 1,5 Millionen Mark.

Die Orgel ist ebenso kostbar wie kolossal. 14 Tonnen beträgt ihr Gewicht, ihr neun Meter hohes Gehäuse ist aus massiver Eiche und die längste ihrer 3100 Pfeifen misst fünfeinhalb Meter. Und sie ist gleichermaßen filigran - bis hinein in die kleinste ihrer Pfeifen von gerade mal einem Zentimeter Länge ermöglichen ihre 45 Register tausendfache Klangkombinationen. Gebaut wurde die Kirchenorgel bei der Schweizer Kirchenbaufirma Metzler.
Es war damals eine "gemeinsame Kraftanstrengung" zwischen Kirche und Sponsoren aus der Wirtschaft und Bürgerschaft, das neue Wunderwerk anzuschaffen, wie es Kulturamtsleiter Helmut Biehler heute formuliert. Und es war ein "würdiges Geschenk der Bürgerinnen und Bürger Herzogenaurachs zum tausendjährigen Jubiläum an sich selbst und an die nachfolgenden Generationen", wie es Lorenz Raith damals bezeichnete.
Viele Mitmenschen erinnern sich noch an Raith, den Vorsitzenden des Orgelbauvereins und einstigen Schaeffler-Direktor, als er bei Festivitäten gemeinsam mit Bürgermeister Hans Lang mit einer Drehorgel durch die Straßen zog und um Spenden für das ehrgeizige Projekt bat.
Der Pfarrer machte Druck
Eine treibende Kraft war Pfarrer Erhard Nüsslein, wie sich Altbürgermeister Hans Lang im FT-Gespräch erinnert. "Er machte uns auf die marode alte Orgel aufmerksam." So wurde gehandelt, der Orgelbauverein gründete sich, scharte 130 Mitglieder um sich und sammelte innerhalb von fünf Jahren emsig die erforderliche Summe. Großes Lob übrigens gab's vom damaligen Pfarrer für die Stadt, die einen hohen Zuschuss von 370 000 DM gab. "Eine enorme Summe", sagte Nüßlein bei der Auflösungsversammlung des Vereins im Mai 2003. Und weiter: "Wenn in Bamberg eine Orgel angeschafft wird, gibt die Stadt einen Pauschalbetrag von nur 5000 DM."
Inzwischen hat Herzogenaurach nicht nur eines dieser wundervollen Instrumente. Denn zusammen mit der Ahrendorgel in der Kirche St. Otto verfügt Herzogenaurach gleich über zwei besonders hochwertige Kirchenorgeln. Ein solches Aufeinandertreffen auf engstem Raum - das findet man selten. Toni Rotter, Organist und Kantor von St. Magdalena, fasst das in Worte: "In Orgelfachkreisen ist Herzogenaurach schon eine Größe."
Das Orgelfestival
Rotter ist gemeinsam mit dem Kulturamt des Rathauses Organisator einer besonderen Veranstaltungsreihe. Der zehnte Geburtstag der Metzlerorgel soll mit einem Festival gekrönt werden. Denn bisher habe die Stadt mit diesem Pfund nicht gewuchert, sagte Bürgermeister German Hacker im Pressegespräch. Dabei sollten nicht nur die Kirchgänger in den Genuss des wunderbaren Klangerlebnisses gelangen.
Und so entstand die Idee zu einem Internationalen Orgelfestival. Über das Jahr verteilt werden sechs Abende angeboten, mit Orgelmusik aus Deutschland, Italien und England, mit Werken aus vier Jahrhunderten und einem Weltstar live: Denn am 8. März wird die Jazz-Organistin Barbara Dennerlein gastieren.
Die reist übrigens schon zwei Tage vorher an, berichtet Toni Rotter. Denn ihr Repertoire legt die Künstlerin erst dann fest, wenn sie das Instrument eingehend getestet hat. Ohne elektronische Unterstützung ist die Metzlerorgel eine Herausforderung auch für einen Weltstar.
Dennerlein ist derzeit der deutsche "Jazz-Export" Nummer eins, sie hat vor einigen Jahren die Kirchenorgel als Instrument entdeckt, auf dem Swing und Jazz auf außergewöhnliche, spannende Art präsentiert werden können. Seitdem swingt Dennerlein nicht nur auf Jazzfestivals, sondern auch auf den Orgeln der großen und wichtigen Kirchen rund um den Erdball.
"Wie die die Pedale spielt..."
Übrigens planen die Organisatoren, Dennerleins Konzert auch auf Leinwand zu übertragen. "Im Normalfall gibt es bei einem Orgelkonzert nicht viel zu sehen. Da legen sich die Besucher zurück, schließen die Augen und genießen einfach", berichtet Biehler. Doch bei der 47-jährigen gebürtigen Münchnerin ist das anders. Wenn sie virtuos in die Tasten greift, müsse man einfach genau hinschauen, meint Toni Rotter. "Allein schon, wie sie die Pedale spielt...!"
Den Auftakt macht bereits am 5. Februar der Bamberger Domorganist Markus Willinger. Er wird große Orgelwerke von J. S. Bach spielen. Er wird aber auch auf die Wünsche des Publikums eingehen, berichtet Helmut Biehler. Das bedeutet, dass die Besucher des Konzerts die Stücke mit auswählen können.
Professor Willinger ist derjenige Organist, der jedes neue Instrument als erster testen darf. Das war in St. Otto so, und vor zehn Jahren in St. Magdalena. Für die Schweizer Orgelbauer hat er größtes Lob: "Alle Instrumente aus der Werkstatt von Andreas und Mathias Metzler, die ich bisher spielen durfte, haben mich sehr beeindruckt", sagte er 2002 anlässlich der Anschaffung der neuen Herzogenauracher Orgel.
Der internationale Charakter dieser Vortragsreihe wird durch die Darbietungen von Luca Pollastri und Andrew Wilson unterstrichen, die Werke berühmter Komponisten aus ihrem Land mit den ihnen eigenen Klangbildern vortragen.
Besonderen Wert legen die Organisatoren auf die Feststellung, dass man auch ein Abo für drei oder alle sechs Konzerte erwerben kann. Entweder für sich selber oder als Geschenk. Weitere Informationen und Eintrittskarten gibt es im Amt für Stadtmarketing und Kultur, Tel. 09132/901-120. Auswärtige können Eintrittskarten an der Abendkasse hinterlegen lassen.
Das Programm des Orgelfestivals
Bach Am Sonntag, 5. Februar, gastiert um 17 Uhr Markus Willinger aus Bamberg. Sein Programm: "Kompositionen und Improvisationen"
Weltstar Barbara Dennerlein aus München spielt am Donnerstag, 8. März, um 20 Uhr Jazz an der Kirchenorgel. Zeitreise Am 11. Mai um 19 Uhr präsentiert der Herzogenauracher Toni Rotter mit seinen Schülern "Orgelmusik aus vier Jahrhunderten".
Italien Am 27. Juli um 19 Uhr ist Luca Pollastri aus Fidenza zu Gast. Er spielt "Italienische Orgelmusik".
England Der 16. September (19 Uhr) gehört Andrew Wilson aus London mit "Englischer Orgelmusik"
Finale Den Abschluss der Reihe macht am 18. November (17 Uhr) Gerald Fink aus Herzogenaurach mit "Deutscher Orgelmusik". Er ist wie Rotter Kulturpreisträger der Stadt Herzogenaurach.
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