Heißer Job und viel Kohle bei den Stadtwerken
25.10.2011
Ort: Erlangen Von: Michael Busch ![]()
Einsatz Seit Tagen kämpfen Feuerwehrler und THWler gegen einen Schwelbrand im Kohlelager der Erlanger Stadtwerke. Der Schwefelgeruch liegt seit Wochen über der Stadt.
Ebenso wie er sehen seine Kameraden des Technischen Hilfswerkes (THW) schwarz, die mit insgesamt drei Bagger die Kohlen Schicht für Schicht abtragen, um sie durch die Feuerwehrler ablöschen zu lassen. Karlheinz ist einer von weit über 100 Feuerwehrleuten, die bereits in dem Kohlebunker gearbeitet haben.
Seit dem vergangenen Donnerstag sind die Kräfte im Einsatz. Die Freiwilligen Feuerwehrler unterstützen die hauptamtlichen Kräfte der Ständigen Wache.
Und so nebenbei "müssen ja auch noch die Kräfte bereitgehalten werden, die bei anderen Schadensereignissen zum Einsatz müssen", erklärt der Feuerwehrchef und Stadtbrandrat Friedhelm Weidinger. Es ist ein aufwendiger, großer Einsatz. "Im Durchschnitt sind die 25 Kräfte vor Ort jeweils vier Stunden aktiv." Gearbeitet wird von morgens bis spät in die Nacht hinein, am Samstag sogar bis nachts um 2 Uhr. "Hervorragend ist die Zusammenarbeit mit dem THW", erläutert Weidinger.
Das muss sicher auch sein. Denn die höchsten Temperaturen, die in dem rund 3000 Quadratmeter großen Bunker gemessen werden, liegen bei 300 Grad. Natürlich in den Schichten, in denen die Kohlen glühen. Diese liegen irgendwo im unteren Bereich der gut 15.000 Tonnen Brennstoff in dem Lager.
Doch wie kam es zu dem Schwelbrand?
Die Antwort gibt Wolfgang Geus, Vorstand der Erlanger Stadtwerke: "Es liegt unter anderem an der besonderen Eigenschaft der Kohle: Sie neigt zur spontanen Selbstentzündung." Im Kontakt mit Sauerstoff oxidiert Kohle. Bei dieser chemischen Reaktion entsteht Wärme. Die zwei oder drei Tonnen im Kohlenkeller zu Hause sind meist so gelagert, dass diese überschüssige Wärme durch die umgebende Luft und die Luftzirkulation abgeführt wird. Doch bei großen Kohlelagern kann diese Eigenschaft dazu führen, dass die Kohle von allein zu glimmen anfängt. Und zwar dann, wenn genug Sauerstoff vorhanden ist, um die Oxidation in Gang zu setzen, und die dabei entstehende Wärme nicht schnell genug abgeführt wird.
In Erlangen war das Problem, dass der relativ milde Winter dafür gesorgt hat, dass die Stadtwerke, die mit Kohle- und Gasbrennern arbeiten, ab Januar nicht mehr so viel Kohle wie in den Jahren zuvor benötigten. Daher befanden sich im Lager mehr Vorräte als geplant. Im Sommer wird allerdings auch keine Kohle verheizt, so dass der Lagerbestand konstant hoch blieb, so Geus.
Im Grunde ist eine Überhitzung vermeidbar, wenn die Kohle gekühlt wird. So lagern verschiedene Unternehmen ihre Kohle in Wasser oder bedampfen die Kohle permanent. Die Anwohner der Erlanger Stadtwerke haben bereits bemerkt, dass "irgendetwas am Schwelen ist". Denn ein leichter stechender Schwefelgeruch durchzieht nicht nur das angrenzende Viertel.
Die Studentin Vanessa Biermann wohnt vis-à-vis zum Kohlebunker im so genannten Färberhof. "Der Geruch hängt richtig in der Nase, aber mit uns hat noch keiner gesprochen", erklärt sie.
"Antworten gibt es nur auf Nachfrage, dann ist es aber auch eher eine Beruhigungstaktik", ärgert sich die Studentin. Grund genug für sie am vergangenen Sonntag, am Tag der offenen Tür, zum "großen" Nachbarn zu gehen, um sich das Unglück mal anzuschauen. Doch der Blick auf das Kohlelager blieb aus. "Wenigstens die Nase bekommt noch alles mit", schimpft sie.
Dass die Kräfte in dem Bunker mit Atemschutz arbeiten, hat sicher seinen Grund. Doch die Frage der Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung ist schwer zu beantworten.
Das Risiko, dass der Schwelbrand sich zu einem richtigen Brand entwickelt, ist eher gering, aber durchaus gegeben.
Laut Lexikon sondert Kohle schon bei etwa 80 Grad leicht flüchtige Anteile ab, die sich entzünden können. Es entsteht zunächst ein rot glühender Schwelbrand. Wenn die Temperatur im Inneren der Kohle weiter steigt, schlagen erste Flammen hoch, die Kohle beginnt richtig zu brennen - dabei steigt die Temperatur auf bis zu 1500 Grad.
Zur Frage der Gesundheitsgefährdung erklärte Geus: "Wir haben immer wieder die Werte von CO2 und Schwefel gemessen und die Grenzwerte nie überschritten." Wie hoch die Fein staubbelastung ist, die bei den Baggerarbeiten entstanden ist, kann nur gerätselt werden.
Karlheinz und die anderen Feuerwehrler jedenfalls tun ihr Bestes, um den Schwelbrand in Griff zu bekommen. "Am Mittwoch sind die Arbeiten abgeschlossen", meint Geus optimistisch. Am Donnerstag werden die Bagger rausgehoben und dann soll wieder Ruhe im Bunker einkehren.
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Kommentare
so ein Betrieb gehört einfach nicht ....
... mitten in die Stadt. Völlig unverständlich, dass man die Anwohner nicht informiert, ob eine Gesundheitsgefährdung vorliegt.
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