Helga trotzt der Russen-Kälte

03.02.2012   Ort: Höchstadt  Von: Sabine Besslein  Fränkischer Tag

Frost Die Höchstadter Postzustellerin muss auch bei eisigen Temperaturen ihre Runde machen. Vor allem der kalte Ostwind setzt Leuten im Freien zu.


Helga Gehr machen die Minusgrade beim Postzustellen wenig aus. Sie hat seit 20 Jahren Freude an dem Job und weiß. was sie alles anziehen muss, um nicht zu sehr zu frieren. Fotos: Andreas Dorsch
Geht man in diesen Tagen am Morgen aus dem Haus, kann man sich zumindest auf eine Sache verlassen: Man ist sofort wach. Angesichts der eisigen Temperaturen, die uns die sogenannte "Russen-Kälte" beschert, hat man beim Passieren der Haustür das Gefühl, gegen eine Kältewand zu laufen. Auf dem Weg zum Auto ersetzt der wenig elegante Balanceakt auf einer angefrorenen Eisplatte den Morgensport. Die Temperaturanzeige im Auto zeigt minus zwölf Grad.
Für Kfz-Werkstätten kann dieses frostige Wetter allerdings von Vorteil sein. Bereits bis 11 Uhr hatten am Donnerstag Kilian Nagengast und Bernd Müller vom Höchstadter Auto-Wormser-Servicezentrum drei Fälle kältebedingter Pannen zu verzeichnen. Defekte oder zu schwache Batterien, vereiste Dieselfilter, zugefrorene Türen oder fehlendes Frostschutzmittel seien dabei die häufigsten Ursachen. Daher empfehlen die beiden Experten aus der Werkstatt eine regelmäßige Wartung sowie jährliche Winterchecks. Sollte das Auto dennoch liegen bleiben, geben manche Hersteller eine Mobilitätsgarantie, sodass das Abschleppen und der dazugehörige Ersatzwagen kostenlos sind.
Doch nicht jeder hat das Glück, im warmen Auto unterwegs sein zu dürfen. Die Höchstadter Postbotin Helga Gehr fährt seit fast 20 Jahren mit ihrem Fahrrad auf der Straße ihre Touren und das bei jedem Wind und Wetter. "Die niedrigen Temperaturen machen mir allerdings nicht mehr viel aus", sagt sie. Außerdem bleibe ihr ja ohnehin keine Wahl. Nicht die Kälte an sich, sondern der eisige Wind sei das Unangenehme, doch dagegen schütze sie sich mit der altbewährten Zwiebeltechnik: Leggins, Posthose, Regenhose, Unterhemd, Rolli, Pullover, Postjacke, Regenjacke, Schal, Handschuhe und Mütze - so eingemummt sieht man sie dieser Tage in den Straßen Höchstadts.
Und trotzdem, wenn sie nicht müsste, würde sie sich bei dieser Kälte auch nicht freiwillig draußen aufhalten. Doch Jammern kommt für sie nicht in Frage, denn mit einem Lächeln im Gesicht erzählt sie: "Ich arbeite gerne auf der Straße."

Die Finger werden steif


Auch Baustellenarbeitern wird keine Wahl gelassen. Sie müssen nach draußen, denn die Aufträge müssen erledigt werden, egal wie kalt es ist.
Die kalten Hände sind das größte Problem, denn teilweise können die Arbeiter nicht einmal Handschuhe tragen, da sonst das nötige Feingefühl verloren geht. Zudem bereitet der gefrorene Boden den Arbeitern Probleme, wie gestern dem Trupp, der im Auftrag der Telekom einen Leitungsschaden an der B 470 zwischen Höchstadt und Gremsdorf reparierte.
Doch auch in luftiger Höhe muss die Arbeit weiter gehen, wie zum Beispiel am Südbau des Höchstadter Gymnasiums. Auf dem Außengerüst im dritten Stock stehen Michael Altstadt und Dietmar Köhler, um die zwar noch völlig intakten, aber zu windanfälligen Jalousien auszutauschen. Der Wind pfeift dort oben so stark, dass sich die Arbeiter nicht einmal an heißen Getränken wärmen können. "Der Kaffee wird schneller kalt, als man ihn trinken kann", sagt Dietmar Köhler.
Laut Wettervorhersagen müssen wir es wohl noch einige Tage mit diesen frostigen Temperaturen aushalten. Doch glaubt man den hartgesottenen Menschen, die täglich im Freien zu tun haben, ist das alles nur eine Frage der Gewöhnung.



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